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Die große Sünde
Zur Euro-Krise und Euro-Rettung
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Der Gau der Medien

Wolnzach, 21.03.2011 (ted). Auch wenn im Atomkraftwerk Fukushima I in letzter Minute der Supergau verhindert werden konnte, so hat der Störfall die Weltpolitik geändert. Zumindest Deutschland steigt aus der Atomkraft aus. Wie in einem Hollywood-Film steigerten die Medien die Spannung um den befürchteten Supergau. Die Deutschen kamen vom Fernseher und Internet nicht mehr weg. Andere Nationen nahmen es cooler, werden aber auch die Sicherheitsstandards für AKWs neu formulieren. Deutschland als Land der Ängstlichen. Auch bei der Verweigerung zum Truppeneinsatz in Lybien erweckten wir in der Weltöffentlichkeit den Eindruck, vor dem Krieg Angst, ja die Hosen richtig gestrichen voll zu haben. Die von Westerwelle angeführten Argumente spielten nur Gaddafi in die Hände. Es war wirklich fünf vor Zwölf , eh schon eine Woche zu spät und dann sollten Sanktionen noch genügend wirken, um Gaddafi zum sofortigen Waffenstillstand zu bewegen? So eine Politik ist weltfremd. Und nun fürchten wir uns lautstark über Gaddafis Vergeltungsdrohungen. Nein, dieser Mann gehört weg.

Bei der Atomkraft ist das eigentlich Bestürzende, dass es jetzt neuer Sicherheitskontrollen bedarf. Sogar in Deutschland. Laufende Kontrollen setzten wir voraus. Wir wurden immer im Glauben an die sichersten AKWs der Welt gewiegt. Japans Störfall bedeutet für die Atomwirtschaft ein zweites Tschernobyl. Wie kann ein AKW in einem so dicht besiedelten Raum nicht auf ein Jahrhunderterdbeben ausgelegt sein? Warum bestand keine Notfall-Vorbereitung? Ein entsprechend miserables Störfall-Management zeigte sich der Weltöffentlichkeit. Nicht nur, dass tagelang die Stromversorgung unterblieb, sondern dass dann noch Hunderte von Einsatzkräften in den Tod geschickt werden mussten. Wäre per Schiff am 1. Tag ein Notstromaggregat bereit gestellt worden, hätte es keine Aufregung, Verstrahlung und Strahlentote gegeben.

War sich die Atomlobby zu sicher ? Japaner und Amerikaner gingen zu leichtsinnig mit den Gefahren von Fukushima um. Deshalb geschieht ihnen das Umdenken in der Atomenergie Recht. Und es dürften überhaupt keine AKWs in Erdbebengebieten gebaut werden, wenn das Restrisiko nicht ausschaltbar ist. Das miserable Krisenmanagement in Japan müsste auch AKWs in „Schlamperei-Ländern“ ausschließen. Aber da sind wir wieder die Ängstlichen: Deutschland schaltet ab wegen des Beinahe-Gaus, des Gaus der Medien, und die anderen denken nicht daran, ja sie bauen weiter unsichere AKWs ohne Krisenmanagement. Japan müsste komplett seine AKWs still legen.


Leserbrief:

Lieber Ted,
herzlichen Dank. Dein Artikel trägt allerdings auch etwas - nimm es mir bitte nicht übel - zum Medien-Gau bei. So wurden nicht Hunderte von Einsatzkräften in den Tod geschickt, es gab bisher überhaupt keine Strahlentote. Wenn wir hier die Medienlandschaft in Deutschland zu Japan verfolgen, glauben wir fast, in einem völlig anderen Land zu sein. Ich finde, die deutsche Presse hätte eher auf die bisher 27.000 Toten und Vermißten eingehen sollen - eine Zahl mit steigender Tendenz - so wird eher das innenpolitische Kernkraftsüppchen gekocht. Naja, heute sind ja die Landtagswahlen, schaun mer mal ..

Viele Grüße
Alexander Olbrich
Deutscher Konsul in Osaka/Japan