09. 09. 2008: Barth schätzt Unterversorgung

Die Analyse des Barth-Berichts 2008 (www.barthhaasgroup.com) offenbart immer etwas Neues, selbst für Fachleute. Die südafrikanische Hopfenernte im Februar/März war miserabel, (-30 to Alpha), während Australien und Neuseeland kräftig zulegten, allerdings auf bekanntniedrigem Niveau (+ 34 to Alpha und +5 to Alpha). Bekannt ist Barth für seine klaren Zahlen bei Flächen und Sorten, die auch vor dem JHB bestehen können. Aus dem wachsenden Bierausstoß (2007 von 5,4 %, 2006 von 5,9 %) ist eine Trendschätzung für 2008 möglich. Sie liegt bei + 5 %. Bei üblichen Hopfengaben, wobei sie 2006 und 2007 eher niedriger wurden, ergibt sich ein Mehrbedarf an Alpha von 422 to nach Barth-Durchschnitt. Barth errechnete für 2007 ein Alpha-Defi zit von 1.587 to. Es wird gerade erlitten durch Lagerabbau bei den Brauern, sowie niedrigere Hopfengaben wie z. B. in China, wo nur die Hälfte der üblichen Hopfenmenge eingesetzt wird (2 gr Alpha/hl). Barth erfasst auch die Neufl ächen weltweit mit knapp 6.000 ha, wobei es in der Summe nur Hochalpha Sorten sind. Auf die USA entfallen 2.900 ha (bzw. 2.894 ha lt. Hopfenmarkt-Telegramm), auf Deutschland 1.024 ha, der Rest eben auf China und Drittländer wie Australien. Barth errechnet trotzdem für 2008 ein Alphadefizit von 859 to. Dr. Pichlmaier sieht hingegen bei vorsichtiger Schätzung einen Überschuss von 500 to, der aber vom Markt aufgesogen wird (Hopfenbauversammlung in Au siehe www.hallertau.info/ Lokales/Au mit Redemanuskript Otmar Weingartens in voller Länge). Bei einer so gewaltigen Abweichung der Schätzung sei eine eigene Rechnung erlaubt. Die USA erwarten eine "durchschnittliche Ernte". Nehmen wir an, die Neuhopfen erreichen heuer nur 60 % des Durchschnitts und die Althopfen leiden durchschnittlich wie die letzten zwei Jahre, so erzeugen die USA in 2008 3.480 to Alpha, also 580 to mehr. Deutschland wird 2008 eine gute Ernte haben. Die jetzt schon geschätzte Ernte 08 der Hallertau liegt bei 600 000 Ztr. (07: 544 020 Ztr.), wobei der Hopfenpflanzerverband von 100 000 Ztr. Freihopfen ausgeht. Die Wetterprognose für August/September ist gut. Es liegen keine Schäden durch Krankheiten, Trockenheit oder Sturm vor. Mit dem 2006 eingelegten 500 ha Herkules und den 900 ha neuem Herkules (30 % Ertrag) kommen wir vorsichtig auf 3.230 to Alpha, also 464 to mehr. Für 2009 liegt übrigens die zu erwartende Alphamenge, dank 2007 eingelegtem Herkules, bei 3.500 to (vorsichtig geschätzt), ohne weitere Neuflächen. Die übrigen 2.000 ha Neufläche weltweit erbringen vorsichtig geschätzt 200 to Alpha, wobei Neufl ächen aus 2006 auf vollen Ertrag kommen, was aber aus klimatischen Unwägbarkeiten weggelassen wird. In Summe ergeben sich 1.243 to Alpha mehr. Auch sind für Slowenien 130 to hinzuzurechnen, die letztes Jahr der Hurrikan zerstörte. Nun müssen aber bei der Berechnung des Alphabedarfs der Brauer kontinentale Unterschiede eingeführt werden. Barth legt die Weltbierproduktion nach Kontinenten und Ländern offen, gewichtet sie aber einheitlich mit dem Weltdurchschnitt von 4,6 g Alpha/hl. Wenn auch 2 g in China eine Notproduktion sind, so liegen die Chinesen vermutlich nur bei 3 gr Alpha/hl. Mehr würde ihnen der hopfenentwöhnte Biertrinker auch gar nicht mehr abnehmen. Die anderen asiatischen Wachstumsländer liegen ähnlich. Das hopfenbewusste Japan stagniert. Auf dieser Rechenbasis lag der Mehrbedarf an Alpha aus dem 5,4 % Wachstum des Biermarktes nur bei 363 to Alpha, da mehr als die Hälfte aus dem asiatischen Raum, v. a. China, kam und wird so für 2008 bei geschätzten 336 to liegen. Allerdings ist die Schätzung des Gesamtalphabedarfs nach Barth mit 8.469 to bei einer Hopfengabe von 5,6 gr Alpha/hl für den Rest der Welt doch etwas zu hoch (5,4 gr realistischer, gesamt 8.319 to). Fazit: Das Sudjahr 2008/9 ist praktisch ausgeglichen mit nur minimalen Lösungen. Mit der gewohnten Jahresrechnung sind dem Bedarf 2008 336 to hinzuzurechnen und davon die Mehrproduktion von 1.373 to abzuziehen, so dass der geschätzte Überschuss 2008 bei 328 to Alpha liegen müsste. Aufgrund der hohen Vorkontraktion wird der "Heißhunger" auf Hopfen nicht mehr so bestehen, aber alle Freihopfen werden nachgefragt werden, weil keine Lager bestehen, d. h. das Preisniveau bleibt in der Höhe von Oktober 2007. Es sei denn, die tatsächliche Alphamenge aus der Ernte 2008 übersteigt den errechneten Bedarf wesentlich. Allerdings hat der Markt das Defi zit von 2007 besser bewältigt als angenommen. Auch der vermehrte Einsatz von Isoprodukten aus der gigantischen US-Ernte könnte zu Buche schlagen. Allerdings sind die 200 to Alpha für neue Nutzungen auch anzusetzen und gleichen in etwa die ISO-Differenz aus. China wird weiter unter 3 gr Alpha/hl produzieren, es sei denn, dass die chinesische Hopfenernte nicht so katastrophal ausfällt wie in den Vorjahren. Die Hopfenberichterstattung über die Erntemengen 2008 wird aber dennoch spannend werden. Die HVG bietet einen Pool für 2008, in dem 9 Euro/kg für Magnum/ Herkules und 5 Euro/kg für Perle garantiert werden mit Markterwartung darüber. Otmar Weingarten empfi ehlt, dieses Angebot wahrzunehmen. Sicherlich sind aber höhere Freihopfenpreise bis Ende Oktober wahrscheinlich und mitzunehmen. Das Angebot der Pools kann auch in letzter Minute noch angenommen werden. Auf jeden Fall werden alle Freihopfen zur Lagerreservebildung eingesetzt, allerdings nur zu einem nicht überhöhten Wert, da 2009 wieder mehr Hopfen zur Verfügung stehen könnte - allerdings bei 5 % Biermarktwachstum nur 600 to Alpha.

