17. 11. 2008: Hallertauer "Sieger" der Ernte 2008

Hallertau "Sieger" der Ernte 2008 

Auf der traditionellen Pressekonferenz des Hopfenwirtschaftsverbands anlässlich der „Brau“ in Nürnberg kommen die offiziellen Statements von Brauern, Pflanzern und Handel zur abgeschlossenen Ernte – seit den Pressestimmen zur Hopfenrundfahrt mit der Vorausschätzung der Ernte wieder die erste gemeinsame Würdigung. Heuer fiel sie sehr kompakt und positiv aus. Die Hallertau hat in Ertrag und Alpha ein Spitzenjahr erlebt dank der idealen Witterung. Auch die anderen deutschen Hopfenbaugebiete schlossen sich dieser Tendenz an. Das Ergebnis: 39500 t Hopfen (+ 22 %, obwohl die Fläche nur um 4 % stieg) mit mehr als 4000 t Alpha. Selbst die USA schafften nicht mehr Alpha (4000 t) trotz massivster Flächenauswertung. Dort blieben die Junghopfen weit hinter den Erwartungen zurück, während in Deutschland der „Herkules“ schon im ersten Jahr gute Erträge lieferte – eine echte Sensation. Barth: „Diese Menge der Hallertau kam genau zum richtigen Zeitpunkt.“ So sehen die Händler sehr glücklich aus. Sie ließen die Hallertauer Pflanzer an diesem Glück auch Teil haben und räumten den deutschen Markt zu hohen Freihopfenpreisen. So ist die komplette deutsche Ernte 2008 praktisch vollständig und ausgezeichnet vermarktet. Es kam schließlich die Finanz- und Konjunkturkrise gerade noch spät genug. Sie verhagelt jetzt so manche gute Prognose. Alle schalten auf Vorsicht und Abwarten. Nun ist der Hopfenmarkt tot. Womöglich wird der Poolhopfen in der Endauszahlung gerade die Freihopfenfestpreise erreichen. Wer noch gewisse Mengen Freihopfen in der Hinterhand gehalten hat, muss lange warten können.

Bei den Verarbeitern drückt die Alphanot aus 2008 noch gewaltig. „Das wird die ganze Verarbeitungszeit so bleiben“, meinte Barth. Auch deshalb ist er froh, dass die Ernte 2008 ca. 2 Braumonate Überproduktion erbrachte und die sei nötig, damit sich der Druck in der Verarbeitung 2009 wieder normalisiere.

Die fast 100prozentige Vorvertragsregelung für die nächsten Jahre wird die positive Entwicklung noch längere Zeit behaupten, auch wenn die Freihopfenpreise ab 2009 schon wieder deutlich tiefer liegen werden. Dabei sind die Aromahopfen in Angebot und Nachfrage ausgeglichen, so dass hier „normale“ Preise gehalten werden. Für eine Flächenausweitung aber ist der Markt zu eng.

Im Hochalpha ist die Überproduktion auf Grund der Fläche ab 2009 freilich gewaltig. Es könnte aber die Erne auch wieder schlecht ausfallen, zumindest deutlich niedriger als 2008, während in den USA die Junghopfen zu „Erwachsenenhopfen“ mit vollem Ertrag aufsteigen werden. Eines aber ist klar: die derzeitigen Flächen für Hochalphahopfen sind schon wieder bei Normal-ernte viel zu groß. Ein weiteres Einlegen wäre absurd. Höchstens es gäbe gute bis sehr gute Verträge. Aber woher sollen diese kommen? Barth fürchtet auch ein wenig das Ausscheren mancher Großbrauer aus geschlossenen Verträgen, wenn die Spotmarktpreise wieder stark gefallen sind. Alle vier Reden können Sie in vollem Umfang nachlesen unter www.hallertau.info/Hopfenmarkt. (Eduard Kastner, 17. 11. 2008)