Fortsetzung im Kampf um Eschelbacher Hähnchenmast

Fortsetzung im Kampf um Eschelbacher Hähnchenmast

Eschelbach

Eschelbach , 16.05.2018 (rt).

Fotos: Lisa Munz

Nicht aufgeben wollen die Aktivisten aus dem Kreisverband des Pfaffenhofener Bund Naturschutz ihren Kampf gegen die Eschelbacher Hähnchenmastanlage auch nachdem ihr Baustopp-Eilantrag zur Verhinderung des Baues vom Verwaltungsgericht München im April abgeschmettert wurde. Jetzt steht aber noch das sogenannte Hauptsache-Verfahren an, wobei es um die Auswirkungen des Betriebes auf Natur und Umwelt geht. 

„Wir haben jahrelang gegen diesen Stall gekämpft und machen auch weiter", sagt Lisa Munz, die gegen die Anlage und die industrielle Landwirtschaft zusammen mit vielen Mitstreitern in der Region angeht. Trotz der gerichtlichen Entscheidung ist noch immer etliches ungeklärt. „Sogar das Gericht hat mehrere Einwände von uns als richtig eingestuft, die sollen demnächst behandelt werden.“

Das Verwaltungsgericht München habe seine Entscheidung zum Weiterbau damit begründet, dass die Auswirkungen auf die Natur als gering einzuschätzen seien. „Das Gericht kann es jedoch noch nicht endgültig abschätzen, ob dieser Anlage schädliche Umwelteinwirkungen oder wasserrechtliche oder naturschutzrechtliche Belange entgegenstehen. Jene Fragen will es erst in der Hauptsache-Verfahren klären.“ Diese und andere strittige Punkte hätten vor der vorläufigen Genehmigung geprüft werden müssen, meint die Aktivistin.
Für erstaunlich hält Munz die „hellseherischen Fähigkeiten des Antragstellers, der, obwohl der Bund Naturschutz am 28. September 2017 einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht München für einen Baustopp eingereicht hat, munter weitergebaut hat.“

Von wem, so wolle sie jetzt wissen, habe der Mastunternehmer so viel Rückendeckung, dass er einen Baustopp nicht befürchten musste.  „Dieser Stall ist kein bäuerlicher Betrieb, sondern der Bau einer großen Massentieranlage“, schimpft Munz. Es gehe in Eschelbach nicht darum, dass ein bäuerlicher Betrieb erweitert werden solle, nein, es handle sich um eine Tier-Massenaufzuchtanlage. “Der Betreiber hat jetzt die Genehmigung, dass er pro Quadratmeter 23 Hühner halten kann. Und dafür darf er sich mit dem Prädikat ‚Bayerns größte Mastanlage‘ schmücken“, so Munz.

 

 

Das Gericht sei der Ansicht, dass es ja noch zu einer Verminderung des Tierbestandes kommen könnte. „Auf dem Papier sind das dann vielleicht 20 Hühner, der Betreiber lacht sich kaputt und quetscht dann rechnerisch halt 25 Hühner auf den Quadratmeter rein.“ Wer zähle am Ende diese armen Tiere? 

Wenn der Pfaffenhofener Landrat Martin Wolf (CSU) bei so einem Monsterstall auch noch zugeben musste, dass ihm da einiges „durchgerutscht ist", dann sei doch schon von vornherein klar gewesen, dass dieser Hühnerknast gewünscht sei. Der Antragsteller habe derweil im Eiltempo gebaut, „obwohl er damals nur eine vorläufige Genehmigung hatte. Wer hat ihm da wohl zugeflüstert: ‚Bau deinen Stall, du darfst es genauso machen, wie du willst‘?" Und wie „pervers“ überhaupt sei die angeordnete Ausgleichsmaßnahme vom Landratsamt, dass der Betreiber im Außenbereich seiner Ställe, Nistmöglichkeiten für Fledermäuse bereitstellen solle?

Unzufrieden ist Munz weiterhin über den Petitionsausschuss des Landtages. „Bereits am 9. Februar 2017 haben wir im Landtag in München beim Umweltausschuss eine Petition mit über 8000 Unterschriften abgegeben.“  Bis heute liegt dazu noch kein Ergebnis vor. "Unanständig" nenne Rosi Steinberger, die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, in einer Presseerklärung die Genehmigung der Anlage vor Abschluss der laufenden Petition. So etwas sei zumindest bisher im Bayerischen Landtag nicht üblich gewesen und es bedeute eine Entwertung des Petitionsrechts. 

 „Wie viele Menschen, die sich Gedanken über den Tierschutz machen, lehnen auch wir diese minderwertigen Hähnchen ab. Was passiert dann mit diesen Hähnchen? Wie bis jetzt üblich werden sie nach Afrika und wo sonst noch überall hin gekarrt und landen dann halbgefroren auf einem Markt, um den Menschen dort auch noch ihre kleine Existenz zu zerstören. Wir können es abwarten, bis das alles auch mit den Hühnern aus Eschelbach geschieht“ prophezeit Munz.  „Wo bleiben alle die verordneten Tierschutzmaßnahmen, die für viele Millionen Euro immer wieder erfunden werden? Und in Eschelbach entsteht Qualstall, wo jedes Jahr über eine Million Tiere erzeugt werden!“

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