Werner Gerl - "Der pure Mannsinn"

Werner Gerl - "Der pure Mannsinn"

Wolnzach

Wolnzach, 02.04.2017 (wk).

Einen Kleinkunstabend der besonderen Form bot Werner Gerl mit seinem neuen Programm „Der pure Mannsinn“ im Wolnzacher Hopfenmuseum. Dabei befasster sich der frühere Gewinner des Hallertauer Kleinkunstpreises mit den geschlechtsspezifischen Rollenbildern, die immer weiter zerfallen. Jungen schieben Puppenwagen und Mädchen spielen mit Autos.


Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen verändert sich immer mehr, so dass sich viele nicht mehr in ihren Rollen zurecht finden, meint Gerl. Es ging um Anbandeln zwischen Mann und Frau in der modernen Gesellschaft, um das Eheleben, die Überalterung der Gesellschaft, um den immer größeren Verkauf von Rollatoren (für Männer tiefer gelegt) statt Kinderdreirädern, spezielle Hörgeräte für Männer, die nicht mehr jeden Satz der Ehefrau durchlassen und um Alte, die wieder Kinder (kindisch) werden. In einem kleinen Sketch zeigte er, warum alte Menschen immer schnell Opfer von Trickbetrügern werden, wobei er dabei die Entwicklung eines alten Menschen in verschiedenen Altersstufen demonstrierte.


Gerl trug seine Ansichten dabei nicht in einem besonders gesteigerten Tonfall vor, sondern mehr im Plauderton, so wie man sich einen Lehrer vor seiner Klasse vorstellen kann. Als Deutsch- und Geschichtslehrer an einem Gymnasium in München hat er die entsprechende Erfahrung. Seine Pointen kommen pfeilschnell aber ohne besondere Anhebung seiner Stimme ins Publikum geschossen, so dass in Einzelfällen erst ein kleiner Denkprozess gestartet werden musste, um zu lachen. Aber nicht nur mit Schülern hat er so seine Erfahrungen mit „Vollpfosten“, sondern auch mit schwer erziehbaren Eltern, die bei Problemen der Schüler zuerst die Schuld beim Lehrer suchen. Bei Dialekten kennt er sich auch gut aus und karikierten wie es geklungen hätte, wenn Hitler Sachse oder Schwabe gewesen wäre – ob der dann noch so viele Anhänger gehabt hätte.


Als „Festredner eines Koch-Kongresses“ zeigte er mit Wortwitz und Verdrehungen, wie sich Lebensmittelbegriffe sinnvoll in den Text einbauen lassen. Auch in der Rolle eines Betrunkenen zeigte er viel Talent. Er war trotz allem aber nicht derjenige, der das Publikum zu Lachanfällen verleitete, doch die Lacher kamen trotzdem immer an der gewünschten Stelle. Und dass er nicht nur Kabarett machen und als Lehrer arbeiten kann, zeigten auch seine im Vorraum zum Verkauf ausgestellten Kriminalromane.
 

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