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WA-Hopfenmarkt

Hier finden Sie den deutschen Hopfenmarktbericht für die Hallertau - immer die neuesten Informationen! 

WA-Hopfenmarktbericht 3.2.2012: Pflanzer fordern Stilllegungsprogramm

Dies überraschte, weil HVG und Pflanzerverband eine Flächenreduktion im großen Maß für dringend nötig halten und es früher schon Förderungen bei geringeren Umfängen gegeben hat. In Anbetracht der zu erwartenden Marktbelastungen sollte jedes Ventil zur Reduktion der Überproduktion genutzt werden, notfalls mit finanziellen Mitteln.

Betriebsaufgaben bringen nicht den gewünschten Effekt, weil die Flächen weiter verpachtet werden.
Vielleicht könnte kurzfristig eine definitive Vereinbarung mit den fordernden Pflanzern getroffen werden, um binnen eines Jahres in einer konzertierten Aktion die 3000 ha vom Markt zu nehmen. Das wäre viel wert.

Rechtzeitig zur Hauptversammlung der HVG am 27.1.2012 in Mainburg haben Pflanzerinitiativen eine finanzielle Unterstützung aus dem EU-Strukturprogramm für Rodungen und Stilllegungen in der Hallertau gefordert. So wünscht die Initiative „Bessere Hopfenpreise“ 2000,– Euro pro ha. Bei nötigen 3000 ha seien dies 6 Mio. Euro. Genauso viel hätte die HVG für das Bewässerungssystem ausgegeben. Von Seiten der Vorstandschaft und des Aufsichtsrats der HVG sei bisher eine strikt ablehnende Haltung eingenommen worden.

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1. 3. 2011: "Weil Roden so schwer fällt"

aus der WoWo Nr. 8/2011 vom 21. 2. 2011 >>>hier finden Sie das PDF

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13. 12. 2010: Word-Dokument mit den aktuell gültigen Abkürzungen bezüglich Hopfensorte

>>> Worddokument

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WA-Hopfenmarktbericht 6. 12. 2010: Rodungsprämie gefordert 

Die Hopfenbauversammlungen des Verbands Hallertau mussten für die Zukunft die Marktfakten nachzeichnen. Durch die starke Senkung der Hopfengaben, v. a. bei den Großbrauern, werden weltweit 20 % der „normalen“ Hopfenanbaufläche nicht mehr benötigt. Es liegt nahezu eine volle Jahresernte als Überschuss der letzten drei Ernten auf Lager. Derweil produziert die Hallertau ihre Vertragshopfen in vollem Umfang weiter und erhält dafür gutes, ja sehr gutes Geld. Doch es gibt keine neuen Verträge, und die Freihopfenpreise liegen so niedrig, dass sich die Produktion von Freihopfen als totales Verlustgeschäft erweist. 

Dieser Blickwinkel trifft für Bitterhopfen zu. Bei Aromahopfen findet zwar ein gewisser Ersatz durch aromatischere Hochalphasorten statt, doch ist dies eine Vorgehensweise, die die Qualität, ja Identität der Biere gefährdet. Aus der neuen Marktlage bringt dies zwar einen monetären Vorteil, aber er steht in keiner Relation zum Risiko. Deshalb werden die Märkte für Aromahopfen schon bald wieder zur Normalität zurückkehren. Eine Flächenreduktion von 10 % genügt für unsere Aromasorten. 

Bei Bitterhopfen, sprich Hochalphahopfen, steht die Alphaproduktion und nicht die Fläche zur Disposition. Hier wird die Hallertau im langfristigen Trend 25 % ihrer Bitterhopfenproduktion einstellen müssen. Zusätzlich belasten freilich die verarbeiteten „Überhopfen“ den Markt. Durch Verträge werden sie jedes Jahr mehr. Die Hallertau kann nicht durch Betriebsaufgaben diese Stilllegungs-Aufgabe bewältigen. 

Alle Betriebe, deren Verträge 2010 endeten, sollen in vollem Umfang ihre Flächen an die noch laufenden Verträge anpassen. Hier beginnt nun ein Jammern. Denn es trifft die Betriebe, die noch alte, „schlechte“ Verträge haben bzw. hatten. Ihre wirtschaftliche Kraft ist nicht so stark, wie sie sich aus den neuen Verträgen schließen lässt. Deshalb fordern viele Betroffene eine Stilllegungsprämie zur Abmilderung der Markthärten. 

