Generation Google-Politiker

Generation Google-Politiker

Wolnzach

Wolnzach, 07.05.2018 (Ein Kommentar von Harald Regler).

Das Internet ist schon eine tolle Erfindung. Nicht nur kann man heute bequem vom heimischen Sofa aus einkaufen, mit seinen Freunden weltweit in Kontakt bleiben und seinen Lieblingsfilm anschauen, vielmehr ist das Internet auch die größte Ansammlung von Wissen.

Schnell lässt sich die Kommunalhaushaltsverordnung googeln oder eine Gesetzes-passage aus dem Baugesetzbuch nachschlagen. Nahezu alles steht heute online und ist frei zugänglich. Ein Knopfdruck reicht und man ist „Experte“.

Wozu braucht es noch eine Ausbildung an der Verwaltungsfachschule, ein Jura- oder Architekturstudium, wenn es Google Wikipedia und YouTube gibt - wenn man sich das Wissen mit einem Mausklick auf den eigenen Schreibtisch holen kann? Doch sollte nach einem fünf-minütigen Video über eine Wurzelbehandlung tatsächlich selbst zum Bohrer greifen? Wohl kaum – dies überlässt man denen, die es gelernt, respektive studiert, haben.

Was aber bei der Zahnmedizin zu gelten scheint, das spielt für gewisse Kommunalpolitiker in ihrer Tätigkeit keine Rolle. Fast schon mit einer an eigener Selbstüberschätzung grenzender Überheblichkeit spielen sie sich mit ihrem Fünf-Minuten-Googlewissen regelmäßig als Experten auf. Egal ob es um komplexe juristische Fragen, Planungsgeschichten oder einfach nur um Buchungsvorgänge geht – Google und Wikipedia sind immer mit dabei.

Man könnte sich fast fragen, wozu es noch eine Ausbildung im Verwaltungsbereich braucht, wenn doch das Internet alle Fragen so treffend beantwortet, dass sogar die Experten vom bayerischen kommunalen Prüfverband falsch liegen – zumindest in den Augen eines Einzelnen. Vielleicht sollte „Mr. Google-hat-Rech(t)“ sich tatsächlich einmal an einem Haushalt versuchen. Nur aber bitte nicht in Wolnzach – wir hatten schon eine Finanzkrise. Aber eine gut aufgestellte Kreisstadt könnte so einen Experten sicher gut gebrauchen. Seine Praxis kann dann in der Zwischenzeit ein Wolnzacher übernehmen, der gerne Zahnarztvideos auf YouTube schaut. Das Ergebnis wäre mal interessant.

 

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