10. 10. 2007: Alphadefizit aus Ernte 2007

Alphadefizit aus Ernte 2007 weltweit 10%
Freihopfenpreise werden weiter kräftig steigen
Peter Hintermeier, Geschäftsführer von Joh. Barth & Sohn, gab beim IGN-Stammtisch in Niederlauterbach einen Überblick über die Ernte 2007 weltweit, eine Art Barth-Zwischenbericht (Details: www.hallertau.info). Gerade in den USA enttäuschten die Hochalphasorten in Ertrag und Alpha die hohen Erwartungen. Es werden nur 2800 to Alpha erreicht (Durchschnitt: 3000 to Alpha). Auch in der Hallertau widerfuhr dies dem Magnum. Damit reißt sich ein Alphadefizit auf. Hintermeier kalkuliert 7500-7600 to Alpha weltweit (normal wären 7800-7900 to), wobei der Weltbedarf bei 8200-8300 to liegt. Da nach der viel zu niedrigen Ernte 2006 (7000 to Alpha) die Lager weltweit nicht mehr bestehen, heißt dies, dass die Brauer sich um den wenigen Freihopfen reißen werden.
Die vom Hopfenpflanzerverband publizierten Preise von 1200,- Euro/100 kg bei Taurus und Herkules dürften nur der Anfang sein. Hintermeier wollte keine Preisprognose abgeben, aber was nun am Freihopfenmarkt bevorsteht, wird Preise ergeben, wo Brauer erst durch den Preis gezwungen werden auszusteigen. Da der Hopfen nur 1% der Gestehungskosten im Bier ausmacht, dürfte dieser Preisspielraum größer sein, als bisher erlebt. Zwar werden die Brauer die Hopfengaben senken, verstärkt Downstream-Produkte einsetzen und die Ernte 2008 vorziehen, aber das setzt einen homogenen Markt voraus. Die Brauer, die sich über Verträge abgedeckt haben, werden dies eben nicht nötig haben und weiter in ihrer Tradition brauen. (Vielleicht auch mitspekulieren, schließlich wird der Freihopfenpreis so hoch werden, dass sie ein wenig abgeben und damit ihre Hopfenkosten deutlich senken.)
Für die Brauer ohne Verträge wird 2007/8 die Hölle hereinbrechen. Sie werden jetzt schon Existenzsicherung betreiben und jeden Tag wird der Hopfen teurer werden. Wer im Verkauf wartet, gewinnt. Umso länger er wartet, umso mehr. Es gibt auf Grund der treuen Vertragserfüllung in der BRD und USA so wenig Freihopfen, dass wir mit einem geschichtlichen Allzeithoch des Freihopfenpreises rechnen können (vorne mit einer 3 bei Hochalphasorten). Pflanzer werden auch weiter sehr gute Verträge bekommen. Ein Marktausgleich wird erst in 2009 erreichbar (und 2010 bestimmt erreicht), wobei die US-Farmer sicherlich 2008 noch kräftig einlegen werden - und in 2008 ernten (mit kurzfristigen Verträgen). Allerdings wird 2008 auch aus der Hallertau Mehrfläche tragen. Eine Erhaltung eines längerfristigen guten Preisniveaus wird nur möglich sein, wenn nur Hopfen eingelegt wird, der vertraglich verkauft wird. Es wird leider der Super-Freihopfenpreis 2007/8 die Moral und Vernunft der Pflanzer gefährden. Doch wir sollten aus der 10 Jahre langen Überproduktionsbaisse gelernt haben. Was nützt ein Superpreis ohne Volumen, wichtig ist das Gesamteinkommen über Jahre.

(Eduard Kastner)