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WA-Hopfenmarktbericht 15. 11. 2010.: Der Vertragsmarkt bleibt berechenbar 

Die „Brau“ in Nürnberg zwang die Verbandsspitzen zur Stellungnahme über die Lage am Hopfenmarkt. Trotz beachtlicher Rodungen außerhalb Deutschlands ist noch kein Ausgleich zwischen Weltalphabedarf und Weltalphaproduktion erreicht. Andererseits erkennen die Brauer weltweit an, dass die Erzeuger- und Handelsseite für ihr Bier wichtig sind. Vertragsreduzierungen seitens der mächtigen Braukonzerne finden unter diesem Vorzeichen statt. Die heitere Form der Pressekonferenz unterstrich, dass keine existenziellen Bedrohungen vorliegen. 

So werden alle Verträge mit den Pflanzern prinzipiell vollumfänglich erfüllt bis zum Vertragsende. Danach wird es aber erst wieder Verträge geben, wenn das Gleichgewicht am Markt gegeben ist. Von Brauerseite werden indes für den Qualitätsbiermarkt wieder Aromahopfen gewünscht, ja sogar mehr neue Sorten. Selbst Dr. Pichlmaier empfiehlt aber allen Pflanzern, nur die Hopfen zu produzieren, für die ein Vertrag abgeschlossen wird. Jährlich laufen jetzt schon 5% der Fläche in der Hallertau aus, so dass hier eine Flächenanpassung zumindest im Bitterhopfen erfolgen müsste. 

2014 wird als kritisches Jahr gesehen. Dann enden viele Verträge und es wird wieder neue Verträge auch bei Bitterhopfen geben. Jedoch in (stark) reduziertem Umfang. Größter Verlierer dürfte die Sorte Magnum sein. Einen Kollaps des Vertragsmarktes durch die angehäuften Hopfenlager sehen die Verbandsspitzen indes nicht.  Die Hopfennot von 2006-8 habe zu einem Umdenken der Brauer geführt, ihre Rohstoffbasis zu pflegen.

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WoWo, 8. 11. 2010.: Hopfenmarkt an der Belastungsgrenze >>> PDF Wolnzacher Woche

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hallertau-Info, 11. 11. 2010: >>> Hallertauer Hopfen welteinmalig
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WA-Hopfenmarktbericht 27. 9. 2010: Hopfenschätzung nicht erreicht 
Die offizielle Hopfenschätzung von 610 000 Ztr. für die Hallertau war zu sehr vom damals herrschenden Wetter beeinflusst. Den Pflanzen wuchs in der Zeit bis zur Ernte weniger zu als üblich. Das Mindervolumen dürfte 25 000 Ztr. betragen. Erstmals liegen auch verlässliche Alphadurchschnittswerte der Ernte 2010 vor. Die Spitzenwerte der beiden Vorjahre werden 2010 nicht erzielt. Lediglich Spalter Select liegt höher. Bei den übrigen wie Herkules, Magnum, Perle fehlt es um durchschnittlich 10 Prozent. Von Hof zu Hof und Feld zu Feld gibt es große Unterschiede. Auch beim Peronospora-Befall. Es zählen für den Markt aber die ermittelten Durchschnittswerte. Aus der Multiplikation von Minderertrag und niedrigerem Alpha, gerade bei Magnum und Herkules, dürfte die geschätzte Alphaüberproduktion der Ernte 2010 gegen Null gehen. Während die USA die Fläche stark reduzierte, übernimmt in der Hallertau dies leider die Natur mit Witterung/Peronospera/Sturm und Hagel. Die Spätentwicklung des Hallertauer Hopfens 2010 war sehr enttäuschend trotz des nach hinten verlegten Erntetermins. Der Freihopfen 2010 der Hallertau ist sehr gering. Vor diesem Hintergrund eröffnet die HVG wieder einen Pool. Die sehr hohen Lagerbestände der Vorjahresernten belasten den Markt, so dass es weiterhin zu keinen offiziellen Preisnotierungen kommen wird. Das schließt aber „normale“ Angebote im Einzelfall nicht aus zum Ausgleich von Unterdeckungen, z. B. im Aromabereich. 

