WA-Historie

110 Jahre Wolnzacher Anzeiger

1897 - 2007

Firmengebäude um 1916

Eine der ältesten Lokalzeitungen Deutschlands blickt zurück

Gegründet von Eugen Fleischmann sen. am 8. Dezember 1897 als "Lokalblatt für Wolnzach und Umgebung und Insertionsorgan des Magistrates Wolnzach" stellte es seiner Zeit eine große Errungenschaft für den aufstrebenden Markt Wolnzach dar, der v.a. durch den Hopfenanbau Weltgeltung und Wohlstand erreicht hatte. Aus dem temporären Markt war ein ständiger gewerblicher Markt mit Handwerkerschaft, Banken, Versicherung und sonstigem Gewerbe hervorgegangen. Die eigene Zeitung brachte Information, Bedeutung, Entwicklung, auch wenn sie anfangs nur zwei Mal in der Woche erschien, nämlich mittwochs und samstags und ganze vier Seiten im A3-Format stark war.

 

Eugen Fleischmann
(Gründer; 1897-1929)

Schnell ergänzte der Wolnzacher Anzeiger, der "WA", seinen Untertitel um "Organ für die Interessen des Hopfen- und Getreidebaus der gesamten Holledau" - auch hier war die Rechtschreibreform noch nicht vollzogen und offensichtlich der Getreidebau noch so wichtig, wie er sich bis heute in der Moosburger Gerstenschau wiederfindet. Bei den ältesten noch vorhandenen Ausgaben des Jahres 1903 finden sich auch bereits die Zusätze "Holledauer Bote" und "Katholisches Volksblatt". Sie werden zwar heute nicht mehr verwendet - und hätten in den wenig übrig gebliebenen Kopfzeilen auch keinen Platz mehr -, doch inhaltlich wirken sie bis heute unverändert, dem Zeitgeist entsprechend. So haben die vielen Neubürger ein ökumenisches Bewusstsein geschaffen und die evangelische Kirche hat einen gleichberechtigten und ihrem Engagement entsprechenden festen Platz im WA gefunden, aber keine Redaktion im Landkreis ging auf kirchliche Themen so eingehend und umfangreich ein wie der WA. Und im Wesen ist er heute genauso ein starker "Holledauer Bote" wie vor 100 Jahren, mit Berichterstattung über die ganze Hallertau, v.a. Mainburg und Au und entsprechender Verantwortung über die Grenzen des Landkreises und Regierungsbezirks hinaus.

 

Eugen Fleischmann jun.
(1929-1956)

1927 gab Eugen Fleischmann sein Gründungswerk an seinen einzigen Sohn Eugen jun. ab. Er zeichnete sich durch ein großes Engagement für Vereine, Gewerbe und Kultur aus. Die Nationalsozialisten aber ließen ein Erscheinen des Wolnzacher Anzeigers ab 1934 nicht zu und fassten das Zeitungswesen des Landkreises in Pfaffenhofen zusammen, mit Berichterstellung in ihrem Sinne. Der Betrieb arbeitete als kleine Druckerei weiter, hielt sich bereit für den Tag des Wiedererscheinens. An Aufgeben dachte auch nach 15 Jahren noch niemand. Diesen Schlag ins Gesicht der Presse- und Gewerbefreiheit vergaß der WA nie. 1949 heiratete Eduard Kastner sen. Eugenie Fleischmann, das einzige Kind des "Verlegers im Zeitungsexil". Die Erlaubnis zum Wiedererscheinen wurde von der Besatzungsmacht erteilt: Am 1. August 1949 gab es wieder den "Wolnzacher Anzeiger". Die Pionierarbeit begann. Zunächst musste der Redakteur Eduard Kastner den Vertrieb neu aufbauen, selbst die Bleisetzmaschine bedienen und sogar nachts drucken. Die Ingolstädter brachten gleichzeitig ihre Zeitung in Wolnzach heraus, doch der Wolnzacher Anzeiger eroberte die Leser stärker zurück und Dr. Reißmüller bot 1952 Eduard Kastner sen. die Zusammenarbeit an.

 

Eduard Kastner sen.
(1949-1981) bei der Arbeit

Ab nun erschien der WA täglich mit dem ausführlichen "Mantel" (Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Sport) aus Ingolstadt. Die Pressegemeinschaft umfasste auch die Verleger Ludwig sen. und Weinmayer, für die von ihnen eingebrachten Lokalblätter "Ilmgau Kurier" und "Geisenfelder Zeitung". Die getrennten Titelköpfe wurden 1967 zusammengefasst. 1975 versuchte der Pfaffenhofener Kurier eine "Integration der Lokalteile", d.h. die Auflösung der eigenen Seiten für Wolnzach, der eine Vertragskündigung vorausging. Die Wolnzacher Leser protestierten gegen den Verlust ihrer Seite und die Verleger Ludwig und Dr. Reißmüller mussten sich im Wolnzacher Gemeinderat im April 1975 schließlich geschlagen geben. Der "WA" lebte wieder.

