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Ted's Political Archiv

Hier finden Sie sämtliche Artikel des Politik-Forums: 

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Deutschland siegt – die WM als Wirtschaftsfaktor 

11. 7. 10 (ted) Nicht nur Sportartikelhersteller und Ausstatter der WM inklusive Lieferanten von Wimpeln und mehr oder Fernsehgeräteproduzenten profitieren von einem globalen Großereignis wie der Fußballweltmeisterschaft. Es kommen insgesamt wirtschaftsfördernde Kräfte zum Tragen, insbesondere bei den letzten 16 Nationen. Der friedliche Weltbewerb schafft Identität und lenkt von der realen Lage der Wirtschaft ab. Mit neuem kollektivem Selbstbewusstsein gehen die Sieger ihrer täglichen Arbeit nach, ein Motivationsschub, den Politiker heute kaum mehr entfachen können. Gerade bei den Deutschen. Vergessen sind das Jammern und der Zukunftspessimismus – im Gefühl, wir sind wieder wer oder ja, wir können es schaffen, wenn wir weiter trainieren, fleißig sind und zweikampfstark. Hier kommen schnell viele Parallelen zum täglichen Arbeitsleben hoch. Diese positive Einstellung, dieses Bekenntnis zu Werten, die den Wirtschaftsaufschwung nach dem 2. Weltkrieg ermöglichten, schafft tatsächlich der Fußball in seiner Ersatzwelt.

Keine Sportart verbindet so sehr die Nationen und Kontinente. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann nach Japan auch China eine ernstzunehmende Nationalmannschaft entsendet. Fußball gelang es, bei der Sache zu bleiben. Olympia erscheint immer mehr als große Organisation, als ein Allerweltsladen an Sportarten, die viele nicht mehr kennen. Es löst kein emotionales Sommermärchen aus. Die Medaillenspiegel gleichen Börsenbarometern. Natürlich soll die positive Kraft der olympischen Idee nicht klein geredet werden und freuen wir uns, wenn wir Austragungsstätte der Winterspiele 2018 werden. Dramatik kommt freilich nur noch bei Skirennen auf. Aber auch sie sind mit eineinhalbstündigen Krimis aus der Fußballserie nicht zu vergleichen. Straßenleerfeger gibt es nur beim großen Fußball.

Zurück zur Bedeutung für eine Nation. Da die Medien den Fußball so sehr aufheizen, die Mannschaft als Vertreter der Nation sehen, steht und fällt das nationale Ego mit seiner Mannschaft. Sollen wir als Wirtschaftsnation über eine Niederlage in den Endrunden überhaupt traurig sein? Der Sieg der Spanier über die Deutschen schmerzte zwar die deutsche Nationalelf – sie waren schon als Weltmeister in den Medien –, wirtschaftlich bringt er den Deutschen mehr Vorteile. Spanien hat 20 % Arbeitslosigkeit, steht als Wackelkandidat des Euros auf dem Prüfstand und hat an der Weltwirtschaftskrise noch schwer zu beißen. Der Sieg reißt die spanische Volkswirtschaft um entscheidende Prozentpunkte nach oben – wovon der Euro, die EU und besonders Deutschland profitieren. Die knappe, aber berechtigte deutsche Niederlage hat das deutsche Nationalbewusstsein nicht beeinträchtigt, ja vielleicht die Deutschen als Verlierer sympathisch gemacht. Gewonnen aber haben Deutschland und Europa.

Natürlich stellt kein Fußballverantwortlicher solche Überlegungen in der Öffentlichkeit an – kann er vielleicht aus seinem Blickwinkel gar nicht -, aber ein tiefes positives Gefühl bestätigt sie. Seien wir froh, dass via die Medien so viel kollektiv Gutes aus dem Fußball geschöpft werden kann. Auch die WM 2010 ist aus deutscher Sicht ein Sommermärchen. Mehr war auch nicht nötig. 



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Das Klima hat durch Kopenhagen doch gewonnen

Große Erwartungen knüpften die Experten vieler Länder an die Klimakonferenz in Kopenhagen. Leider kam es nicht zu den geforderten Konsequenzen aus ihren Einsichten. Selbst Obama brachte nicht die erwarteten Beschlüsse zustande. Am Ende wurde ihm und China das Scheitern der Konferenz angelastet. Sicherlich fehlte Obama die innenpolitische Macht, die geforderten Veränderungen umzusetzen. Haben Tausende von politischen Handlangern umsonst gearbeitet, sind Millionen an Tagungskosten in den Sand gesetzt?

Wir leben in Zeiten der Meinungsbildung, die ihre eigenen Wege geht – dank Internet und wissenschaftlicher Vernetzung. Immerhin wurde im Vorfeld viel über die Veränderung des Klimas auf allen Informationskanälen verbreitet. Das Klima wurde zur Schlagzeile, zum Thema der 1. Seiten der Zeitungen. Viele Wissenschaftler kamen zu Wort. Selbst eine Verschwörungstheorie gegen die Klimabedrohung kam auf.

Objektiv gesehen ist das allein schon ein großer Erfolg. Natürlich sind wir Deutsche wieder der Lehrmeister der Welt, aber darin steckt auch eine Anerkennung und ein hoher Status. Es ist ja schon ein Erfolg, dass dieses Thema alle beschäftigte und Merkel gehört wurde. Niemand wurde ausgepfiffen mit seinen Forderungen. Und die Medien schrieben wieder und wieder. Selbst das Bedauern über das politische Versagen bekam Leitartikel-Status. Das ist doch ein riesiger Erfolg.

Wenn nun die Bürger dieser Länder das Anliegen zur Veränderung, zur Reduktion der Weltverschmutzung begreifen, bedarf es keines Weltkommuniquees mehr. Dann beginnt dieser Umbau der Welt von unten. Was nützt ein Abschlusskommuniquee, an das sich keiner hält? Dann haben die großen Worte, die Politiker gewonnen, aber an der Basis kommt die Veränderung nicht an. So ist nun jeder Bürger aufgerufen, sein Kopenhagen zu begreifen, zu formulieren und umzusetzen. Nicht nur bei den Politikern erleben wir eine Weltcommunity. Sie ist über Internet und Medien schon längst vorhanden. Hier muss weiter gearbeitet werden, den Umweltverschmutzern und Egoisten die Gefolgschaft aufgekündigt werden. Wir leben im Zeitalter der Bürgerbewegungen, der Basisdemokratie ohne Grenzen. Green Peace, WWF und andere Vereine haben Weltgeltung bekommen. Selbst die katholische Kirche denkt viel „grüner“ als vor einem Jahrzehnt. Und das wird so weiter gehen.

