Meim Opa sei Bayern häd gern an Stern

Meim Opa sei Bayern häd gern an Stern

Hallertau

Hallertau, 17.03.2018 (lot).

Wenn’s an der Haustür zweimal klingelt, dann weiß ich, das kann nur ein Freund sein – ein Freund, der außer zum Liken auch zum Klingeln in der Lage ist. Also Haustür auf, und tatsächlich: ein Freund – ein Freund, der mir die Raute zeigt.

„Meim Opa sei Bayern häd gern an Stern“ steht auf seiner Brust, und zwischen den Buchstaben prangt stolz die bayerische Rautenflagge mit – „heraldisch gesehen rechts, also links für den Betrachter“, erklärte mein Freund – einem weißen Stern auf blauem Grund, der eigentlich gar nicht dazugehört. „Aber mein Opa“, sagt mein Freund, „hätte ihn gern gehabt – und das möchte ich nicht in Vergessenheit geraten lassen“. Sein Großvater habe die Novemberrevolution 1918 und Kurt Eisner von der USPD erlebt, der in Bayern als erstem Land des Reiches die Republik ausgerufen hat und vom Münchner Arbeiter- und Soldatenrat zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt worden ist.

Da solle sich nicht nur die SPD, meint mein Freund, eine Scheibe Schneid abschneiden; auch unsere heutigen Ministerpräsidenten könnten ihre verantwortungsvolle Aufgabe mit einer Prise sozialen Muts würzen und nicht nur große Versprechungen machen, die mehr dem Auto auf der Straße als dem Mann auf der Straße (und vor allem der Frau in der Rente) zu Gute kommen. „Machen und kümmern“, so gab der aktuelle MP Markus Söder nach seiner Wahl kund und zu wissen, werde sein Motto sein, und sein Vorgänger im Amt, Horst Seehofer, darf sich nun in Berlin als Minister des Inneren und der Heimat um die größere deutsche Heimat kümmern und da gleich mal – Hand auf dem Grundgesetz und Augen zu bei der Religionsfreiheit – unqualifizierte Feststellungen raushauen. Der Islam, behauptet der Mann, gehöre nicht zu Deutschland. Entweder der Mann ist blind, oder der Mann schwingt die Peitsche.

Es habe mal Zeiten gegeben, stellt mein Freund fest, da sollte auch das Judentum nicht mehr zu Deutschland gehören. „Eines Tages“, sagt mein Freund traurig, „wird die Stunde kommen, da wird unsere Heimat so groß wie der Globus sein, dann sind wir Globalier, Erdlinge oder Erderer, keine Bayern, keine Deutschen, keine Muslime, keine Juden, keine Christen mehr – alles“, und jetzt verfiel mein Freund vor Verzweiflung in den Dialekt, „oiss oa Soss, wia beim Käptn Körk“.

„Dawei“, sagt mein Freund, „mog i de olle, i mog sogar de Frankn und de Schwom und de Niederbayern, und ob da oane fürn Allah aufn Teppich foid und da anda fürn liebn Gott a Kreizl macht und Hostien isst und ob nummoi oana an der Klagemauer Zettel neisteckt oder im Gartn seim hoizan Buddha triabaugat übern Schädl streicht – des is mir doch wurscht, des konn a jeder macha wir a mog, do braucht se a da Söder ned kümmern!“ Mein Freund schnauft auf und verstummt.
 

„Ich werde“, sagt mein Freund, als er sich wieder beruhigt hat, „auch das bayerische Wappen auf mein T-Shirt drucken lassen; dann samma olle beinand: Der goldene Löwe symbolisiert die Gelassenheit und den Respekt, den wir alle vor einander haben; der ‚fränkische Rechen‘ zeigt in Rot drei weiße Spitzen und steht für alle Menschen, die Berge lieben; der blaue Panther steht für diejenigen, die die Natur lieben; die drei schwarzen Löwen symbolisieren Menschen aus Ländern, die auch Wüsten haben; das weiß-blaue Herzschild steht nicht nur für die, die den Himmel bewundern, sondern auch für die, die das Meer lieben“. Mein Freund seufzt jetzt vor Freude: „Und die Volkskrone omdrauf, des is des Beste: Des hoaßt, dass mia olle seiba bestimma, was ma woin – a bissl a Hirn muaß ma natürlich scho voraussetzn!“

Er werde, sagt mein Freund, das T-Shirt auch seinem 4-jährigen Enkel schenken. Dann wisse der gleich, was sein Opa (also er) sich für seine Heimat wünsche – einen Stern des Respekts und der Solidarität. „Vielleicht“, sagt mein Freund, „merkt a dann a, wenn a se im Spiagl oschaut, dass ma ned unbedingt am respektlosn politischn Goaßlschnoizzer nochlaffa muaß.“


Sein Wort in aller Ohr.

 

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