 

1981 starb Eduard Kastner sen. Sein großes Engagement für Vereine, Hopfenbau und Markt-Entwicklung sind bis heute in Erinnerung, ebenso wie sein umtriebiges Wesen. Unter seinem einzigen Nachfolger, Eduard Kastner jun., ging die Pressearbeit harmonisch weiter. Der WA trug die starke Entwicklung des Hopfenmarktes Wolnzach zum Unterzentrum mit, förderte Kultur und Jugend, unterstützte den Gewerbeverband und setzte sich für den Hallertauer Hopfenbau ein. 1997 erweiterte sich das Publizitätsspektrum um die "WA-Aktion", zunächst ein Anzeigenblatt für den Markt Wolnzach mit Vorschau aller wichtiger Veranstaltungen, Geheimtipps und als Einkaufsführer, für Aktionen des Wolnzacher Gewerbes und mit Blick über den "Zaun" auf Au und Mainburg, so dass Wolnzach eine starke Publizitätserweiterung in der Zentralhallertau erfuhr. Das Pendant im Internet kam fast gleichzeitig mit "www.markt- wolnzach.de", eines der wenigen Portale, das die Euphorie des neuen Mediums Internet und den Neuen Markt überlebte, ja ganz im Gegenteil sogar erstarkte. So wie sich seit 1956 die Druckerei (mit Setzerei und Buchbinderei) stark entwickelte (obwohl der WA selbst seit 1952 in Ingolstadt gedruckt wurde) und heute mit rund 100 Mitarbeitern zum größten grafischen Betrieb der Region geworden ist (nach Auflösung des Courier Druckhauses in Ingolstadt), erreichte auch das 1998 gegründete Internethaus Kastner unter Patricia Kastner eine inzwischen bedeutende Rolle und hat eine noch größere Zukunft vor sich, dank der Entwicklung einer eigenen Software. Sie ist z.B. auch als Redaktionssystem für große Tageszeitungen einsetzbar. In den letzten Jahren wurden im Verlagshaus Kastner viele eigene Titel bei Zeitschriften, Büchern, Amtsblättern, Vorlesungsverzeichnissen, Programmheften u.v.m. und Portale entwickelt. Dieser Unternehmensbereich umfasst inzwischen über 40 Mitarbeiter, von denen nur wenige im Unternehmen selbst noch Platz gefunden haben und von zu Hause arbeiten. Als Medienhaus Kastner ist das Unternehmen heute auf dem Markt des 21. Jahrhunderts ausgerichtet. Das bedeutet für die lokale Zeitung, über alle modernen und zukünftigen Publikationsmöglichkeiten verfügen zu können.

Die Zeitungsverleger Ludwig und Weinmayer verkauften ihre Unternehmen an den Donau Kurier.

Der Wolnzacher Anzeiger war 2002 das einzige Partnerunternehmen bei der Zeitungsherausgabe im gesamten Verbreitungsgebiet des Donau Kurier. Zum 31. Dezember 2005 kündigte der Donau Kurier dann den Vertrag der Zusammenarbeit mit dem WOLNZACHER ANZEIGER. An die Stelle des WOLNZACHER ANZEIGERS trat ab 1.1.2006 die "Wolnzacher Zeitung" in Eigenregie des Donau Kuriers/Pfaffenhofener Kuriers. Zwei langjährige Redakteurinnen des "WA" schreiben sie - sie waren übergelaufen.

Die Kündigung durch den Donau Kurier ficht der WOLNZACHER ANZEIGER derzeit gerichtlich an (Kartellverfahren).

Von 1.1.2006 bis 31.3.2006 erschien der WOLNZACHER ANZEIGER als selbstgedruckte kleine Lokalzeitung dreimal die Woche. Ab 5.4.2006 nur noch einmal die Woche als "WOLNZACHER WOCHE". In der Printversion wurde sie am 25.5.2006 eingestellt. Die Leser erhalten seitdem PDF's zum Herunterladen mit Links zu weiterführenden Informationen.

Der WOLNZACHER ANZEIGER lebt auch fort in der "Aktion - Der Hallertauer" mit dem Veranstaltungsservice für die nächste Woche (1 Seite für Wolnzach). Als Beilage in der "Aktion - Der Hallertauer" findet sich 4- wöchentlich "DER WOLNZACHER" mit Hintergrundartikeln, Veranstaltungsnachbereitung, Portraits und v.a., was in der Wolnzacher Zeitung zu kurz kommt oder falsch vermittelt wird. Er wird an alle Wolnzacher Haushalte gratis verteilt. Der WOLNZACHER dient dem Erhalt der Wolnzacher Identität, der Kultur im Markt und übt eine "Robin-Hood-Funktion" aus gegenüber den Donau-Kurier-Medien.

2007 wurden die Internetportale "WOLNZACHER ANZEIGER", markt-wolnzach.de und hallertau.info unter der Gesamtstruktur "hallertau.info" zusammengefasst. Der WOLNZACHER ANZEIGER lebt darin mit täglicher Berichterstattung über Wolnzach im Bereich "Lokales".