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WA-Hopfenmarktbericht 6. 9. 2010: Die „normale Ernte“ ist zu groß
500 000 Ztr. prognostizierte Geschäftsführer Otmar Weingarten beim Auer Hopfenfest En-de Juli. Nun hebt die offizielle Hopfenschätzung die Hallertau auf 610 000 Ztr. Die Witterung passte dem Hopfen. Alle Rückschläge sind fast aufgeholt. Welche im-mense Überlebenskraft steckt doch in dieser Pflanze! Dem Markt nützt dies freilich wenig. Selbst der Aromahopfenmarkt muss nun um seine plötzliche Wiederentdeckung bangen. 

Aber lassen wir uns vom Handel nicht ins Boxhorn jagen. Wer im Aromamarkt eine gewisse Sorte haben will, soll nur sie bekommen. Auch wenn es eng wird. An dieser Stelle soll der Aromahopfen nicht weiter von der Alphasucht diffamiert werden. 50??% der Hallertau tragen Aromahopfen. Und dieser Markt ist gesund geblieben. Viel „Handelsmache“ will dies verschleiern. Aber fragen wir doch die Brauer selbst. 

Krank ist vielmehr der „Alphamarkt“. Hier schlägt der Herkules voll durch. Für den einzelnen Betrieb ist dies überlebenswichtig. Er rettet die Hallertau ein 3. Mal. Aber er konkurriert mit den „US-Göttern“. Gott sei Dank hat die Weltanbaufläche von 2009 auf 2010 um 5000 ha abgenommen. Doch es reicht nicht. Denn laut Barth ist der Bedarf an Alpha um 16% gesunken, v.a. durch niedrigere Hopfengaben. Auch wenn die so genannte erntefrische Alphamenge um 10% zu reduzieren ist, bis sie beim Kunden in den Sudkessel kommt, eine „normale“ Ernte, wie sie für 2010 nun erwartet wird, ist relativ zu 2007 schon eine Superernte – wegen des hohen Alphas des Herkules und der neuen US-Sorten. So wird der Magnum auf der Strecke bleiben. Es wird keine Verträge für den Magnum mehr geben. Auch Anzahlungen für Poolhopfen werden bei Bitterhopfen nicht mehr möglich sein. Die lagernden weltweiten Überschusshopfen werden nach der Ernte 2010 den Weltbedarf von 7500 to Alpha übersteigen. Ein Abbau ist nicht in Sicht. Die Brauer steigen aus ihren Überschuss-Verträgen aus. Wenn der Handel den Pflanzern ihre Verträge erfüllt, wird er es auch sehr schwer haben zu überleben.

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WA-Hopfenmarktbericht 31. 5. 2010: Hagel reguliert erneut die Hallertau

Wer hätte gedacht, dass die Hagelkatastrophe von 2009 sich am gleichen Tag 2010 in ähnlichem Unfang wiederholen würde? Dieses Mal traf es die Großgemeinde Geisenfeld und die östlich davon gelegenen Gärten (Lindkirchen etc.). Zwar stand der Hopfen wegen der sehr langen Kälte niedriger, aber die Wachstumsexperten gehen von gleicher Schädigung wie 2009 aus. Rechnen wir also für die Hallertau wieder mit 50–100 000 Ztr. weniger, also bestenfalls mit einer normalen Erntemenge in 2010. Mittlerweile wissen wir aus echter Erfahrung, dass die Schädigung im Folgejahr noch deutlicher nachwirkt. Hoffentlich hat die Einsicht aus 2009 auch einen hohen Versicherungsschutz für die geschädigten Gärten dieses Jahres veranlasst. Aber die Landwirte erhalten nie so viel, als wenn sie die guten Verträge erfüllten. Fair ist nur, dass es heuer eine Region erwischt hat, die letztes Jahr überhaupt nicht betroffen war. Sicher aber ist auch die Erkenntnis, dass der Ausfall durch Unwetter in der Hallertau steigt. Hätten wir einen ausgewogenen Markt, würden dadurch die Preise beeinflusst bzw. neue Einjahresverträge angeboten. In der jetzigen Marktlage wird der hallertau-interne Ausgleich relativ geräuschlos über die Bühne gehen. Andererseits kann die Hallertau darauf hinweisen, dass die Erzeuger auch im zweiten Übermengenjahr wieder einen Beitrag zur Normalisierung des Marktes geleistet haben. Eigentlich wäre das Yakima-Tal auch mal für ein Unwetter gut. (Eduard Kastner) 

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WA-Hopfenmarkt, 8. 3. 2010: Jeder Betrieb muss roden

Bei der Vertreterversammlung der HVG hat Dr. Pichlmaier das derzeitige Desaster am Hopfenmarkt klar beschrieben. Er fordert, ab sofort alle Hopfenflächen ohne Kontrakt nicht mehr zu bewirtschaften. Selbst der Draht wird schon nicht mehr vom Erlös 2010 erwirtschaftet.

