Hopfenrundfahrt: Rekordernte minus 100 000 Ztr.

Hopfenrundfahrt: Rekordernte minus 100 000 Ztr.

02.09.2009

Au, 2.9.09 (ted). Bei seiner ersten Hopfenrundfahrt fand Minister Helmut Brunner schnell in die Thematik Hopfen und die Mentalität der „Hopfenfamilie“. Vor allem würdigte er die Leistung der Hopfenforschung Hülls nicht nur, sondern ließ keinen Zweifel, dass das Forschungsinstitut sein Weg der bayerischen Agrarpolitik ist und so die bayerische Landwirtschaft nicht nur überlebensfähig bleibt, sondern in der Championsliga mitspiele. Dr. Pichelmaier ehrte Dr. Nolting und Dr. Zornbach mit dem Hopfenorden. Zum Hopfenmarkt äußerte sich Stephan Barth mehr als besorgt: es muss ab der Ernte 2009 weltweit in großem Umfang gerodet werden.

Dr. Pichelmaier, Vorsitzender des deutschen Hopfenpflanzerverbands, fasste schon in seinem Statement zusammen, dass es aus der Ernte 2009 größere Mengen Freihopfen geben wird: aus Osteuropa, wo den Vertragsbrechern 2006/7 keine neuen Verträge gegeben wurden und sie nun über 60 % Freihopfen verfügen, die trotz Hagelschadens noch große Ernte der Hallertau Überschusshopfen auf den Markt wirft und nun in Amerika die Großflächen durchschlagen und erstmals wieder einen nennenswerten Freihopfen produzieren. Barth stellte fest, dass die Brauer zu hohe Kontrakte eingegangen sind und die Entwicklung des Bierabsatzes und vor allem die Hopfengaben, v.a. auch aus dem Einsatz von Iso-Extrakten, nicht berücksichtigten. So haben die Brauer zu viel Hopfen und werden die weitere Zulieferung herunterfahren wollen. Damit sei der Vertragsmarkt in seinem Kern bedroht. Es könnten Verhältnisse wie in China eintreten. Dort ginge nichts mehr. Der Hopfen von 2008 verkommt in den Lägern als unverkäuflich. Alle Hopfen ohne Vertrag müssen gerodet werden. Wo Verträge auslaufen, gelte das Gleiche.

Die Ernte 2009 schließt in Ertrag und Alpha an die Rekordernte 2008 an, allerdings gemindert um die 100 000 Ztr., die durch den Hagel vom 26.5.09 zerstört wurden. Die Hopfenrundfahrt startete vom Schlossbräu-Biergarten in Au, wo Minister Brunner gekonnt ein Fass Bier anzapfte, durch die Region südlich und drehte dann nach Wolnzach ab. Damit wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar. In Hüll zeigte Institutsleiter die Schwerpunkte im Pflanzenschutz auf, wozu Stefan Schlagenhauser seine dreijährige Forschung über den Echten Mehltau präsentierte, die mittlerweile ein Prognose-Modell vergleichbar zur Peronospora ermöglichen mit entsprechenden Spitzempfehlungen. Dr. Michael Möller, Präsident der Gesellschaft für Hopfenforschung, hieß dazu die rund 22o Gäste als Hausherr willkommen. Die erfolgreichen Hüller Zuchtsorten durften natürlich auch nicht zur Präsentation fehlen.

Keine 200 Meter entfernt erntet Alois Widmann gerade die Sorte Saphir. Insgesamt baut er 34 ha Hopfen an. Entsprechend groß stellt sich seine Erntetechnik dar. Eine Fuß-Pflückmaschine zieht die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Vor dem Haus findet sich ein Anschauungsbeispiel des Aufbaus. Josef Fuß führt es vor. So war auf der Rundfahrt 2009 auch kein Vertreter von Wolf/Geisenfeld zu sehen. In seiner Vorstellung des Hofs und der Technik erklärt Alois Widmann, dass sein Bandtrockner nicht mehr Energie erfordere, als eine konventionelle Darre. Der Minister hängt zum ersten Mal Hopfen ein. Immer wieder liefern ihm die Assistentinnen, die Hallertauer Hopfenköniginnen, nicht genügend Nachschub. „Schneller, schneller“, feuert er sie an. Schon eingangs stellte er sich als „Waldler“ dar, die wüssten, was arbeiten heiße. Doch in der Hallertau könnten auch die „Waldler“ dazulernen. Die Fahrt ging unter weiter unter fachmännischer Anleitung durch die Hüller Hopfenberater zurück nach Au, wo im Schlosskeller die traditionelle Schlussbesprechung anberaumt war mit anschließendem Abendessen (Schweinsbraten nach Hopenzupfer-Art), wozu die Gastgeberin, 2. Landrätin des Kreises Freising, Frau Anita Meinelt, einlud. Minister Brunner: „Ich habe mich bei Euch wohlgefühlt“ – und blieb noch länger.

Noch nie nahmen so viele Vertreter unterschiedlichster Organisationen und Firmen bei der Minister-Rundfahrt teil. Außergewöhnlich fielen auch die diesjährigen Empfänger des Hopfenordens des Internationalen Hopfenbau Büros aus. Es sind beide Naturwissenschaftler und für die Zulassung neuer Pflanzenschutzmittel zuständig: Dr. Hans-Gerd Nolting vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und Dr. Wolfgang Zornbach vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Beide freuten sich riesig für die Anerkennung ihrer unbürokratischen Arbeit und ihr Engagement für den Hopfen, obwohl sie natürlich für viele andere Kulturen auch zuständig sind. Doch nun kann sich an dieser Einstellung nichts mehr zum Schlechteren entwickeln. Für beide ist er der erste Orden. Sicherlich eine gute Wahl.

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