Maibaum out, Snapchat in

Maibaum out, Snapchat in

Pörnbach

Pörnbach, 16.10.2017 (rt).

 

Funktionierendes Internet und öffentlicher Personennahverkehr – das waren die wichtigsten Wünsche der vier Teilnehmer im Alter von 14 bis 17 Jahren, die sich kürzlich zum ersten Jugenddialog der Gemeinde auf Einladung des Pörnbacher Bürgermeisters Helmut Bergwinkel und der Jugendbeauftragten Roswitha Kraus im örtlichen Feuerwehrhaus trafen.

„Früher sind wir in die Wirtschaft gegangen und haben Karten gespielt“, erzählte Bergwinkel aus seiner Jugend. Diese Zeiten, das ist ihm allerdings klar, sind wohl endgültig vorbei. Der Rathauschef wollte deshalb gerne aus erster Hand erfahren, wie die jungen Leute heute ticken und welche Vorstellungen sie auch hinsichtlich gemeindlicher Angebote haben.

In der offen geführten Diskussion stellte es sich dann rasch heraus, dass das Internet und die Mobilität bei den Heranwachsenden wichtige Themen sind. Vorrangig ging es um die Busverbindung von Pörnbach und Pfaffenhofen und Ingolstadt. Bergwinkel selbst bezeichnete sie als „nicht optimal“. Ein Mädchen hielt es für sinnvoll, einen Rufbus zur Verfügung zu haben. Für eine gute Verbindung sei man bereit, bis zu fünf Euro für die Fahrt zu investieren, hieß es aus der Runde. Im Sommer etwa sei eine Verbindung vom Pfaffenhofener Freibad nach Pörnbach um 20 Uhr wünschenswert. Bergwinkel sprach sich für eine flexible Beförderung anstatt einer starren Linie aus; schwierig sei es jedoch, das Fahrgastaufkommen zu kalkulieren. Als eine Option Bus dachte er auch eine Busverbindung zum Bahnhof in Baar-Ebenhausen an.

Nicht so sehr angesagt sind Treffen am Maibaum oder bei Vereinsveranstaltungen und Facebook ist übrigens auch nicht mehr der Hit bei den Schülern. Kommunikation läuft heute über Snapchat, ein Instant-Messaging-Dienst für Smartphones und Tablets oder etwa die Sprachkonferenzsoftware TeamSpeak. Für ein Treffen zum Stricken beziehungsweise Nähen konnte sich immerhin ein Mädchen begeistern. Jugendbeauftragte Kraus will deswegen bei der Nachbarschaftshilfe nachfassen, denn dort sei vor geraumer Zeit ein Stricktreff oder Näh-Kaffee bereits im Gespräch gewesen, jedoch bislang noch nicht realisiert worden.

Bedauert wurde, dass es immer schwieriger wird, in Pörnbach Lebensmittel einzukaufen, vor allem jetzt, wo der letzte „Tante-Emma-Laden“ schließt. Eine Gärtnerei und ein Metzger versuchen zwar einen gewissen Ausgleich, doch „alles Weitere ist schwierig“, merkte Bergwinkel dazu an. Es fehle auch an geeigneter Fläche für einen Lebensmittelhandel am Ort. Es gebe zwar Überlegungen im denkmalsgeschützten Gasthof zur Post einen Dorfladen einzurichten, doch „gegenwärtig hat der keine Chance mit der aktuellen Situation.“ Es liefen zwar Gespräche, doch für einen Hoffnungsschimmer sei es noch zu früh. Der Wunsch nach einer Skater-Halle, wie er geäußert wurde, sei jedoch etwas „zu hoch gegriffen", sagte Bergwinkel. Womöglich lasse sich aber eine solche Anlage im Außenbereich realisieren.

Den Jugenddialog will Bergwinkel jetzt regelmäßig halten. Vorschläge und Anregungen aus dem Kreis der Ortsjugendlichen könne man ihm auch per E-Mail (bgmpoernbach@reichertshofen.de) senden. Das Ortsoberhaupt hofft, dass zum nächsten Treffen - zu dem die jeweils Betroffenen schriftlich eingeladen werden - dann etwas mehr junge Leute kommen.
 

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