5400 to Alpha Überproduktion 2008 und 2009 in den Lagern lassen keine weitere Aufnahme von Freihopfen zu. Der Landwirt müsste sie selbst lagern und irgendwann vernichten. Auch das kostet.

Die Aufforderung Mac Kinnons aus den USA geht in dieselbe Richtung. Er fordert aber eine Verringerung der Vertragsmengen auf den tatsächlichen Bedarf. Wir sehen eine Umverlegung der Verträge auf die Zukunft als besseren Weg, also eine Verlängerung der Vertragslaufzeiten für alle Brauer, die sich überkontrahierten.

In der Hallertau ist dies vermutlich nur ein Mengenanteil von 10 %, während die Hauptlast der Korrektur die USA trifft. Sie haben 2009 4900 to Alpha produziert, also 2/3 des Weltbedarfs!

Bei uns ist freilich auch nötig, für die Dauer des gigantischen Hopfenbergs die 20 % der Überdeckung der Vertragsmengen wegzunehmen, da sie unverkäuflich sind und den Hopfenberg weiter auftürmen quasi aus Vertragsverpflichtung.

Es gibt so viel Risikoausgleichspotential aus der Vorernte, dass das leicht genügt. Hier muss gesamtwirtschaftlich gedacht werden. Im Einzelbetrieb heißt dies aber 20?% roden beziehungsweise nicht anleiten. Hier muss ganz schnell gehandelt werden. Das ist unser Großbeitrag zur Mengenreduktion. Auch der in die Zukunft umgelegte Vertragsanteil darf nicht angeleitet werden.

Das ist kein Verbot, sondern aus der Lage Fakt. Es wird keinen Freihopfenmarkt mehr geben, bis der Hopfenberg erkennbar abnimmt. Kleine Erzeugerländer ohne Verträge werden zum Aufgeben gezwungen. Auch daraus kommt ein Rodungspotential. Der Alphaabbau in den Lagern kommt als natürliche Vernichtung hinzu. Bisher nicht verarbeitete Überhopfen aus 2009 sollten nicht verarbeitet werden. Das ist nur konsequent.

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WA-Hopfenmarkt, 7. 3. 2010: Ein leidenschaftlicher Aufruf!
Unser Kontaktmann USA, Doug Mac Kinnon, einst Verbandsgeschäftsführer der US-Pflanzer, hat in www.hallertau.info einen Artikel gesetzt, der der Dramatik der Lage auf dem weltweiten Hopfenmarkt gerecht wird: Auch wenn die US-Pflanzer durch die massive vertragsgetragene Flächenausweitung die Hauptlast der gigantischen Überproduktion an Alpha zu verantworten haben, so sollten auch die Hallertauer Pflanzer bei der Flächenstilllegung mitziehen. Gerade die Ausdehnung der Herkules-Flächen in der Hallertau habe die Lage noch verschärft. Die US-Pflanzer sind gerade dabei, 2000 ha Hopfen aus dem Boden zu nehmen. Mac Kinnon: „Wenn 3000 ha in den USA und 3000 ha in Deutschland gerodet werden, komme der Hopfenmarkt wieder ins Lot. Sollte die Hallertau nicht mitziehen, würde die Überproduktion den Markt über Jahre auslöschen. Was nützten sehr gute Verträge, wenn danach jahrelang kein Markt zustande kommt? 2010 müsse mit Rodung im großen Stil auch in der Hallertau begonnen werden. Es sollte mit den Handelshäusern besprochen werden, wie der Vertragsumbau erfolgen könne. Angebot und tatsächlicher Bedarf müssen wieder ins Lot kommen.
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WA-Hopfenmarkt, 24. 2.: Ein Appell aus Amerika an die Hallertau