 

 

Anmerkung: Die ursprüngliche Überschrift lautete: „Barth schätzt die Unterversorgung aus Ernte 2008 auf 859 t Alpha“ Mit E-Mail/Brief vom 22.8.08 wies die Firma Joh. Barth & Sohn darauf hin, dass sich das Alphadefizit von 849 t im Barth-Bericht doch auf 2008 bezieht und forderte eine Korrektur der Überschrift und des Zitats.

Anmerkung der Redaktion: Gerne kommen wir dieser Bitte nach, wenn Barth zwei Fragen beantwortet:

- Im Barth Bericht wird immer Sudjahr 200X mit Sudjahr 200X gegengerechnet für das Alphadefizit eines Jahres. Dabei ist aber immer die Ernte des Vorjahres entscheidend für das Sudjahr. Also Ernte 2007 entscheidet für das Sudjahr 2008. Warum besteht dieser Fehler?

- Trotz Bierausstoßentwicklung von links unten nach rechts oben (Traumentwicklung) vermerkt der Barth-Bericht 2007 eine signifikant sinkende Alphanachfrage von 8580 to. Auf 8469 to (2006 – 2007). Das ist natürlich sehr interessant. Wer kann überhaupt die Gesamtalphanachfrage messen? Natürlich steckt dahinter die Reduktion der Hopfengabe Chinas, aber nur? Wie real sind Ihre Messungen auf der Nachfrageseite?

Nach dem dramatischsten Hopfenmarktjahr aller Zeiten aus der Ernte 2007 mit einer Flächenausweitung in 2008 von 60.000 ha, allein in den USA von mittlerweile berichteten 3300 ha (siehe Hopfentag Niederlauterbach) wäre dieses Defizit von 849 t für 2008 nicht logisch. Auch müsste dann im obigen Artikel die Ausgangsbasis von einem Defizit von 1500 t Alpha korrigiert werden, wodurch der Alphaüberschuss aus der Ernte 2008 nach obigen Zahlen schon 900 t Alpha ergäbe bzw. mit den neuen Alphawerten der Hallertau über 1000 t Alpha. Andererseits stellt sich auf dem Niederlauterbacher Hopfentag heraus, dass Slowenien 2007 vom Hurrikan nicht so schlimm getroffen worden war wie auf marktpolitischen Gründen behauptet. Die Hinzurechnung von 130 t Alpha Mehrproduktion in 2008 kann entfallen. Realistisch ist aber ein echter Alphaüberschuss von 500 t in 2009 (siehe nächsten Hopfenmarktbericht).