Am Wichtigsten ist die ständige Kommunikation über die Verringerung der Umweltbelastungen, das Denken von der Welt als Einheit. Globalisierung auch bei der Abfall- und Emissionsbekämpfung. Nun liegt es bei der Industrie durch „grüne Produktion“ zu punkten bei den Käufern ihrer Produkte. Diese freiwillige Abkehr von den Todsünden des letzten Jahrhunderts ist sicherlich wirkungsschneller als der Weg über Verordnungen. Natürlich wird sich die Welt dadurch nicht umfassend genug ändern, aber die Richtung stimmt. Was nützen Gesetze, wenn sie keiner befolgt? Jeder Bürger dieser Welt ist zum Polizisten dieser Welt gerufen.

(ted; 11. Januar 2010) 



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Der "Finanzbeipass" gegen den Infarkt

Wolnzach, 15.12.09. Sind Banker und Politiker zu sehr mit sich beschäftigt, um eine Innovation am Finanzmarkt zu sehen, die auf der Hand liegt und allen nur Vorteile einbringt, ja Beschäftigung rettet, ohne dem Staat nur einen Euro zu kosten? 

Die Ausgangslage: durch die Dauer der Wirtschaftskrise kommen Firmen mit kräftigem Umsatzeinbruch in Liquiditätsnöte, vielleicht verstärkt durch den volkswirtschaftlich so wünschenswerten Erhalt ihrer Belegschaft. Banken beurteilen die Geschäftslage der Unternehmen vermehrt nach Bilanzkennziffern. Da sagt der Bank-Computer ein Nein zur Kreditvergabe zu völlig gesunden Unternehmen, langfristig gesehen. Leider sind die Entscheidungsprozesse der Banken durch die Finanzkrise so reglementiert, dass keiner das Nein des Computers kippen will oder kann. Die „Kreditklemme“ ist die Folge. Kanzlerin Merkel ermahnt die Top-Banker. Die Folge: Große Absichtserklärungen – aber „unten“ kommt das Geld nicht an. Merkel kann die Programmierung der Bank-Computer nicht beeinflussen.

Schauen wir auf die Anleger auf der anderen Seite. Hier ist Geld in Hülle und Fülle vorhanden und dafür gibt es fast keine Verzinsung. Voller Frust laufen die Anleger wieder in die Aktienmärkte und erzeugen dort eine ungesunde Blase, deren Zerplatzen volkswirtschaftliches Gift bedeutet. Der Geldnachfragemarkt und der Geldangebotsmarkt kommen nicht zusammen. Das wäre die eigentlichste Aufgabe der Banken. Wir können diese Banken so schnell nicht ändern oder wollen sie gar mit weiteren Steuergeschenken reparieren. Wie in der Medizin ein Herzinfarkt durch Beipässe vermieden wird, braucht die Volkswirtschaft einen „Finanzbeipass“.

Er könnte folgendermaßen aussehen: die kreditsuchenden Unternehmen bekommen Geld aus einem Fond, den die Anlagesuchenden mit ihrem Geld befüllen.

All dies liefe außerhalb der Bilanzen der Banken. Aus dem Fond werden den Anlegern ordentliche Zinsen gezahlt z.B. 4 %, während die Unternehmen schon glücklich wären, das Geld nur mit 7 % verzinsen zu müssen – und auch können. Die Zinsspanne von 3 % steht zur Verfügung für die Kreditabwicklung, die Banken als Dienstleister vornehmen können: nur eben nicht mit ihren risikoscheuen Computerprogrammen oder dem notorischen Sicherheitengeben.

Einen Kreditausfall wird es hin und wieder sicherlich geben, der aber in der Gesamtheit des Fonds die Verzinsung für den Anleger nur minimal drückt. Zudem sind die Liquiditätsnachfragen kurzfristig, wodurch das Risiko doch überschaubarer ist. Die Fonds wären so sehr schnell gefüllt und durch die Kurzfristigkeit des Engagements beim Anleger im Inflationsrisiko auch ihrerseits gering.

Wie sagt ein Sprichwort: „Das Geld liegt auf der Straße, man muss es nur aufheben“.



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Rating-Agenturen müssen haften

Die weltweiten Schäden in Billionenhöhe aus „Schrottpapieren“ werden noch ein weiteres juristisches Nachspiel haben. Fast alle hatten nämlich ein Testat weltweit anerkannter Rating-Agenturen, das die Käufer wesentlich zur Risikobeurteilung dieser Papiere heranzogen. Papiere mit AAA (Triple A) bewogen z. B. die Bayerische Landesbank, selbst keine weitergehenden Recherchen über die Kreditwürdigkeit der Schuldner anzustellen. Nach dem Wesen des Testats sollten sie es auch gar nicht. Die Rating-Agenturen haben sich zum Finanz-TÜV aufgeschwungen – und dafür auch ordentlich verdient. Warum bis heute noch kein Haftungsprozess gegen eine Rating-Agentur angestellt wurde oder zumindest bekannt ist, erscheint schlichtweg unverständlich. Er könnte auch nach europäischem Recht geführt werden. 

(ted; 16. März 2009)



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Wiederaufbau von Gaza – ohne Israel?