Die Hopfenpflanzer haben eine einzige Chance, ihr Schicksal für das nächste Jahrzehnt selbst zu bestimmen. Sie müssen allerdings in 2010 handeln oder sie verlieren diese Chance sehr schnell. Jeder weiß, dass wir viel zu viele Kilo Alphasäure produzieren.
Durch den Herkules in Deutschland und CTZ in den USA erreicht der zu erwartende Überschuss von 2010 zuzüglich der aufgestauten Überproduktionen von 2008 und 2009 eine Menge, um die Nachfrage der Brauwelt für ein ganzes Jahr zu decken. Stellen Sie sich daraus die Wirkung auf die zukünftigen Preise vor! „Aber mein Hopfen steht unter Vertrag“, erwidert der durchschnittliche Pflanzer. Das stimmt, aber er soll das ganze Ausmaß erkennen, wenn er glaubt, diese Einstellung reiche aus. Es bestehen zwei Möglichkeiten. Die Pflanzer können einmal darauf bestehen, die Vertragspreise bis Vertragsende zu erhalten (und auf volle Erfüllung der Verträge zu pochen), mit der Folge, dass danach es keinen Markt mehr für die weiteren Ernten gibt. Oder die Pflanzer verringern den Anbau, fordern vom Handel einen Ausgleich für die unterlassene Erzeugung oder die Vertragskürzung. Die zweite Option wird ermöglichen, dass die Pflanzer jetzt und in Zukunft angemessene Preise erhalten.


Diese Situation hat sich ergeben, weil schon die Vertragshopfen einen gewaltigen Überschuss an Hopfen schaffen. Für die erzeugten Freihopfen ist nichts mehr hinzuzufügen. Natürlich besteht die Versuchung, die Schuld den Anderen zuzuschieben, in diesem Fall den Amerikanern. Sie geben eine große Zielscheibe ab, mit all den Flächen, die sie in den letzten zwei Jahren einlegten. Das ist wahr, aber die gewaltige Mehrerzeugung des Herkules in den letzten drei Jahren hat auch wesentlich zum gegenwärtigen Problem der Übererzeugung beigetragen. Es ist also ein Problem, das uns alle angeht, das ein gemeinsames Erarbeiten eines Auswegs erfordert, und das uns alle bei der Lösung mit einschließt.

Die Amerikaner nehmen bereits 2010 eine beachtliche Fläche aus der Produktion. Sie wird auf 2000 Hektar geschätzt. Die Anlagen werden schon beseitigt. Die deutschen Pflanzer müssen mitziehen! Wenn Deutschland und die USA je 3000 ha roden, wird der Welthopfenmarkt wieder ins Lot kommen. Ohne eine entsprechende Reduktion Deutschlands werden die Bestrebungen der US-Pflanzer am Markt ins Leere führen. Wenn die Deutschen in 2010 nicht ernsthaft mitziehen, werden sie die Bürde zu übernehmen haben, der weltgrößte Alphaproduzent zu sein. Dieser Marktanteil ist aber wertlos, wenn bei jedem Kilo erzeugten Hopfens draufgezahlt wird. Jeder Euro Gewinn, der heute durch die Vertragshopfen erreicht wird, geht am Freihopfenmarkt der Zukunft verloren, wenn nichts unternommen wird.
Es verbleibt fast keine Zeit, aufeinander mit dem Finger zu zeigen oder sich mit Rivalitäten abzutun. Jetzt ist die Zeit zu handeln. Das Ziel ist klar. Nie zuvor haben die Hopfenpflanzer (global) im Einklang gehandelt, aber nie zuvor war damit so viel zu gewinnen. Lasst uns erstmals Einheit zeigen! Jeder Pflanzer muss alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um Hopfenangebot und -nachfrage aufeinander abzustimmen. Wenn nichts geschieht, steht das Schicksal des Hopfenmarkts für das nächste Jahrzehnt fest. Deshalb sprechen Sie mit einem Repräsentanten Ihres Handelshauses noch heute.

