Günstiges Bauland für den kleinen Mann in Scheyern

Günstiges Bauland für den kleinen Mann in Scheyern

Scheyern

Scheyern, 11.04.2018 (aem).


Heiß diskutiert wurde in der Scheyrer Gemeinderatssitzung im April die Einführung eines Baulandmodelles zur Förderung einer ausgewogenen, sozial stabilen Bevölkerungsstruktur sowie ein Beschluss über die Richtlinien zur Vergabe von Wohnbaugrundstücken. Erst nach drei Stunden war der offizielle Teil der Sitzung beendet.

 

Bereits im Sommer 2017 wurde von der Gemeinde eine Anwaltskanzlei in München damit beauftragt, ein Baulandmodell sowie Richtlinien für die Vergabe von Wohnbaugrundstücken zur Förderung einer ausgewogenen, sozial stabilen Bevölkerungsstruktur auszuarbeiten. Dieses Baulandmodell wurde nun in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Die Gemeinde Scheyern möchte mit diesem Baulandmodell einer städtebaulichen Fehlentwicklung vorbeugen, die durch eine übermäßige Verdrängung von Bevölkerungsgruppen durch zahlungskräftige Käufer aus den beiden benachbarten Ballungszentren München und Ingolstadt entstehen könnte. Aufgrund einer Datenerhebung erklärte Bürgermeister Sterz folgendes: Im Baugebiet Schöneck sind 80% Zuzüge, also Menschen, die keine Scheyrer sind. Lediglich die restlichen 20% der Parzellen seien von Scheyrer Bürgern erworben worden. Nachdem die Gemeinde für ihre Bürger einen Anreiz schaffen möchte, nicht wegzuziehen oder als junge Familie wieder herzuziehen, wird in Zukunft ab sofort folgendes Baulandmodell eingeführt:
Die Gemeinde wird frühzeitig Bauerwartungsland zu fairen Preisen erwerben und hierin eine Quote von 35% installieren. Das heißt folgendes als Fallbeispiel:

Grundstücksgröße: 10.000 qm²: Die Gemeinde erwirbt hiervon 3.500 qm² brutto. 6.500 qm² brutto verbleiben beim Eigentümer. (Öffentliche Flächen werden mit ca. 30% veranschlagt. Öffentliche Flächen bedeuten z.B. Straßen, Grünflächen etc.). Verbleiben also 7.000 qm². Hiervon gehören dann der Gemeinde wiederum 35%, d.h. 2.450 qm². 4.550 qm² verbleiben beim Eigentümer. Der 2.450 qm² große, in gemeindlichem Besitz befindliche Grund, wird dann verkauft. Potentielle Interessenten müssen sich jedoch mittels eines neuen Punktekataloges für den Erwerb qualifizieren. Ein Bürger, der bereits seit Jahren in Scheyern lebt, bekommt mehr Punkte als ein „Zugezogener“. Oder ein Bürger, der sich ehrenamtlich engagiert, kann ebenfalls Punkte erwerben. Ausschlaggebend ist natürlich auch das Gehalt. Das zu versteuernde Jahreseinkommen eines Paares darf € 92.000 nicht überschreiten. Auch darf nicht mehr als € 150.000 Kapitalgeld vorhanden sein. Kinderreiche Paare ergattern ebenfalls Punkte. „Das einheimische Paar mittleren Einkommens mit mehreren Kindern macht quasi das Rennen“, so Sterz.


Weitere Bauleitplanungen im Gemeindebereich Scheyern:

Im Ortsteil Euernbach sind zwei Bauleitplanungen („Euernbach Nord-West“ und „Am Friedhof“) im Verfahren und ein weiteres (an die beiden vorherigen angrenzend) wurde beantragt. Städtebaulich sinnvoll wäre es, die drei Bereiche zusammenzulegen und dann im Rahmen eines Gesamtkonzeptes weiter zu entwickeln. Hier sollen nun mit allen Grundstückseigentümern Gespräche über das zu einende geplante Baugebiet geführt werden.
Ortsprecher Xaver Ostermeier sah hier jedoch ein hohes Konfliktpotential, weil sich hinter diesem Bereich eine landwirtschaftliche Nutzfläche mit einer Größe von etwa 1.000 Hektar befindet, die ausschließlich über die beiden kleinen Straßen Kapellenweg und Friedhofsweg zu erreichen ist. „Ich sehe es schon kommen, dass im Sommer im Garten mit Freunden gegrillt wird und eine Erntemaschine aufgrund parkender Fahrzeuge dann nicht zum Feld fahren kann“, orakelte er.

Das Baugebiet in Mitterscheyern „Östlich der Fürholzener Straße“ muss aufgrund erheblicher Bedenken des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt bezüglich des im geplanten Baugebietes befindlichen „Fürholzener Grabens““ und der damit einhergehenden Überschwemmungsgefahr reduziert werden. Auch hier wird Bürgermeister Sterz mit den Eigentümern Gespräche führen.

 

 

Fotos: Adelheid Emmer

Im Dezember 2017 wurde ein Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes am nord-östlichen Ortsrand von Fernhag zur Errichtung von 7 Einfamilienhäusern gestellt. Nachdem sich jedoch zurzeit mehrere Bauleitplanungen in Bearbeitung befinden sowie die Innenverdichtung der Kommune selbst und der Gemeindeteile Vorrang haben, wurde dieser Antrag zurzeit mehrheitlich abgelehnt. Das gleiche gilt für die Bauvoranfrage zur Errichtung eines Ein- oder Zweifamilienhauses, ebenfalls am nord-östlichen Ortsrand von Fernhag.

 

 

 

 


 

Diesen Artikel...

Kommentare
Für diesen Beitrag sind noch keine Kommentare vorhanden.