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Die große Sünde
Zur Euro-Krise und Euro-Rettung
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Zum neuen Stress in der Bildung

2.5.2012 (ted). Bayern kann sich nicht von der Welt abriegeln. So wurde das G8, das achtjährige Gymnasium, eingeführt, das Studium in Bachelor- und Masterabschluss geteilt und die Kleinkinder sollen ab mindestens drei Jahren in den Kindergarten zur Vorschulbildung. Der Schock der ersten Pisa-Bewertungen der Bayern saß tief. Hatten wir nicht subjektiv ein sehr gutes Ausbildungssystem bis zu Diplom der Universität? Mit viel Bildung anstelle kompresser Wissensvermittlung.

In der erlebten Realität bestätigt sich, dass nach der 4. Klasse Grundschule die Entscheidung für den „richtigen“ weiteren Bildungsweg in vielen Fällen schwer fällt v.a. die Hauptschule vor die Hunde geht. Auch die Umbenennung in „Mittelschule“ ist nur ein Etikettentausch. Sie wird damit nicht zur Ersatz-Realschule ebenso wenig der Begriff „Hauptschule“ die Hauptbildungsform nach der Grundschule darstellte.

In der G8-Ausbildung wurde der G-9-Stoff größtenteils komprimiert. Hinzu kamen neue Wissenszweige. Die Ganztagesschule wurde eingeführt, um die Stundenzahl zu erhöhen. So arbeiten jetzt die Gymnasiasten das Erlernte und zu Prüfende am Wochenende. Noch schlimmer: es schwebt die Zahl im Raum von 50% aller Schüler mit Hochschulabschluss, auch wenn die Wirtschaft keinen Handwerker mit Universitätsgrad brauchen kann. Und was viel zu wenig bedacht wurde: die Lehrenden an den Unis sind frustriert, die Qualität der Stoffvermittlung hat gelitten, ja das Flair der Akademie als Raum freier Gedanken, der Genialität, ist verloren gegangen. Logischerweise schwand der Abstand zwischen den Fachhochschulen, nun „Hochschulen“, und den bisherigen Universitäten, zumindest in der Bachelor-Ausbildung. Das bedeutet die Verschulung der Universitäten. Zugleich wurden die Eintrittsschranken der Universitäten abgesenkt. Einige haben eigene Eingangstests eingeführt, um das Niveau einigermaßen zu halten.

Hinzu kommt das Internet als Lehrbuch und Vorlesung zugleich. So erübrigt sich das Vorlesen des Internettextes im Hörsaal. Doch echte Erklärung, das Sichtbarmachen der Zusammenhänge, die Erhöhung des Verständnisses findet an dieser Stelle als Ersatz kaum statt. Es wird noch viel Kritik wie von dieser Stelle erfordern, bis sich diese Lehrkörper umorientiert haben zur neuen Qualität der Vorlesungen und Übungen.

Ein Verfall der Ausbildung bedeutet das Ende des Kopfrechnens. Wer das kleine Einmaleins nicht beherrscht, verliert leicht den Bezug zu Summen und Relationen. Aber darüber werden bald die Pädagogen selbst klagen. Es ist eine Art Dekadenz unserer Werte, womöglich ausgelöst durch die neuen Medien.

Die Eltern der Kleinstkinder sind mittlerweile alle „digital natives“. Für sie kann eine 2. Fremdsprache, vor allem Englisch, nicht früh genug erlernt werden. Andererseits müssen wir erkennen, dass diese Generation in Schriftdeutsch immer schlechter wird. Abiturienten müssen heute keine fehlerfreien Deutschsätze mehr beherrschen doch die Word-Rechtsschreibprüfung versagt öfter als sie denken. Noch dazu zählt auch die Schnelligkeit schriftlicher Artikulation. E-Mails sind dabei keine Referenz, ersetzen sie doch mehr das Telefonat. Das Internet lehrt nicht, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Es geht die Struktur im Lernen verloren, das Erkennen von Ebenen. So obliegt dem Bildungssystem in seiner direkten zwischenmenschlichen Transaktion umso mehr die Aufgabe des Strukturierens, Wertens, ja der Bildung im klassischen Sinn, als Charakterbildung. Wenn Bayern noch an das Qualitätsbildungssystem der Vergangenheit anschließen will, bedarf es einer schnellen Rückbesinnung auf diese Bildungsideale und einer konsequenten Umsetzung. Allem Pisa- und Bologna-Geschwätz zum Trotz.