Douglas MacKinnon www.twitter.com/darbagroup

>>> Hier kommen Sie zum Originaltext in Englisch

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WA-Hopfenmarkt, 3. 2. 2010: Vertragsparadox zwingt zur Neuausrichtung 

Teil I:
Wolnzach (ted) Erstmals in der Hopfenanbaugeschichte haben die Brauer mehr Hopfen über Jahre vertragsmäßig eingekauft, als sie brauchen. Und zwar in so großen Mengen, dass der Jahresüberschuss nach vier Jahren für ein komplettes Braujahr reicht. Das heißt auch, dass nach Auslaufen der fantastischen Verträge ein Vertragsloch zu erwarten ist. Sicherlich gilt das nur für die überkontrahierten (Groß) brauer und im Einzelfall herrscht womöglich „Normalität“, aber es geht um den Hopfenmarkt als Ganzes. Fakt ist jetzt schon ein Erliegen des Vertragsmarkts und auch des Freihopfenmarkts weltweit.

Wer den Hopfenmarkt kennt, weiß, dass ein guter Preis erst zu erzielen ist, wenn die Nachfrage und das Angebot im Gleichgewicht sind. Es ist leicht auszurechnen, wie sich die Lagermengen an nicht benötigtem Hopfen auftürmen, bei Vertragsablauf sich die Freihopfen für ein bis zwei Jahre weiter am Markt befinden, auch wenn sie praktisch keine Einnahme für den Pflanzer generieren. In den USA laufen die Verträge 2012 aus. Es ist sicherlich sehr sinnvoll, Hopfen ohne Vertrag zu roden, aber wie will ein Hauptproduktionsland geschlossen die Produktion einstellen?

Deutschland könnte aus seiner besseren Vertragssituation ruhig zusehen, wie die anderen Hopfenanbauländer vor die Hunde gehen. Aber das ist viel zu kurz gedacht. Eine Hopfennation, die mehr als ein Drittel des Hopfenangebots liefert, kann sich nicht wie ein Außenseiter verhalten. Marktprobleme sind immer ihre Probleme. Verträge hin oder her. Wir brauchen eine Vertragszukunft. Mit der Vogel-Strauß-Taktik kommen wir auch in Teufels Küche. Marktgestaltung ist angesagt – trotz der wunderbaren Verträge.

Wenn die größten Kunden in Bedrängnis kommen, ist es besser, mit ihnen einen gemeinsamen Weg der Krisenbewältigung zu finden, als auf vermeintliche Vertragsmacht zu setzen. Bildlich sehen wir einen Stausee, der bis zum Rand gefüllt ist und zu bersten droht. Das völlige Ungleichgewicht von Vertragspreis zu Freihopfenpreis wird den Damm zusätzlich sprengen. Mittlerweile beherrschen fünf Braukonzerne 50 % der Weltbierproduktion.

Die Probleme liegen von Firma zu Firma anders. So gibt es bei Steiner weniger Probleme als bei Barth, d.h. Steiner-Kunden schlossen weniger Überkontrakte ab als Barth-Kunden. Die HVG mag irgendwo dazwischen liegen. Das persönliche Pokerspiel ist freilich interessant, aber de facto zählt es nur an zweiter Stelle. Kommt der Markt nicht ins Lot, wird es nur Verlierer geben. Und der größte Verlierer wird das Vertragssystem sein. Marktmacht wird sich immer über Verträge hinwegsetzen, gerade wenn das Ungleichgewicht zu krass ist. Das ist die bittere Pille, die nun alle Gewinner des Hopfenmarkts 2007/2008 zu schlucken haben. In dieser Situation zählen leider alle bisherigen Markterfahrungen sehr wenig. Jede Form von Bauernschläue oder Spekulation springt zu kurz. Mit der Überkontrahierung der Brauer werden alle bisherige Theorie und Lebensweisheit außer Kraft gesetzt. Die Situation ist vergleichbar mit der Monarchie zu Beginn der französischen Revolution. Sie wurde hinweggefegt und konnte bis heute die jahrhundertelange Position nicht mehr zurückgewinnen. Der Hopfen geht zu 95 % ins Bier. Daran hat sich trotz vieler Anstrengungen nichts geändert. Wer den Bierabsatz beherrscht, hat auch die Macht über den Hopfen. Immer dann, wenn es zu viel Hopfen gibt.