16.3.09 (ted). Die Geberkonferenz zum Wiederaufbau Gazas nach dem Einfall der israelischen Truppen beschloss große Beträge (u. a. Saudi Arabien 1 Mrd. $) zur Finanzierung. Doch vom Verursacher Israel war nichts zu vernehmen. Als zivilisierter Staat muss Israel aber für sein Tun Verantwortung übernehmen. Warum soll der Westen zahlen für die Schäden, die Israel vorsätzlich hervorgerufen hat. Natürlich kann sich Israel auf die Stufe der Vergeltung stellen oder gar der Bedrohungsabwehr. Aber wenn Israel meint, dazu wäre die Zerstörung von Hunderten von Häusern nötig, so ist dies die persönliche Entscheidung des Militärs, gedeckt von der Politik. Oder fragt Israel vorher die USA um Erlaubnis? (Werdet Ihr die Häuser wieder aufbauen?). Vermutlich nicht. Durch den Wiederaufbau nimmt der Westen Druck von Israel aus sozialen Spannungen im Gaza-Streifen. Andererseits werden die Israelis immer wieder einfallen und zerstören, wenn sie es nicht selbst bezahlen müssen. Natürlich gehört humanitäre Hilfe, aber bitte nur mit Israel. Nur so kommt Frieden und Aussöhnung. Die militärische Vorherrschaft Israels ist so evident, und täglich spürbar, dass deshalb die Hamas-Angriffe nicht ablassen. Auch die Aufrüstung Israels haben die USA und ihre Verbündeten getragen. Es war zu viel des Guten. Alle wollen Frieden und wir wollen die gegenseitige Anerkennung der Staaten. Dann hätte Israel aber auch kein Recht mehr, im Gaza-Streifen einzufallen und die Palästinenser können bei einem Eindringen internationalen Beistand fordern. Wäre es so nicht denkbar, allen Staaten dieser Region alle Waffen zu nehmen und mit einer Polizei-Kontrolle dies auch weiterhin zu unterbinden bzw. den Frieden zu garantieren? Wenn die Häuser im Gaza-Streifen von den Israelis wieder aufgebaut werden müssten, dann wäre dies auch der richtige Schritt zum Frieden. Krieg darf sich nicht mehr lohnen. Die Perversität der Zerstörung des eigenen Eigentums im Kriegsfall könnte zum Frieden führen. 



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Kommentar: Insel der Fleißigen

16. 3. 09, Pfaffenhofen (ted). Am 18. November brachte unter diesem Titel die „Zeit“ einen halbseitigen Artikel über den Landkreis Pfaffenhofen. Untertitel: „Wie lebt es sich in einem Landkreis ohne Arbeitslose? Im bayerischen Pfaffenhofen macht selbst die Weltfinanzkrise kaum jemandem Angst.“ Das stimmt. Und wie es sich lebt, beschreibt der Autor A. Paul so: „Die Menschen in Pfaffenhofen mögen Jobs haben – reich sind sie nicht. In den Straßen parken mehr Opel und VW als Mercedes und BMW (Anm.: Audi´s fehlen), die Wohnhäuser wirken bescheiden, Bier und Schweinsbraten gibt es in den örtlichen Wirtschaften für wenig Geld, teure Luxusgeschäfte sucht der Gast vergebens…“ In der Tat hält unser Landkreis hinter Eichstätt (1,4 % !!) zurzeit wieder den Spitzenplatz in Deutschland bei der Arbeitslosigkeit (1,8 %). Hier kümmert sich der Landrat um jeden Arbeitslosen als Einzelfall, allen voran die Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz. So fällt auch die Sozialehrlichkeit leicht – anderorts kommen höhere Arbeitslosenziffern, weil unter dem Deckmantel der Krise es weniger auffällt, dass sich in Deutschland doch einige vor der Arbeit drücken und lieber von der Allgemeinheit leben. 

Auch die Gemütslage deckt sich mit unseren Umfragen. „So schlimm wird es wohl doch nicht kommen“ – auch wenn sich andere im Elend so richtig weiden. Zu viele Vorhersagen trafen in der Vergangenheit nicht ein wie z.B. das Abstürzen der Computer zum Millennium. Und in München geht es in den Geschäften zu, dass alle Wirtschaftspsychologiemodelle Lügen gestraft werden. Aber der Wirtschaft und dem Selbstbewusstsein der Bayern tut dies gut. 

Und warum so viele Opel in den Straßen stehen, weiß in Wolnzach auch jeder.



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Kommentar - Zur Wirtschaftskrise I: Die Ursachen der Depression

 

12. 12. 08, Pfaffenhofen (ted). Noch nie traf eine Rezession Deutschland so abrupt. Viele Betriebe suchten gerade noch händeringend nach Fachkräften. Innerhalb von weniger als einem halben Jahr kehrt sich nun der ganze Arbeitsmarkt um. Noch schlimmer: Die Arbeitslosenzahlen werden wieder kräftig steigen. Wie ein Tsunami bricht die Weltdepression auf uns herein. Als Exportweltmeister ist dies nur zu logisch. Auch die Nummer 2, China, steht vor gewaltigen Einschnitten in das so starke Wachstum. 

Das Epizentrum dieses „Öko-Tsunamis“ liegt in den USA. Banken gaben Kredite an Niedrigverdiener ohne genügende Absicherung, u.a. zum Kauf von Immobilien. Eine Immobilienpreisblase entstand. Jährlich stiegen die Häuserpreise um 10 %. Diese Immobilienblase ist seit einem Jahr geplatzt: Die Häuser haben stark an Wert verloren. Die Kreditnehmer können aber auch die Amortisationen nicht leisten, weil es der US-Wirtschaft auch ohne Finanzkrise schlecht geht. So wurden die Kredite notleidend. Es sollen 3 Billionen Euro sein, die deshalb in den Bilanzen abzuschreiben sind. In der Realität können diese Kredite durchaus noch Teilamortisationen bringen. 

Wegen der ungeheuren Schuldenkrise wird aber die Energiekosten-Krise übersehen. Die Verdreifachung des Erdölpreises und daran gekoppelt alle Energiekosten hat eine Rezession eingeleitet. Auch die Automobilkrise ist darauf zurück zu führen. Wenn das Geld für Heizöl und den Treibstoff nicht mehr reicht, dann ist auch keines vorhanden für den Autokauf. Dann besteht auch Angst, sich zu verschulden. Viele Branchen in Deutschland spüren diese Verlagerung der Konsumausgaben. Angefangen bei Babynahrung bis hin zu den Fachgeschäften für Bekleidung etc. 

Hinzu kommt eine Strukturkrise v.a. in der Automobilkrise. Die Hersteller machten einfach so weiter wie gewohnt. Natürlich geringerer Verbrauch, geringerer CO2-Ausstoß – aber hier wird zu kurz gesprungen. Nur echte Innovationen werden die Autobauer vor dem Würgegriff der Erdölverknappung retten. Eine weitere Strukturkrise liegt in der ungeheuren Geldmasse, die sehr kurzfristig spekulativ eingesetzt werden kann und realen Verhältnissen völlig entgegen laufen kann. Es herrscht so viel kurzfristiger Anlagebedarf, dass über Gerüchte u.ä. ständig „Finanztsunamis“ ausgelöst werden können. 

