17. 09. 2007: Risiken und Probleme der Hopfenversorgung

Hopfenmarktbericht IV / September 2007

"Wir hoffen auf eine große Welternte im Interesse aller Marktteilnehmer", so endet der Barth-Bericht 2006/07. In der Tat wäre eine weitere Minderernte eine Katastrophe für die boomende Weltbierwirtschaft. Doch dazu gibt es keine Anzeichen: das Yakima-Tal steht gut bis sehr gut und die Hallertau kann trotz des durchsetzten Sommers eine leicht überdurchschnittliche Ernte erwarten. Für 2008 wird damit noch Knappheit an Hopfen bestehen, wenn auch dann schon mit einem Mehrangebot aus Hochalphasorten der beiden Super-Anbaugebiete zu rechnen ist: "Herkules" aus der Hallertau (zurzeit + 188 ha) und "Summit" (zurzeit + 800 ha) aus den USA. Dieses Einlegen dürfte sich weiter verstärken aus dem "Einkommensboom" der Pflanzer in 2007, v.a. in den USA. Wir müssen also heute schon wieder eher auf die Bremse gehen. Ob diese Vernunft bestehen wird, liegt allein in der Verfolgung des Prinzips "Ohne Vertrag kein Draht".



Zur Hopfenrundfahrt mit Minister Miller gibt es alljährlich die ersten Marktprognosen. 2007 blieb sie eine Schönwetter-Veranstaltung, auch im direkten Sinn.

Risiken und Probleme der Hopfenversorgung
Der Barth-Bericht 2006/07 geht erstmals freimütiger auf Risiken und Probleme der Hopfenversorgung weltweit ein. Die Mehltau-Probleme der USA, die Abhängigkeit des Yakima-Tals von winterlichen Schneefällen in des Cascade Mountains zur Wasserversorgung, die finanzielle Unterversorgung der US-Farmer, dass in Australien nur noch 8 Hopfenpflanzer mit durchschnittlich 55 ha Betriebsfläche bestehen, dort aber wegen des Fehlens von Krankheitspilzen innerhalb eines Jahres auf den Markt reagiert werden kann. Im chinesischen Hopfenbau besteht nach wie vor ein Informations- und Qualitätsproblem - extern, aber auch intern. Die Pflanzer hätten mehr vorkontrahiert, als sie liefern konnten. Allerdings unterhält Barth dort drei eigenständige Firmen mit Verarbeitungswerken. Mittelfristig muss mit China also gerechnet werden. Auch wenn in der Pressekonferenz Stephan Barth das Thema China noch flach hielt, so liegt es doch sehr im Ermessen des größten Hopfenpflanzers der Welt (Barth-Haas), sein Know-How des Hochleistungsanbaus mit den Flächen Chinas zu kreuzen. Sicherlich wird Steiner mitziehen. Die vage politische Situation Chinas ist das einzige wirkliche Hemmnis. Nach der Olympiade 2008 in Peking werden aber vermutlich viele Bedenken vom Tisch gewischt.

Klimawandel: Auswirkung auf die Hopfenproduktion
China ist der größte Absatzmarkt für Bier und hält noch große Wachstumsreserven. So wird sicherlich die chinesischen Hopfenproduktion so stark werden, wie ihr Bierkonsum es erfordert und ganz Asien wird davon mit eingedeckt. Auf Japan wird im Barth-Bericht als Hopfenproduzent (244 ha) nicht mehr eingegangen. Für die Zukunft müssen wir mit einem 3-Säulen-Modell der Hopfenproduktion rechnen: Yakima-Tal : Hallertau : China (2 Gebiete). Die Klimaveränderung wird diese globale Verteilung auch fördern, vielleicht sogar in dramatischer Weise. Sollten im Yakima-Tal die Wasserreserven ausfallen, würden 25% des Weltalphas fehlen. Ein sehr milder Winter in den Cascade Mountains, und schon wäre dies gegeben. So wird erkennbar, dass die Brau-Großkonzerne nicht nur in Verträge drängen, sondern auch in neue Lagerreserven. Wenn es dem Handel wieder finanziell besser geht - wie es Barth auch offen zugab in der Pressekonferenz - wird der Handel auf das "grüne Gold" setzen. Kurzfristige Überproduktionen, z.B. aus einer sehr guten Ernte, werden in die Lagerhaltung gehen, die auch finanziert werden muss, und sollte nicht mehr zu einem Preisverfall am Spotmarkt führen. Wenn es nun gelänge, die Anbaufläche weltweit exakt am Bedarf zu verankern (Verträge) und außergewöhnlich gute Ernten für Missernten zu verwenden/zu bevorraten (max. 33% der Welternte) bei einem stabilen durchschnittlichen Preisniveau, das die Hopfenbetriebe leben lässt (Erzeuger und Veredler), dann hätten die harten letzten Jahre auch ihr Gutes mit dieser "Weltvernunft" gehabt. In Slowenien hat unlängst ein Sturmhagel knapp ein Drittel der Ernte vernichtet. Die Risiken werden immer evidenter.