Teil II:
Wie soll der Hopfenmarkt bis 2014 wieder ins Lot kommen? Natürlich wird er es 2014 noch nicht sein, aber bis dahin werden drei Faktoren wirken: die Macht des Marktes, die Realität und die Vernunft. Der Markt wird alle Freihopfenflächen und Gebiete ohne Verträge zum Aufgeben zwingen. Die Realität wird den Hopfen auf natürliche Weise vernichten – in den Lägern an Naturhopfen, durch Alphaschwund in den Produkten, durch Lagerbestände, Naturkatastrophen u. a. Leid über Leid. Aber dennoch wird so viel Lagerhopfen und überkontrahierter Hopfen übrig bleiben, dass die USA und Deutschland handeln müssen, bevor die Verträge auslaufen. Das ist der Part der Vernunft. Auch hier sind Verzichte sehr schmerzhaft – beim Handel und beim Erzeuger. Sinkende Preisstaffeln auf die Zukunft erleichtern den Brauern hier einzulenken. Der vorteilhafteste Kompromiss Brauer-Handel-Erzeuger wird vorsehen, die Verträge umzuschreiben und die Mengen in die Zukunft zu verschieben. Gleichzeitig sind die freiwerdenden Freihopfen vom Markt zu nehmen, am besten durch Stilllegung der Flächen. Damit verlieren die Erzeuger ca. 25 Prozent ihres Einkommens, erhalten aber eine längerfristige Einkommensgarantie. Viel schlechter stellt sich die Variante 2 dar: die Vertragspreise werden generell gesenkt bzw. schneller auf die späteren Vertragspreise gebracht. Dann profitieren die Brauer von der Preissenkung und von den Katastrophen-Spotmarktpreisen nach der Vertragslaufzeit, die aus viel zu hohen Lägern herrühren, die zu verderben drohen. Dann kann es durchaus für den Pflanzer vernünftig sein, auf dem bisherigen Vertrag zu bestehen und am Vertragsende alle Flächen so lange stillzulegen, bis sich wieder eine Nachfrage nach „neuem Hopfen“ bildet – allerdings dann muss er aus der „Substanz“ leben können. Wer sein Geld in Hopfentechnik investierte, zieht den Kürzeren.

Dessen ungeachtet muss es oberstes Ziel sein, alle Vertragshopfen zu reduzieren. Die Aufgabe der unbedenklichen Vertragsmenge, d. h. Rodung der „bedenklichen“ Vertragsmenge, ist situationsbedingt sicherlich ein guter Vorschlag. Alles ist gut, was hilft, die Vertragsmenge dem Bedarf anzupassen. Ganz radikal und vor allem schnellstmöglich. Hier geht es nur um einen Deal zwischen Händler und Erzeuger. Der Brauer profitierte bisher nur von der Regelung der unbedenklichen Vertragsmenge. D. h. die Verträge mit der Brauwirtschaft müssen deswegen nicht umgeschrieben werden.

Ich sehe das Problem der Laufzeitstreckung beim Brauer auch nicht. Entweder er hat zu viel kontrahiert, dann schiebt er die Abnahme sowieso so lange, bis sein Bedarf sie erfordert, oder er bekommt Luft, um den spottbilligen Spotmarkt hinzuzunehmen und so die Preisbalance herzustellen. Die Vernunft wird auch bei den Handelsfirmen greifen. Erstens geht es um ihre Kunden, die sie behalten möchten, zweitens könnten sie den Machtkampf um die vertragsmäßige Abnahme nicht durchstehen, d. h. eine ganze Ernte ein Jahr länger zu finanzieren (ohne Entschädigung). Gerichtsverfahren dauern länger.

Die Zeche zahlt also wieder einmal der Erzeuger, der „Kleine“. Wie in der Bankenkrise. Allerdings ist dies ein Argument in den Vertragsverhandlungen mit den Brauern, um die „guten“ Preise“ in die Zukunft zu retten. Aber die Inflation kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, und der Dollarkurs wird weiter sinken aus der Außenverschuldung der USA und um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Es ist Zeit, bei längerfristigen Verträgen Inflationsparameter und Währungsklauseln aufzunehmen. Es wird wirklich nicht leicht, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, zumal selbst der hohe Hopfenpreis für die Großbrauer nicht existenzgefährdend ist und die Brauer von der Überproduktion längerfristig nur profitieren. Aber eine „Preisachterbahn“ ist volkswirtschaftlich teurer als eine nachhaltige Preisvereinbarung zu konstanten „Kostenpreisen“. Größere Brauer mögen keine Läger mehr. Das Denken in „Lean-Production“ hat sich durchgesetzt. Deshalb sind überkontrahierte Mengen immer ein guter Anlass, die Brauer einlenken zu lassen.

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