Zusätzlich besteht eine große Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Konsum der US-Amerikaner. Sie konsumieren mehr als sie verdienen. Die Welt finanziert dies über die Akzeptanz des Dollars als Anlagewährung/Reservewährung. Wenn aber dieser Konsum zurückgeht, bricht in China die Produktion ein und wir können keine Maschinen mehr nach China verkaufen. Warum dominiert der US-Konsum uns so stark? Es zählt die EU doch viel mehr Einwohner und auch ihr Konsum ist qualitativ auf dem Niveau der US-Bürger. Eine Konsumoffensive in Europa könne also massiv gegensteuern, wenn der US-Konsum zurückgeht. In der EU ist die Staatsquote zu hoch. Rund die Hälfte der Einkommen geht in Steuern und Sozialversicherung. Hinzu kommt eine Sparneigung aus Tradition. Der private Konsum führt ein Kümmerdasein. 

Die US-Finanzkrise verstärkte sich auch durch die systematische Abschaffung von Regulativen und Schutzmechanismen, die aus den Einsichten der Depression der endzwanziger Jahre kam. Alle blickten nur nach oben, setzten auf weiteres Wachstum, das ihnen aber die Ölkrise verhagelte. Auch das Umpacken von Kreditbündeln in immer neue „Produkte“, die die Käufer – auch Banken – nicht mehr verstanden und in ihrem Risiko nicht mehr abschätzten. So zerbrach sehr schnell die heile Welt, als in den USA die Kredite in Not gingen. 

Ähnlich den Banken entwickelten sich auch viele Finanzierungen von Unternehmungen als riskant. So wurden langfristige Verpflichtungen mit kurzfristigen Krediten gedeckt, gerade weil sie so billig waren. Hedgefonds schossen aus dem Boden. Auch sie nahmen viel Fremdkapital auf, um die Renditen des Eigenkapitals nach oben zu schrauben (Leverage Effekt). Oder die übernommenen Firmen wurden ausgehöhlt durch Hereinnahme von Fremdkapital. „Private Equity“ hieß der neue Trick, aus 1 eine 2 zu machen. Ein Börsenboom verstärkte dies. Im großen Stil wurden Unternehmen umgebaut, ohne ihre realen Stärken zu mehren. Auch der „Shareholder-Value“-Ansatz erweist sich nun als Fehler. Alle stillen Reserven der Unternehmen wurden aufgelöst. Nun sind sie umso anfälliger. Gigantische Übernahmen (z.B. Anheuser-Busch durch Inbev) blieben ohne reale Vorteile. 

Nun treffen die drei Krisen zusammen und verstärken sich. Das Vertrauen unter den Banken ist zerstört. Die Regierungen geben zwar Schutzschilde, doch nur zu relativen Wucherpreisen. Das schreckt die Banken wieder ab. So wird das ganze Finanzsystem gestört. Firmen gehen in Insolvenz, weil sie ihre Kredite nicht verlängert bekommen. So wird die reale Größe noch viel größer. Es kommt Misstrauen gegenüber Kreditnehmern. Wird die Firma die Krise überleben? Über die reale Krise geht es ihnen natürlich schlechter. So werden sie zu Opfern. Eigentlich alle Firmen mit Fremdkapital, das neu zu bedienen ist. 

So sind erste Blüten dieses Misstrauens deutlich sichtbar. Die Daimler AG legt Schuldverschreibungen zu 9 % auf, also eine ideale Rendite, doch Insider raten vom Kauf ab. Wird die Daimler AG nicht überleben? Natürlich spielt die Branchenhaftung wie an der Börse herein. Autobauer sind in diesen Kreisen nun „out“. Die Strukturkrise schlägt voll durch. Das trifft alle Lieferanten. Wir wissen: Wenn Audi bei uns eine Erkältung hat, dann wirft es Ingolstadt und die ganze Region in eine starke Grippe. 

Mit GM/Chrysler/Ford in den USA ist es genauso. Die Vertrauens-Struktur-Krise zerfrisst gerade die US-Wirtschaft. Das heißt Depression. Auch wenn der Ölpreis sich wieder gedrittelt hat, bleibt er als Ölschock zurück. Erst mit dem Siegeszug des Elektroautos und einem völlig neuen Typ von Fahrzeug (Leichtigkeit etc.) wird er überwunden und sich ein neuer Höhenflug einstellen. 

Den rapiden Verfall der Weltwirtschaft konnten wir im Sommer sehen am Absatzeinbruch der Lkw-Sparte (z.B. MAN). Keiner investiert mehr so wie früher. Genauso erwischte es die Druckmaschinenhersteller (z.B. Heidelberger). Der Einbruch bei den Investitionsgütern ist aber nur die Folge des Einbruchs des Konsums und nur zum Teil ein Finanzierungsproblem aus der Finanzkrise. Die Weltkonjunktur zerlegte sich binnen eines Jahres. Das war so noch nie da. Aber wann kamen schon drei Krisen zusammen?



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Kommentar - Zur Wirtschaftskrise II: Nur massives, schnelles Gegensteuer hilft

15. 12. 08, Pfaffenhofen (ted). Es muss aber auch den jeweiligen Kern des Problems treffen und die Folgen eliminieren. Durch den Zusammenbruch der Erdölspekulationsblase ist ein Faktor durch den Markt eliminiert: die Energiekostenkrise. Die Heizöl- und Spritpreise könnten auf das Niveau 2002 zurückkehren. Allerdings rentieren sich dann teurere Erdölförderungen nicht mehr, ebenso wenig Biosprit. Da die Strom- und Erdgaspreise sich an den Erdölnotierungen orientieren, wird es nun spannend, ob dies auch bei der Talfahrt der Preise eintritt. Substitutionen in der Technik z.B. Kraftwerke, Heizungsanlagen brauchen ihre Zeit, weshalb mit einem verzögerten Anpassungsprozess zu rechnen ist. Die Monopolkontrolle ist angesagt. Auch in der Stromerzeugung werden alternative Energien wieder unwirtschaftlich. Hier muss der Stadt subventionieren, weil mittelfristig sie wieder nötig sind.

