Feuerwehr: Taktik bei Brandgeschehen und vom Umgang mit der Presse

Feuerwehr: Taktik bei Brandgeschehen und vom Umgang mit der Presse

Reichertshofen

Reichertshofen, 08.03.2017 (rt).

 

Unter dem Schwerpunktthema „Realbrand“ gab es kürzlich  eine spezifische Schulung für Feuerwehrleute aus der gesamten Region. Hochkarätige Fachleute aus dem Referentenpool der „S-GARD Feuerwehrschulung“ kamen dazu ins Reichertshofener Feuerwehrhaus und stellten dort vier ebenso spannenden wie informativen Themenkomplexe vor. Zahlreiche Feuerwehrleute nutzten diese Gelegenheit zur Fortbildung und sorgten damit für einen vollen Lehrsaal.

„Welches Ziel verfolgen wir mit unserer Presse und Öffentlichkeitsarbeit?“ Diese Frage stellte Frauke Aretz von der Feuerwehr Wuppertal zum Umgang mit der Presse im Einsatzfall in den Raum. Öffentliche Feuerwehren hätten den Status einer Behörde, insofern seien sie auch verpflichtet, Medienvertretern Auskunft zu geben, stellte die Sachkennerin ihrem Vortrag voraus. Die Wehren handeln demnach auch im Eigeninteresse. „Sie können ihre ehrenamtliche Arbeit der Öffentlichkeit bekannt machen.“ Das sei unter anderem gut fürs positive Image und diene der Nachwuchsförderung. Wichtig dabei sei, mit den Pressevertretern vertrauensvoll zu sprechen, wozu es sinnvoll sei, einen koordinierenden Verantwortlichen für die Pressearbeit der Feuerwehr am Einsatzort zu haben.

Im Umgang mit den Journalisten dürfe es keinesfalls eine Bevorzugung bestimmter Medienvertreter geben. Dies gelte auch für eventuelle Begehungen der Einsatzorte. „Auch außerhalb von Schadenlagen ist ein guter Kontakt zur Presse zu empfehlen“, rät Aretz. Etwa durch Hintergrundgespräche anlässlich von Übungen oder anderen Zusammenkünften biete sich dazu Gelegenheit. Immer mehr an Bedeutung gewönnen auch die Sozialen Medien. Der Umgang damit könne durch Dienstanweisung geregelt werden.

 

 

Von der Berufsfeuerwehr Augsburg kam Albert Kreutmayr nach Reichertshofen und sprach zum Tehma „Falsche Taktik. Wissen wir, was wir tun ?“ Trotz allen Engagements könne nicht verhindert werden, dass bei einem Unglück Menschen verletzt oder gar getötet oder Sachwerte vernichtet werden. Verringert oder vermieden werden könnte aber derartiges durch zielorientierte taktische Überlegungen. Dazu diene eine „verstärkte Sensibilisierung der Einsatzkräfte, geänderte Taktiken oder eine Ergänzung unserer technischen Ausstattung.“ Kreutmayr zeigte dazu Beispiele auf und zitierte den Lehrer und Philosophen Charles Kettering: „Wenn Du etwas so machst, wie Du es vor zehn Jahren gemacht hast, so sind die Chancen groß, dass Du es falsch machst.“

Ziel der Wehr müsse immer eine Reduzierung des Gesamtschadens sein. Dabei dürfe man sich nicht von unwichtigen Dingen und Fehleinschätzungen beeinflussen lassen. „Wir empfinden einen Zeitdruck, der bei sachlicher Betrachtungsweise gar nicht existent ist.“ Entscheidend für die Beurteilung vorhandener Gefahren könne nur jener Teil des Schadens sein, der sich durch das Eingreifen noch beeinflussen lasse. Kreutmayr machte das an zwei Beispielen, Küchenbrand und Scheunenbrand, deutlich. Als Tabuthema stelle sich dabei immer wieder das „Aufgeben“ heraus. „Aufgeben zum richtigen Zeitpunkt ist eine sehr wichtige und entscheidende Maßnahme.“ Zielgerichtetes Aufgeben könne bedeuten, Menschenleben zu retten, Sachwerte zu erhalten und Stress zu vermeiden. Beispielsweise könne das dann der Fall sein, wenn das einzugehende Risiko, einen Sachwert zu retten, in keinem Verhältnis dazu stehe. Kreutmayr ergänzet seine Ausführungen mit taktischen Hinweisen zur Türöffnung in Brandobjekten und Kellerbränden.

 

 

Frank Gerhards von der Feuerwehr Mönchengladbach erläuterte die Phänomene der schnellen Brandausbreitung. Die einleitenden Fragestellungen lauteten, welche Probleme ein Zimmerbrand aufwirft, wie die Kommunikation dazu mit Fachbegriffen läuft und wie junge Einsatzkräfte an die Praxis herangeführt werden können. Es ging dabei um die unterschiedlichen Arten des Brandrauches und der Brandgase, Durchzündungen sowie Explosionen.

Beim Referat „Gut geschützt in jeder Situation“ stellte Dirk Stephan von der Gore GmbH die Schutzfunktion der Feuerwehrbekleidung vor und wie diese über Jahre trotz Belastung erhalten werden kann. Zudem wies er auf die Gefährlichkeit von Feuchtigkeit in Bekleidungslagen im Brandeinsatz hin und erläuterte, welche Parameter was über die Schutzfunktion einer Bekleidung aussagen.

 

Fotos: Pixabay / Raths

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