Herbstversammlung der Waldbesitzervereinigung

Herbstversammlung der Waldbesitzervereinigung

Scheyern

Scheyern, 22.11.2017 (aem).


Am gestrigen Dienstagabend fand im vollbesetzten Nebenzimmer der Scheyrer Klosterschenke die diesjährige Herbstversammlung der Waldbesitzervereinigung Pfaffenhofen gemeinsam mit dem Forstrevier Pfaffenhofen für die südlichen Landkreisgemeinden statt. Die rund 55 Anwesenden erwartete wieder eine interessante und überaus informative Themenauswahl.

Den Anfang machte Benjamin Scharnagl, eigentlich Förster im Forstrevier Hög, der kurzfristig für den örtlichen Förster Herrn Zanklmaier einsprang. Er ging zu Beginn seines Beitrages auf das Borkenkäferjahr 2017 ein und fragte die Anwesenden nach ihrer Wahrnehmung der Befallssituation.
Die Antworten waren bunt gemischt – die einen hat es stärker erwischt, andere blieben völlig verschont. „Im bayernweiten Vergleich war aber unsere Region eher schwach befallen“ bilanzierte Scharnagl anhand der Fangzahlen in den aufgestellten Pheromon-Fallen. Er erinnerte abermals an die eigentlich bei Waldbesitzern bekannten Handlungsempfehlungen, „denn aus einem übersehenen Käferbaum können ganz schnell 40 oder 50 befallene Bäume werden“, so Scharnagl.

Weiter ging der Staatsförster auf die aktuellen Förderungen für waldbauliche Maßnahmen ein. Diese sind derzeit nach seinen Aussagen sehr gut. Je nach dem, ob es sich um eine Erst- oder Wiederaufforstung handelt, ob ein Mischbestand oder ein reiner Laubholzwald geplant ist, ein Jungbestand gepflegt oder eine Naturverjüngung mit einbezogen wird, fällt die Förderung unterschiedlich hoch aus. Neuerdings werden auch die Einbeziehung von Klimakulissen, Schadensereignisse oder die Verwendung von Ballenpflanzen mit entsprechenden Zuschlägen bei Anpflanzungen berücksichtigt. Im Rahmen der Pflege vorhandener Naturverjüngung werden bei 100%-igem Laubholzanteil Förderungen bis zu 1.100,- € je Hektar bezuschusst. Ein klares Signal für den gewünschten Waldumbau, der dem Klimawandel Rechnung trägt.

Einen wichtigen Beitrag in Sachen Sicherheit stellten die Informationen zur sogenannten „Rettungskette Forst“ dar, bei der es immerhin um die Auffindung verletzter Personen in Waldgebieten geht. Die App „Hilfe im Wald“ kann hier lebensrettende Dienste leisten. Ein Nachschlag auf der Internetseite „www.rettungskette-forst.de“, auf der alle aktuell verfügbaren Rettungstreffpunkte in Bayern abrufbar sind.

Wissenswert waren auch Scharnagls Ausführungen zum Vegetationsgutachten 2018, das nach drei Jahren wieder turnusmäßig erstellt wird und maßgeblich für die Festlegung der Abschusspläne in den Hegegemeinschaften und Jagdrevieren sein wird. Hierbei wird ein bayernweites Raster mit Prüfpunkten angelegt und der Verbiss an der nächstgelegenen Verjüngungsfläche bewertet. Der Fachmann ging dabei auch auf die rechtlichen Grundlagen ein und verdeutlichte den Grundsatz „Wald vor Wild“. „Die Bejagung soll die natürliche Verjüngung der Hauptbaumarten sicherstellen“, so Scharnagl.