Die Marktentspannung bei fossilen Energieträgern darf aber nicht fehl gedeutet werden. Sowohl vom Umweltschutz wie von der Ökonomie der zu Ende gehenden Vorräte müssen alternative Energien die fossilen Brennstoffe ersetzen. Also müssen auch ganz andere Autos in Zukunft das Bedürfnis nach Mobilität abdecken. Die Strukturkrise muss durch Forschung und Entwicklung behoben werden. Dazu ist wiederum sehr viel Geld nötig, das die Automobilindustrie nicht mehr hat bzw. selbst Porsche bald auch nicht mehr stemmen kann. Zusätzlich müssen Solarheizungen und Wärmedämmung flächendeckend eingeführt werden. Dieser Veränderungsbedarf birgt ein gigantisches Konjunkturprogramm in sich. Vielleicht hat dies Barack Obama auch so im Visier. Kurzfristig ist freilich nur ein Zusammenflicken von GM, Chrysler und Ford möglich. Ein Konkurs dieser drei Giganten bedeutete einen weiteren Tsunami für die Weltwirtschaft. Die Restrukturierung muss freilich massivst erfolgen und wird mindestens 33 Prozent der US-Jobs in dieser Branche kosten. Verschlankung und Verkleinerung bei Firmen wie Modellen sind eine Zwischenlösung, bis die gänzlich neuen Autos kommen werden. Die Finanzierung des Umbau wird der Staat zu tragen haben ebenso die Belastung durch Millionen von Entlassenen. Andererseits ist es besser, dies kontrolliert vorzunehmen, als es dem freien Markt zu überlassen.

Die Entlassenen könnten mit staatlicher Hilfe dort anpacken, wo Europa in der Umwelt- und Energiepolitik bereits angekommen ist. Häuser müssen gedämmt, Solarenergie installiert werden. Motoren sollen weniger Strom bei gleicher Leistung benötigen etc. Auch der Dienstleistungssektor wird weiter wachsen. Strukturkrisen bedürfen Innovationen zur Lösung. Politiker täten gut daran, Zukunftswerkstätten zu fördern, damit Visionen für das Leben in den nächsten 50 Jahren auf neue Bahnen gebracht werden. Aber auch der Wettbewerb ist hier sehr wichtig. Das kann keine Planwirtschaft bewerkstelligen. Wir brauchen Millionen von kleinen Lösungen, Erfindungen, Verbesserungen. Das geht nur mit Millionen von motivierten Menschen. Ökonomie und Ökologie sind plötzlich keine Gegensätze mehr. Auch der Wettbewerb zwischen den Nationen ist positiv.

Die Welt hat nur die Wahl zwischen der Apokalypse aus dem Kampf um das zu Ende gehende Erdöl oder Innovationen, die Sonnenenergie so umsetzen, dass sie für alle Produktionen, Klimatisierungen und Verkehrsbewegungen reicht. Auch Weltarmut und Hungersnot wären endlich zu lösen.

Bei der herrschenden Finanzkrise ist es am allerwichtigsten, Vertrauen wieder herzustellen. Das geht nur mit staatlichen Garantien. Es kann nicht sein, dass hier gewartet und um Konditionen gepokert wird. Finanzen sind wie das Blut im Körper. Sie müssen ständig fließen. Dabei zählt in diesem Kreislauf nur die Funktion, nicht die Gerechtigkeit. Natürlich wurden große Schäden angerichtet. Aber die Schuldigen werden sowieso nicht herangezogen, sondern nur ihre haftenden Firmen. Nun brauchen Banken die gleiche Einlagegarantie wie Sparer. Alle faulen Kredite sind aufzudecken. Soweit sie in den Bilanzen nicht mehr abgeschrieben werden können, muss sie der Staat kaufen. Abschläge hierbei sind natürlich, aber es kann auch nicht sein, dass der Staat die Notlage der Banken zu sehr ausnützt.

Das Fordern von niedrigen Managergehältern ist nur Wasser auf die Mühlen der Neidgesellschaft. Es geht um die Rettung des Weltwährungs- und Wirtschaftssystems. Da werden Billionen einzusetzen sein. Die Managergehälter sollen die Firmen in sich regeln. Wichtig ist aber eine generelle Strukturreform. Die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise von 1928 sind im amerikanischen Bankensystem erneut aufgetaucht, weil wichtige Instrumente zur Wiederholungsvermeidung abgeschafft wurden – auf Druck der Banken und ihres Geschäfts. So bestand eine klare Trennung zwischen den Banktypen. Sie ist wieder herzustellen. Das ganze gleicht Schotts in einem Schiffsbauch. Bei einem Leck würde nur eines volllaufen, aber nicht das Schiff sinken. Das US-Finanzsystem hatte eine Schott-Struktur bis 1995. Nun nicht mehr – und das Schiff sinkt.

Eine weitere Einschottung muss die Spekulation erfahren. Die Weltwirtschaft darf nicht zum Spielcasino verkommen. Müssen denn „Leerverkäufe“ sein? Dürfen Spekulationen kreditfinanziert sein? Könnten nicht Hinterlegungen Sicherheit für alle Seiten bedeuten? Shareholder-Value-Theorie und der Leverage Effekt (Steigerung der Eigenkapitalrendite durch Senkung der Eigenkapitalquote) sind keine Instrumente des Risiko-Handlings. Es war ein großer Fehler, Lehmann Brothers Konkurs gehen zu lassen. Wer das Finanzsystem bestrafen wollte, hätte anders handeln können. Nun wird es für die US-Regierung viel teurer. Es wird die US-Regierung weiter die Immobiliendarlehen aufkaufen müssen, auch um den kleinen Mann zu schützen und die Immobilienpreise damit zu stabilisieren.

Ruhe an den Finanzmärkten herrscht, sobald alle faulen Kredite aufgedeckt und geregelt sind. Die noch ausstehende Billion Euro an Wertberichtigung muss schnell erfolgen bzw. der US-Staat wird diese Kredite den Banken abkaufen. Womöglich muss er seinen Bürgern dann diese Schulden zu einem gewissen Prozentsatz erlassen. Viele Darlehen sind aber niedrigprozentig bedienbar, so dass es eigentlich keinen Verlierer geben muss. Barack Obama kommt genau richtig – oder besser gerade noch rechtzeitig. Die Lehren sind gezogen, aber nun muss mit aller Finanzkraft des Staates das Umfallen der Dominosteine verhindert werden. Um so eher , um so weniger fallen um. Wer diese Lehre aus 1928 gezogen hat, sollte jetzt die Führung übernehmen. Nein, Obama wird nicht so schnell vom Establishment erschossen. Er schafft Vertrauen und kann neu anfangen. Bush hat auch in der Wirtschaftspolitik versagt.

