Klimaschutz kein Nice-to-have

Klimaschutz kein Nice-to-have

Paunzhausen

Paunzhausen, 11.09.2017 (hr).

Es ist eines der Zukunftsthemen. Die Energiewende. Ob Wasser, Biomasse, Sonne oder Wind - gerade die regenerativen Möglichkeiten der Stromerzeugung stehen auch im Bundestagswahlkampf im Fokus. Der Umstieg selbst ist dabei kein "Nice-to-have", sondern gerade durch den Klimawandel eine Notwendigkeit. Über den Weg gibt es aber durchaus unterschiedliche Auffassungen.

Einer der Pioniere in Sachen Energiewende ist Thomas Gasteiger. Schon immer war er im Bereich der regenerativen Energien engagiert Zu erst waren es Photovoltaikanlagen und vor einigen Jahren kam dann die Idee, eine Windenergieanlage zu errichten. "Wir wollten das eigentlich gemeinsam mit den Bürgern machen, doch schon während der Planungsphase gab es starken Gegenwind", erklärte er. Dennoch hielt Gasteiger am Vorhaben fest und baute gemeinsam mit seinem Bruder eine Anlage, die den Jahresbedarf an Strom von Paunzhausen deckt. "Der Wind liefert uns kostenlosen und vor allem sauberen Strom", so Gasteiger.

Windkraftbetreiber Thomas Gasteiger

Doch anders noch als vor einigen Jahren haben sich die Voraussetzungen grundlegend geändert. Dadurch, dass der Strompreis heute nicht mehr garantiert wird, sondern die Betreiber diesen am freien Markt verkaufen müssen, ist der Ausbau der Windenergie ins Stocken geraten. Eine Entwicklung, die der Bundesverband der Windenenergie mit Sorge sieht. „Schon jetzt können wir die für 2017 gesteckten Klimaschutzziele nicht mehr erreichen." So stellt sich wenige Tage vor der Wahl einmal mehr die Frage, wie es um Klimaschutz bestellt ist.

Vor diesem Hintergrund hat Thomas Gasteiger nicht nur die Bürger, sondern auch Politiker eingeladen, um gemeinsam über den künftigen Kurs in der Energiewende zu diskutieren. Zwar waren sich die meisten im Grundsatz einig, dass es Klimaschutz und Energiewende braucht. Peter Warlimont, der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten in Freising, bezeichnete sie aufgrund der endlichen fossilen Brennstoffe als alternativlos. Ein Statement, das noch viele noch mittragen konnten, war es mit der Gemeinsamkeit in Sachen Umsetzung schnell vorbei.

Kerstin Schnapp (Grüne) Thomas Neuder (FDP), Robert Weller (Freie Wähler) und Peter Warlimont ((SPD)

Während Kerstin Schnapp, Direktkandidatin der Grünen, einen Kohleausstieg bis 2030 forderte und davon sprach, dass der Beruf des Bergmanns keine Zukunft mehr habe, verwies Thomas Neudert, der für die FDP in den Bundestag einziehen will, auf den Industriestandort Deutschland. "Unsere Unternehmen brauchen eine verlässliche und günstige Versorgung mit Energie", so der Liberale. Zwischen diesen beiden Punkten bewegt sich die Diskussion und zeigt dabei auch, wie komplex die Thematik im Grundsatz ist.

"Gerade durch den Atomausstieg brauchen wir andere Energieträger", so der CSU-Direktkandidat Erich Irlstorfer. Wind zählt in seinen Augen genauso dazu, wie Sonne, Wasser oder Biogas. Irlstorfer betonte in diesem Zusammenhang aber auch, dass es nicht nur darum geht, neue Anlagen aufzustellen, sondern dass am Ende des Tages auch die Energiesicherheit stehen muss. "Wir brauchen einerseits einen gesunden Mix und müssen andererseits die Forschung in Speichermöglichkeiten intensivieren." Von einer Subventionierung hielt der CSUler hingegen wenig. Für ihn ist klar, die Anlagen müssen sich am Markt behaupten können.

Erich Irlstorfer (CSU)

Ob es einen solchen Markt noch braucht, diese Frage stellte der Freie Wähler Robert Weller. Aus seiner Sicht sollte die Energieversorgung zukünftig dezentral und aus Bürgerhand organisiert werden. "Wir wollen, dass der Strom für die Region auch in der Region erzeugt wird." Doch wie man zuletzt auch des Öfteren sehen konnte, gibt es gerade, wenn es darum geht, Windenergieanlagen vor Ort zu bauen erhebliche Widerstände. Schnapps Forderung: mehr regionale Positivplanungen, damit auch Wind eine Zukunft hat. Den Gegenpart bildete auch in diesem Punkt der Liberale Neudert: Aus seiner Sicht gehören diese Anlagen dorthin, wo der Wind auch weht. Folglich würde er den Offshore-Ausbau bevorzugen. Was dann natürlich den Bau von Stromtrassen bedeuten würde.

Auch das ist, wie die Vergangenheit gezeigt hat, nicht einfach. Der Widerstand der Betroffenen ist groß und so stellt sich am Ende die Frage, wie soll die Energiewende bewältigt werden. Während sich Kerstin Schnapp für ein deutliches Signal aus Berlin aussprach, schlug Erich Irlstorfer deutlich moderatere Töne an. Für ihn geht es nicht nur darum die Wende zu schaffen, sondern auch den Menschen die Ängste zu nehmen. Wir müssen den Ausbau im Einklang mit der Bevölkerung betreiben", so Irlstorfer.

Welchen Weg, man in den kommenden Jahren einschlagen wird, das wird auch am 24. September entschieden.
 

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