03. 09. 2007: Barth-Bericht 2006/2007

Hopfenmarktbericht III / 2007:
Barth-Bericht 2006/2007
"Wir hoffen auf eine große Welternte im Interesse aller Marktteilnehmer", so endet der Barth-Bericht 2006/07. In der Tat wäre eine weitere Minderernte eine Katastrophe für die boomende Weltbierwirtschaft.
Doch dazu gibt es keine Anzeichen: das Yakima-Tal steht gut bis sehr gut und die Hallertau kann nach dem durchsetzten Sommer auch eine recht normale Ernte erwarten.

Für 2008 wird damit noch Knappheit an Hopfen bestehen, wenn auch dann schon ein Mehrangebot aus Hochalphasorten der beiden Super-Anbaugebiete zu erwarten ist: "Herkules" aus der Hallertau (zurzeit + 188 ha) und "Summit" (zurzeit + 800 ha) aus den USA. Dieses Einlegen dürfte sich weiter verstärken aus dem "Einkommensrausch" der Pflanzer in 2007, v.a. in den USA. Wir müssen also heute schon wieder eher auf die Bremse gehen. Ob diese Vernunft bestehen wird, liegt allein in der Verfolgung des Prinzips "ohne Vertrag kein Draht".

Der Barth-Bericht 2006/07 geht erstmals freimütiger auf Risiken und Probleme der Hopfenversorgung weltweit ein. Die Mehltau-Probleme der USA, die Abhängigkeit des Yakima-Tals von winterlichen Schneefällen in den Cascade Mountains zur Wasserversorgung, die finanzielle Unterversorgung der US-Farmer, dass in Australien nur noch 8 Hopfenpflanzer mit durchschnittlich 55 ha Betriebsfläche bestehen, dort aber wegen des Fehlens von Krankheitspilzen innerhalb eines Jahres auf den Markt reagiert werden kann.

Im chinesischen Hopfenbau besteht nach wie vor ein Informations- und Qualitätsproblem - extern, aber auch intern. Die Pflanzer hätten mehr vorkontrahiert, als sie liefern konnten. Allerdings unterhält Barth dort drei eigenständige Firmen mit Verarbeitungswerken. Mittelfristig muss mit China also gerechnet werden. Auch wenn in der Pressekonferenz Stephan Barth das Thema China noch flach hielt, so liegt es doch sehr im Ermessen des größten Hopfenpflanzers der Welt (Barth-Haas), sein Know-how des Hochleistungsanbaus mit den Flächen Chinas zu kreuzen. Sicherlich wird Steiner mitziehen.

Die vage politische Situation Chinas ist das einzige wirkliche Hemmnis. Nach der Olympiade 2008 in Peking werden viele Bedenken vom Tisch gewischt. China ist der größte Absatzmarkt für Bier und hält noch große Wachstumsreserven. So wird sicherlich die chinesische Hopfenproduktion so stark werden wie ihr Bierkonsum es erfordert, und ganz Asien wird davon mit eingedeckt.

Auf Japan wird im Barth-Bericht als Hopfenproduzent (244 ha) nicht mehr eingegangen. Für die Zukunft müssen wir mit einem 3-Säulen-Modell der Hopfenproduktion rechnen: Yakima-Tal : Hallertau : China (2 Gebiete). Die Klimaveränderung wird diese globale Verteilung auch fördern, vielleicht sogar in dramatischer Weise. Sollten im Yakima-Tal die Wasserreserven ausfallen, würden 25% des Weltalphas fehlen. Ein sehr milder Winter in den Cascade Mountain, und schon wäre dies gegeben.

So wird erkennbar, dass die Brau-Großkonzerne nicht nur in Verträge drängen, sondern auch in neue Lagerreserven. Wenn es dem Handel wieder finanziell besser geht - wie es Barth auch offen zugab in der Pressekonferenz -, wird der Handel auf das "grüne Gold" setzen. Kurzfristige Überproduktionen, z.B. aus einer sehr guten Ernte, werden in die Lagerhaltung gehen, die auch finanziert werden muss, und sollte nicht mehr zu einem Preisverfall am Spotmarkt führen.

Wenn es nun gelänge, die Anbaufläche weltweit exakt am Bedarf zu verankern (Verträge) und Überproduktionen für Missernten zu verwenden/zu bevorraten (max. 33% der Welternte), bei einem stabilen durchschnittlichen Preisniveau, das die Hopfenbetriebe leben lässt (Erzeuger und Veredler), dann hätten die harten letzten Jahre auch ihr Gutes mit dieser "Weltvernunft" gehabt.