Wir können davon ausgehen, dass dann auch ein Pierre Steinbrück bekehrbar wird. Nicht der ausgeglichene Haushalt ist unser vorderstes Problem, sondern Rettung des Wirtschaftsystems, der Grundlagen aller Steuern. Gut ist sicher, den unteren Einkommensklassen Steuern etc. zu erlassen, damit sie Konsum ausüben, den sie für ihr tägliches Leben brauchen. Die Krake Staat hat in den letzten Jahren alles an sich gerissen: Erhöhung der Mehrwertsteuer, Absetzung der Eigenheimzulage, der degressiven Abschreibungen, der geringwertigen Wirtschaftsgüter. Und trotzdem schaffte Steinbrück keinen ausgeglichenen Haushalt. In der höchsten Konjunktur. Die Misswirtschaft liegt in Berlin. Hier wird genauso viel verzockt, wie bei den Finanzhasardeuren. Eine Strukturreform tut auch hier höchste Not.



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Reichtum aus dem Boden

Nach Jahren des immer einfältigeren Anbetens des Share-Holder-Values und des Aktienkurses, dem ständigen Aufkaufen, Auflösen/Zerschlagen von Unternehmen, der Überversorgung mit Kapital (Investorengruppen/neue Milliardäre), der Globalisierung der Märkte inklusive Arbeitsbedingungen, kehrt der echte Markt in die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse zurück. Missernten in der Landwirtschaft aus angehenden Klimakatastrophen, neue Nachfragen aus China - der Beschaffungsmarkt nach Jahren der Überproduktion und des Preisverfalls drängt sich völlig überraschend in den Vordergrund. Produzieren lohnt sich wieder: Stahl, Getreide, Holz, Hopfen, Milch, aber auch Komponenten, die viele nicht einmal namentlich kennen. 

Vor lauter Rentenmodellen und zugegeben schwerfälligem Erkennen der Überalterung des derzeit (noch) führenden Weltwirtschaftsnationen wurde die Verdoppelung der Weltbevölkerung innerhalb eines Menschenlebens übersehen. China offenbart, was latent hinter Brasilien, Russland, Indien, selbst Afrika steckt. Die dritte Welt drängt in den Konsum westlicher Qualität. So werden sich Erdölreserven in den Jahren ihres Bemessens halbieren oder gar dritteln, ebenso andere Rohstoffe, die Anbauflächen für Lebensmittel sich kaum steigern. Auch Trinkwasser kommt vor allem aus dem Boden. Fruchtbares Land wird bald biblische Schönheit zurückgewinnen. 

Die G7-Regierungschefs werden via reaktiver Presse bald diese Probleme zu den nun erkannten Anti-Klimaveränderungszielen hinzufügen. Schon in den 60er Jahren mahnte der Club of Rome, wurde aber wieder verdrängt als seine kurzfristigen Prognosen nicht eintrafen. Es gab Überproduktion in den letzten 50 Jahren und keine Verknappung. Doch was sind schon 50 Jahre in Anbetracht des nächsten Jahrtausends? So dumm waren die Wissenschaftler des Club of Rome nicht. Sie wollten eine Klimaveränderung in der Wirtschaft ausdrücken, doch die G7-Nationen werteten sie als Wettervorhersage - die nicht eintrat. Und so sorglos verhalten sie sich heute noch. 

Natürlich birgt der Faktor Wissensentwicklung und neue Technologien einen hoffnungsvoll großen Einfluss. Doch kann er die Verwerfungen durch Klimawechsel selbst bei stagnierender Weltbevölkerung ausgleichen? Wir müssen noch viel mehr darauf achten, dass das Ökosystem Erde nicht zusammenbricht. Die Wälder sind in Gefahr, verheizt zu werden. Regenerative Energien brauchen immense Flächen guten Bodens. 10 Prozent der Weltbevölkerung hungern heute (noch immer!). Mit steigenden Preisen für Nahrungsmittel werden sie verhungern. Das Beispiel Nordkorea ist doch symptomatisch für viele Entwicklungsländer: die Regierungen rüsten auf, die Bevölkerung wird immer ärmer. 

Die USA wären auch besser beraten, die Milliardenaufwendungen des Irak-Kriegs in Entwicklungen zu stecken, die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von der Ölerzeugung zum mindern. 

Hat noch niemand errechnet, wie viel Fläche an Photovoltaik und regenerativen Energieanbau auf der Welt nötig sind, um Öl und Atomkraft zu ersetzen? Selbst bei verbessertem Nutzungsgrad. Da ein Fachmann dies in einem Tag errechnet, liegt es vermutlich an der Furcht, als Überbringer einer schlechten Nachricht geköpft zu werden, warum diese Quantitäten nicht publik sind. 

Die Meldungen über Rohstoffverknappungen werden schneller über uns hereinbrechen als uns lieb ist. Ich möchte ketzerisch eine These in den Raum stellen: würden wir heute alle Weltrüstungsaufwendungen in die Forschung und Entwicklung eines neuen Energie- und Umweltkonzepts, d.h. ohne Erdöl und Uran stecken, kämen wir ganz knapp an der anstehenden Katastrophe vorbei, deren Begleiterscheinungen Weltkriege, Totalitarismus, Menschenverachtung und Zerstörung fruchtbaren Landes sein werden. Wir brauchen heute ein internationales, unabhängiges Team bester Wissenschaftler zur Ermittlung der Überlebensfähigkeit der Menschheit, des Öko-Systems Erde mit klaren Eckwerten der Ziele. Wir haben die Historiker, die den Faktor Mensch und Staat in diese naturwissenschaftlich geprägten Berechnungen mit einbeziehen können. Anzusiedeln wäre diese Weltforschung bei der UN. Sie sollte sich auf die Universitäten weltweit vernetzt stützen. Die EU kann sich mit Förderungen hinzugesellen. Der gigantische Etat der EU für die Landwirtschaft gehört sowieso der Vergangenheit an, denn die Landwirtschaft wird weltweit zum Mangelgut. Es genügt eine sinnvolle Ausrichtung des Anbaus auf den Bedarf. 