US-Hopfenmarkt
Vom US-Hopfenmarkt berichtet Barth: In den USA haben die Wachstumsbedingungen ebenfalls eine gute Hopfenernte begünstigt. Aber auch hier ereigneten sich, wie berichtet, Schäden in Folge von starkem Regen und Hagelstürmen. Im nördlichen Idaho kam es Anfang Juli zu einem kurzen, aber heftigen Hagelsturm, der teilweise 50% der Ernte auf mehreren hundert Hektar Fläche zerstörte. Lang anhaltende Regenfälle Mitte August in Oregon führten zum Einsturz der Hopfengärten auf 100 ha Fläche. Der geschätzte Schaden dieser beiden Unwetter beläuft sich auf 450 mt Hopfen. Die Tabelle zeigt unsere aktuelle Ernteschätzung basierend auf der Flächenerhebung der USA.

Region

Washington
Oregon
Idaho

Total
Schätzung 2007 (mt)

21 640
  3 980 
  2 230

27 850
Ernte 2006 (mt)

20 100
  4 020
  2 046

26 166



Der Hopfenmarkt in Deutschland
Mit Ausnahme der sehr frühreifen Sorte Hallertauer Mittelfrüh haben sich alle Sorten zufriedenstellend entwickelt. Der durch einen starken Hagelsturm um die Region Geisenfeld Ende Juli verursachte Schaden von ca. 1000 mt wurde teilweise durch die guten Wachstumsbedingungen kompensiert. So ergibt die offizielle Ernteschätzung, die von der Schätzkommission zwischen dem 17. und 22. August durchgeführt wurde, eine Gesamtmenge für Deutschland von 30939 mt.

Region


Hallertau
Elbe-Saale
Tettnang
Spalt
Rheinpfl./Hochdorf

Total
Schätzung
2007 (mt)

26 500
 2 524
  1 625
     525
       36

30 939
Ernteergebnis
2006 (mt)


24 294
 2 252
  1 424
     504
       34

28 508
Ernteergebnis
2006 (mt)

29 640
  2 486
  1 703
    600
      38

34 467


( mt = metrische Tonne = Tonne)

 

Die Erwartungen für den Freimarkt
Das Marktumfeld hat sich laut Barth-Hopfenmarkttelegramm vom August nicht wesentlich geändert:
"Bei den derzeitigen Ernteaussichten wie oben berichtet ergibt sich ein Alphadefizit aus der Ernte 2007 von 500 bis 700 mt. Der Markt wird also wieder sehr eng.

Wir gehen von einem langsamen Einsetzen der Freimarktes aus, da die Preiserwartungen der Pflanzer anfänglich über denen der Brauereikundschaft liegen dürften. Es ist ferner davon auszugehen, dass die Pflanzer ihre Freihopfen nur in Verbindung mit langfristigen Vorverträgen abgeben wollen.

Die HVG hat in Deutschland wieder Pools eröffnet. Anzahlungspreise liegen bei 6,50 Euro/kg für Magnum, 7,00 Euro/kg für Taurus und Herkules und für die gängigen Aromasorten zwischen 4,50 und 5,00 Euro/kg, für Tettnanger bei 7,50 Euro/kg. Es bleibt zu sehen, inwieweit die Poolvermarktung aus Sicht der Pflanzer im momentanen Marktumfeld eine attraktive Alternative darstellt."

Erkenntnisse aus der Hopfenrundfahrt 2007
Kennzeichnend für dieses Jahr: die Brauer gaben keine Statements ab. Sie freuen sich also über jeden Zentner Hopfen. Sorgen bereitet aber viel mehr die Braugerste, die heuer wieder katastrophale Erträge aufwies. Den Hopfenmarkt umriss Dr. Pichlmaier, Deutscher Hopfenpflanzerverband, mit einem Satz: "Heuer ist sogar der Wechselkursnachteil Europas ausgesetzt". Die ganze Rede unter www.hallertau.info
Es wird 25-30 Prozent mehr Alpha erwartet als 2007, was aber bei den schlechten Werten von 2006 eigentlich nur ein normal-gutes Alpha bedeutet. Doch Handel und Brauer dürften sich darüber sehr freuen.
Die Verträge reichen bis 2013, in Einzelfällen darüber. Sie pendeln sich in den Jahren über 2010 bei 400 Euro/100kg ein. Das Einlegeverhalten der Hallertau bleibt verhalten. Es wird wirklich zuerst der Vertrag dazu gesucht. Dies gewähre eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Zur Hopfenrundfahrt mit Minister Miller gibt es alljährlich die ersten Marktprognosen. 2007 blieb sie eine Schönwetter-Veranstaltung, auch im direkten Sinn.