Im zweiten Teil der Abends ging der WBV-Geschäftsführer Mathias Ritzer mit seinem Holzmarktbericht auf die Entwicklung der Holzpreise im Jahresverlauf ein und informierte die anwesenden Waldbauern, mit welchen Erlösen sie in nächster Zeit für die einzelnen Sortimente rechnen können. Demnach belief sich, anknüpfend an das eingangs erwähnte Borkenkäferthema, die bislang in 2017 angefallene Borkenkäferholzmenge auf rd. 16.900 Festmeter Fichtenholz. Zum Vergleich: in 2016 fielen im gleichen Zeitraum etwa 10.000 Festmeter an. Überaus bemerkenswert waren dabei auch die Äußerungen von Ritzer im Zusammenhang mit dem Sturm „Kolle“ am 18. August 2017 im Raum Passau und Freyung-Grafenau: Die bei realistischer Betrachtung angefallene Schadholzmenge von etwa 2 Millionen Kubikmetern sollte den überregionalen Holzmarkt im Grunde eher gering belasten, weil „wenig sägefähiges Stammholz enthalten war“, so der Experte Ritzer. Im Grunde verständlich, den aus gesplittertem Holz können in der Regel nur Hackschnitzel, Holzpellets oder der Ausgangsstoff für diverse Pressspanplatten gefertigt werden. „ Und dennoch war sofort der Bayerische Landwirtschaftsminister Brunner pressewirksam vor Ort und brachte Soforthilfemaßnahmen auf den Weg“. Mathias Ritzer sah hier für viele nicht zu Unrecht gewisse Zusammenhänge mit der bevorstehenden Bundestagswahl im September 2017 und hatte auch seine Zweifel an der Effektivität dieser staatlichen Schritte.

Dennoch nutzten die Markteilnehmer die Gunst der Stunde. Beim „Brotbaum der Forstwirte“, der Fichte, gaben die Preise postwendend von 90,- € / fm auf 80,- € / fm nach. Auch die Abfuhr des Holzes verzögerte sich zunehmend. Für das kommende Jahr ist der Geschäftsführer Ritzer aber zuversichtlich und rechnet im Januar 2018 bei gutem Verhandlungsverlauf mit einem Preisanstieg von 6 bis 8 Euro je Festmeter bei der Fichte. Dass die Nachfrage beim Laubholz immer den Trends in der Möbelindustrie unterliegt und den jeweiligen Modeerscheinungen folgt, wurde aus den weiteren Erläuterungen Ritzers deutlich: die Nachfrage nach Buchenholz geht weiter zurück. Einzelne Abnehmer haben schon einen Einkaufstop verhängt. Man hofft hier stark auf künftige Forschungsergebnisse, um „Buchenholz verstärkt in der industriellen Verarbeitung, etwa für Leimbinder, zu verwenden“, so Ritzer. Völlig anders sieht es dagegen beim Eichenholz aus. Dies etwas dunkleres Holz ist momentan sehr gefragt. Sogar schlechte, astige Stämme und Qualitäten gehen nach den Worten des Geschäftsführers reißend weg. Der Brennholzmarkt wird sich entsprechend den Temperaturen in den nächsten Wochen anpassen. Auch was das Segment der Hackschnitzel angeht, ist die Situation sehr angespannt. Obwohl nach den Ausführungen Ritzers die örtliche Waldbesitzervereinigung mit der Nähe zu den Heizkraftwerken Pfaffenhofen und Wolnzach bayernweit am meisten Hackschnitzel vermarktet, sind die Preise weiter unter Druck. Die derzeit 68,- € für die Tonne absoluter Trockenmasse werden nach seinen Worten kaum zu halten sein.