Wir müssen die Energieversorgung der Welt schnellstmöglich auf neue Träger umstellen. Nur mit Energie lässt sich produzieren. Es bereitet große Sorgen zu sehen, wie schwerfällig die Entwicklung neuer Energieträger wie z.B. der Fusionsreaktor oder die Brennstoffzelle vorankommt. Auch ist ungeklärt, woher die Brennstoffzelle ihre originäre Energie erhalten soll. Die Zukunft wird sehr spannend sein, ja stressig - denn all diese Veränderungen werden die meisten von uns noch miterleben - ob positiv oder negativ.

Eduard Kastner



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Modell: Mit 55 beginnt das 2. Berufsleben

Die Diskussion um die Rente mit 67 oder gar 69 wird ohne Fortune geführt. Einerseits reden Statistiker und Ärzte vom hervorragenden Gesundheitszustand der 60- bis 70-Jährigen, andererseits schicken die meisten Großunternehmen und öffentlichen Einrichtungen die Mitarbeiter zum 60. Geburtstag nach Hause. Nach der Vogel-Strauß-Politik laufen einzelwirtschaftliche Interessen und volkswirtschaftliche Vernunft auseinander.

Im Unternehmen sind jüngere Leute günstiger: weniger Krankheitstage, bessere, da aktuellere Ausbildung, kein Pochen auf Besitzhöfe, noch offene Karriere-Motivation. Da werden die 50-Jährigen zum „Kostenfaktor“, ja schon mal hinausgemobbt. In den Unternehmen herrscht immer noch der Jugendwahn. Bei Behörden machen Pensionsanwärter hochdotierte Planstellen frei, wodurch der „Beförderungsstau“ gemildert wird. Lediglich im Verkauf und der Geschäftsführung werden Lebenserfahrung und Netzwerke der älteren Mitarbeiter geschätzt. Auch die eine oder andere Forschungs- und Entwicklungsabteilung will das gesammelte Wissen der über 60-jährigen nicht ziehen lassen. Insgesamt ist das bisherige System schon jetzt zu teuer, ja unbezahlbar. 

So kommen wir also nicht weiter. Deshalb sei an dieser Stelle von einer Zäsur mit 55 gesprochen. Wir fordern alle lebenslanges Lernen. Mit 55 sollte ein 2. Berufsleben eingeläutet werden. Dazu gehört eine Nachschulung, evtl. eine Neuorientierung. Danach werden alle Arbeitsverhältnisse neu bestimmt. Auch mit neuen Gehältern, leistungsgerecht, angemessen. Das schließt nicht aus, dass viele wieder an ihrer bisherigen Arbeitsstelle eintreten aber eben günstiger für den Arbeitgeber. Damit wird ein unmenschliches Mobbing verhindert. Die 55 + müssen sich auch anstrengen. Eine volle Rente gibt es erst mit 70. Wer nicht mehr unterkommt, erhält eine Notrente. Damit wird aber auch unterstützt, dass schon ab 40 eine private Arbeitsvorsorge betrieben wird. 

Berufe mit hoher mechanischer Abnützung stellen sich ab 55 auf körperschonende um: Umschulung auf Security, Wartung, Verwaltung u. a. Das kann in Großunternehmen sogar bewusst organisiert werden. Das neue Aufgabenfeld schützt vor Burn-Out u. a. Auch an eine Teilzeitbeschäftigung kann gedacht werden, um Freizeitinteressen nachzugehen. Es ist doch unsinnig, wenn Rentner wieder zu studieren beginnen. Die Volkswirtschaft braucht die Einbringung dieses staatlich gesponserten Know Hows in die Produktion.

Den Gewerkschaften wird dieser Vorschlag wenig schmecken. Müssen sie doch eine hohe Altersarbeitslosigkeit befürchten. Volkswirtschaftlich aber änderte sich selbst im schlimmsten Fall wenig zur bisherigen Praxis der Verrentung vor 60. Die Rententöpfe würden gewaltig entlastet, auch wenn die Arbeitslosigkeitsmittel aufgestockt werden müssten. Psychologisch ist die Neuregelung nur gut: wie eine zweite Ehe verjüngt sie. Auch sollte mit einem Vorurteil aufgeräumt werden, dass Frauen früher von der Arbeit geschont werden sollen als Männer, also früher in die Rente gehen sollen. Sie leben sogar nachweislich um Jahre länger als Männer.


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HRE & Co: die Aktivseite bestimmt das Ende der Krise

28.2.09 (ted). Für viele Unternehmen bildete die Passivseite bislang das Debakel, weswegen nach Unterstützung durch den Staat gerufen wurde. So finanzierte die Hypo Real Estate (HRE) bekanntlich langfristige Kreditvergaben über kurzfristige Mittel. Der Staat half, indem eine langfristige Gegenfinanzierung von ihm kam. Doch den in diesen Geschäften relativ unerfahrenen Politikern sollte die HRE auch einmal ihre Aktivseite darlegen. Dann könnte der Schock noch größer ausfallen: ob den Darlehen noch werthaltige Immobilien gegenüber stehen. 

Blicken wir zurück: um die Immobilien der Hypovereinsbank lag es nicht zum Besten. Erste Wertberichtigungen bescherten dem Unternehmen Milliardenverluste – seinerzeit ein Einzelfall (wenngleich auch die anderen Banken Schrottimmobilien hielten mit ähnlich hohem Wertberichtigungsbedarf). Doch das Fass hatte keinen Boden, weshalb die Hypo Real Estate aus dem Unternehmen ausgegliedert wurde. Über den Verkauf an der Börse kam die Hypovereinsbank aus dem Schneider: sie hatte die „Bad Bank“ HRE den neuen Aktionären angedreht. Mit den üblichen Finanzstricks hielt sich die HRE über Wasser, wurde offiziell als erfolgreich eingestuft. Aber irgendwann musste die Stunde der Wahrheit schlagen. Wenn der Staat jetzt mit vollem Willen als Hauptaktionator eintritt, dann erlebt er mit Sicherheit die zweite Pleite: einen Wertberichtigungsbedarf in unvorstellbarer Höhe. Noch geht Steinbrück davon aus, dass er HRE nur aus einer Kreditklemme helfen musste. Nun wird es für den Steuerzahler wirklich teuer. 

Entsprechend gibt es erst eine Wende in der Finanzpolitik, wenn die Banken die Aktivseiten ihrer Bilanzen wieder ins Lot von Wert und Gegenwert gebracht haben. Dazu führt bei den sehr hohen Abschreibungen bzw. Verlusten der Weg vermutlich nur über den zuschießenden Steuerzahler bzw. dem Staat als Mehrheitsanteileigner. Andererseits können wir für die Weltkrise nur hoffen, dass dies noch im 2. Quartal 2009 erfolgt. Dann kollabieren zwar die Aktienkurse erst so richtig, aber danach geht es nur noch aufwärts. Und die Weltwirtschaft könnte sich relativ schnell von diesem Ausfall des Finanzsystems erholen. Wenn nur nicht die Ölpreise wieder explodieren! 



