Bienendrama nach illegaler Motocross-Action

Bienendrama nach illegaler Motocross-Action

Freinhausen

Freinhausen, 09.11.2017 (rt).

Symbolfoto

Am Mittwoch der vergangenen Woche haben fünf jugendliche und erwachsene Motocrossfahrer eine Sandgrube im Naturschutzgebiet Windsberg als Motocross-Arena missbraucht. Das Entsetzen darüber ist bei den Naturfreunden groß, denn dadurch wurden zahlreiche wertvolle Bruträume der seltenen Malven-Langhornbiene zerstört. Ob das deutschlandweit fast einmalige Vorkommen dieser raren Bienenart deswegen erlischt, werden erst die kommenden Sommer zeigen.

„Nach meiner Meinung ist der Schaden erheblich“, sagt Josef Schweigard, der Reichertshofener Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz. Er schätzt, dass bis zur Hälfte der Bienen-Bruthöhlen zerstört sind. Betroffen sind aber auch andere Insektenarten und seltene Pflanzen, die nur an solchen besonderen Standorten vorkommen. „Die Sandgrube ist die einzige uns bekannte Stelle mit Nisthöhlen der Malven-Langhornbiene“, erklärt Schweigard. Die Bienen hätten ihre Brutkammern im dortigen Sand angelegt; darin überwinterten sie im Puppenstadium in etwa 20 cm Tiefe. Um die Röhren bauen zu können, wandelten sie Speichel um. Nun bestehe die Gefahr von Frostschäden, wenn diese Röhren durch das Befahren in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Zerstört wurden freilich auch jene Brutkammern die bei den Crossfahrten von Bodenverdichtung und Beschleunigungsspuren betroffen sind. Teilweise wurde der Sandboden in dem Naturschutzgebiet regelrecht durchpflügt. „Die Auswirkungen auf die Bienen werden wir erst nächstes Jahr sehen“, sagt Schweigard betroffen. Das Drama hat sich mittlerweile weit über die hiesige Region hinaus bei Naturschützern und Bienenfreunden herumgesprochen, sie sind ebenso geschockt wie traurig über den Vorfall.

 

Die Malven-Langhornbiene ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht.
 

Anwohner hatten die Polizei verständigt und eine Streifenwagenbesatzung konnte den fünf Tätern noch vor Ort habhaft werden. Es handelt sich um Personen im Alter von 17 bis 22 Jahren aus dem nördlichen Landkreis, wie es auf Nachfrage unserer Zeitung von der ermittelnden Polizeiinspektion Pfaffenhofen heißt. Es stehe außerdem noch eine zulassungsrechtliche Prüfung aus, da mehrere Fahrer der Gelände-Leichtkrafträder nicht über die erforderliche Zulassung ihrer Fahrzeuge verfügten.

Die Untere Naturschutzbehörde am Pfaffenhofener Landratsamt wird sich ebenfalls mit dem Vorgang beschäftigen. Den Crossern droht dann ein Bußgeld.

Die seltene Malven-Langhornbiene kommt als äußerst kleiner und damit auch empfindlicher Bestand bei Freinhausen vor. Die Art steht auf der Roten Liste gefährdeter Tiere in Bayern. Deutschlandweit kommt diese Bienenart außer im Landkreis Pfaffenhofen nach bisherigen Erkenntnissen nur noch am Griesheimer Sand in Südhessen und am Kaiserstuhl vor. Die Malven-Langhornbiene ist auf Lebensräume mit trockenen, sandigen Böden angewiesen, wie sie die späteiszeitlichen Dünen bei Freinhausen bieten. Die Besonderheit der Malven-Langhornbiene ist nämlich, wie ihr Name schon andeutet, dass sie ausschließlich Pollen an Malvengewächsen, wie etwa auch dem Echten Eibisch, sammelt.

 

Bislang unbehelligt von Naturfrevlern blieb bis vor kurzem das Naturschutzgebiet bei Freinhausen. Fotos: Raths, Pixabay (Symbolfoto)
 

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