Den Schlusspunkt setzte der bei der Waldbesitzervereinigung angestellte Förster David Hauser. Mit seinem engagierten Vortrag „Was soll ich pflanzen?“ sensibilisierte er einmal mehr mit einer neuen Ausrichtung die Anwesenden ihr Augenmerk auf Alternativen jenseits der Fichte, Tanne und Buche zu richten. Bei Kahlflächen nach Borkenkäferkalamitäten oder Sturmereignissen sollte zuerst der freie Boden genau betrachtet werden. „Kommt vielleicht schon eine zarte Naturverjüngung nach, die nur noch ein oder zwei Jahre braucht, um sich zu behaupten?“, fragt der Experte in die Runde. Ein Zuwarten kann auch Sinn machen, ob ein Sturm nicht weitere Lücken in den Bestand reißt oder der Borkenkäfer erneut zuschlägt. Herr Hauser berät natürlich alle Mitglieder mit den vorhandenen Standortkartierungen. Daraus lassen sich mit Aussagen zu Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt und Nährstoffgehalt gepaart mit weiteren Parametern wie Wind, Wild und Lichtverhältnisse Aussagen zu den geeigneten Baumarten treffen. „Es ist auch völlig legitim, wenn Sie sich die Frage stellen: Will ich einen Urwald, oder will ich Nutzholz produzieren? Will ich meinen Wald nur anschauen, oder will ich auch Arbeitskraft in die Pflege investieren?“, so Hausers Ausführungen. „Die eigenen Wünsche spielen eine wichtige Rolle“, meint Förster Hauser, und „welches Holz man künftig auch gut vermarkten kann“. Die eingesetzten Investitionen sollen sich nach Jahrzehnten der Pflege lohnen. „Auch das ist legitim!“, so die Ansicht von David Hauser. In seinem Vortrag knüpfte er dabei nochmal an die eingangs genannten Fördermöglichkeiten an. Interessant war dabei für die Anwesenden zu hören, dass je nach Förderung ein Anteil von fremdländischen Baumarten wie Douglasie, Weymouthskiefer oder Küstentanne bis zu 70% zulässig ist. Gerade diese Arten wurden in den vergangenen Jahrzehnten schon verstärkt gepflanzt, wenn zum Teil auch nur mit unterschiedlichem Erfolg. Überhaupt stellte Hauser die Frage in den Raum, ob diese Fremdländer die Rettung im Klimawandel sein können. „Denn ein Baum, der sich im heißen Sommer bei uns wohlfühlt, muss noch lange nicht mit dem Frost im Winter zurecht kommen, den es im Mittelmeerraum nicht gibt“, so Hausers Fazit. Daneben brachte der Fachmann den Mitgliedern noch weitere zu beachtende Punkte nahe, wenn es zum Beispiel um die Erschließung geht, die Bodenverdichtung oder die Ernte des verbleibenden Schirmes. „Bitte überlegen Sie sich ein Gesamtkonzept und nehmen Sie jederzeit unsere Beratung in Anspruch“ der wohlwollende Appell. Zum Schluss präsentierte Hauser noch diverse Steckbriefe von Baumarten, die nicht unbedingt weit verbreitet sind. Er streifte dabei unter anderem die Edelkastanie, die Flatterulme oder die Schwarznuss, die je nach Standort interessante Alternativen sein können. Für die Umwelt und insbesondere Insekten wichtige Bäume als mögliche Randbepflanzung brachte er blühende Arten wie Apfel-, Kirsch- oder Birnbäume ebenso ins Gespräch wie Elsbeere, Mehlbeere, Eiben oder Schlehen.

Zum Abschied richtete noch der Erste Vorsitzende der Vereinigung Hermann Müller ein paar Worte die Zuhörer mit der Bitte konstant Holz bereit zu stellen und nicht nur auf Hochpreisphasen zu setzen. „Denn wenn Ihr das Holz nicht macht und zu lange wartet, dann macht es vielleicht der Käfer oder der nächste Sturm“, so sein Appell. Müller ging dabei auch auf die bevorstehenden Preisverhandlungen und die Hoffnung auf etwas steigende Holzpreise ein. Auch die zuletzt gefahrene Strategie, „nicht die letzten ein, zwei Euro heraus zu holen, aber dafür etwas längere Vertragslaufzeiten zu vereinbaren“ sei in diesem Jahr angesichts des Sturms Kollo voll aufgegangen. So fühlten sich letztlich alle Mitglieder bestens beraten und von den Funktionären gut vertreten, so dass die ausklingenden Gespräche an den Tischen recht harmonisch waren.


 

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