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Die Raucherverfolgung hat begonnen

23.6.2009 (ted) Flughäfen praktizieren heute schon, wie es Rauchern bald in öffentlichen Gebäuden und den Transportmittel ergehen wird: zusammengepfercht in wenigen Gattern auf weitem Feld darf nur dort der Raucher seiner Sucht nachgehen. Nebenher sind auch noch Trinken und Essen verboten. Stehen ist selbstverständlich. „Entwürdigend“ kommentieren die Raucher dies, aber dagegen aktiv vorgehen wird keiner von ihnen. Darauf setzen die Gatter-Gestalter. 

Ihr Rechtfertigungsbasis erhalten sie aus den Büros der EU, aber auch den Drogenbeauftragten der Länder. Der Raucher kostet den Gesundheitsetats zu viel. Seine Ausrottung ist deshalb geboten. Sicherlich ist Rauchen gesundheitsschädlich. Aber wie vieles ist dies nicht? Es fing die Hetze an mit dem Aufdruck „Rauchen kann tödlich sein“ auf jeder Zigarettenpackung. Die Industrie wehrte sich anfänglich. Als sie aber erkannte, dass dieser Hinweis dem Absatz nicht schadet, wurde er gar noch größer angebracht. Rauchen ist jahrelang als Symbol der Freiheit verkauft worden. Da gehört das Risiko dazu.

Die Gatter aber sind genau das Gegenteil. Sie zeigen die Einschränkung der Freiheit. Der Mensch wird zusammengepfercht wie ein Stück Vieh. Ironisch meinen die Betreiber, dass sich die Raucher ja freiwillig zusammenpferchen. Das erinnert an Kafkas Geschichte von der Maus. Mit Demokratie und Grundgesetz hat dies reichlich wenig zu tun.

Während die Bayerische Staatsregierung auf ihr radikales Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden zunächst noch recht stolz war – mehr getrieben aus dem Landtag als je zuvor – sprachen die Wahlen letzten September doch eine deutliche Sprache. Und Raucher werden auch weiterhin die FDP wählen. So hat die CSU ihren Unmut erregt: es wurde einfach von oben diktiert.

Mit den Flughafen-Gatter ist dies viel schwieriger: sie waren plötzlich da und es gibt keinen offiziell Verantwortlichen. Noch dazu besteht das Phänomen international. Eben abstrakte Staatsschikane und die Flughäfen gehören nur indirekt dem Staat. Da ist ein Seehofer doch weit weg. Ein Volksaufstand steht auf diesem Bereich nicht an, weil nicht jeder Raucher fliegt und es bei fliegenden Rauchern auch an Häufigkeit fehlt. Bis zur Wahlkabine ist der Unmut schon verflogen oder gar vergessen.

Aber es besteht ein bedenkliches Menschenbild hinter der Maßnahme. Als „totalitär“ kann es bezeichnet werden. Von den immer zitierten Feinden der Raucher, den Nicht-Rauchern, kommt dies nicht. Sie wollen nur ihre reine Luft, aber nicht den Raucher entwürdigen. Es ist vielmehr Staatsmaschinerie, die uns hier einholt – das System ohne Täter. Man muss nicht Raucher sein, um gegen so ein Vorgehen zu protestieren.



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Die Forderung nach einer neuen Drogentherapie

Bei Suchtkranken verändert sich auch die Psyche. Es ist nicht nur der Suchtdruck, der sie beherrscht, es kommt auch noch die Uneinsichtigkeit, ja Starre der Haltung hinzu, eine Therapie abzulehnen. Der Informationsaustausch unter Süchtigen, insbesonders bei Junkies ist sehr stark. Jede Therapieeinrichtung wird schnell schlecht geredet. Die Therapie wird in der Regel nur angetreten, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen.

Die Therapieeinrichtungen fordern wochenlanges tägliches Anrufen des Therapiesuchenden. Wenn in die Therapie Drogen geschmuggelt werden, fliegt der/die Betreffende aus der Therapie. So wissen die Junkies, wie sie es anstellen, schnell wieder aus der Therapie zu kommen. Der Personenkreis, der sich vielleicht wirklich von den Drogen abwenden will, lebt in der Therapie mit den Schein-Einsichtigen zusammen und wird schnell wieder unterminiert, fällt auch um. Daraus erklärt sich die Erfolgsquote von unter 3 Prozent bei allen deutschen Therapieeinrichtungen.

Nach dem Drogentod meines Sohnes, der sich immer einer Therapie verwehrte, fordere ich ein Umdenken in der Therapie. Wer süchtig ist, ist nicht nur Suizid gefährdet, er ist auch unzurechnungsfähig. Bei 1,5 Promille darf ein Autofahrer nicht mehr selbst entscheiden, ob er seine Fahrt fortsetzt. Bei einem Süchtigen wird hingegen volle Zurechnungsfähigkeit unterstellt. Er soll seine Therapie einleiten und selbst entscheiden, was er machen will. Hier muss der Staat seine Haltung ändern. Schwer Süchtige sollten automatisch die Selbstbestimmung verlieren. Der Pfleger/Betreuer darf sie in die Therapie einweisen. Auch wenn dort die Regeln gebrochen werden, darf es keine Entlassung geben.

Doch auch die Art der Therapie muss sich wandeln. Junkies unter sich soll es nicht mehr geben. Vielleicht kann doch eine Einzeltherapie unter gesunden Mitmenschen erprobt werden, wo der Süchtige zur Normalität angehalten wird. Natürlich müssen die Therapeuten um ihn geschult sein. Hier käme aber eine Sternstunde christlicher Nächstenliebe: Herzlichkeit als Grundtenor in der Therapie, Persönlichkeit, der Aufbau einer menschlichen Bindung. Es dauert Jahre, bis die Sucht aus den Köpfen ist. So lange muss auch die Therapie dauern.

Wichtig ist auch noch die Lage der Süchtigen nach der stationären Entgiftung. Schließt sich die Therapie nicht unmittelbar an, erleiden die Patienten einen Rückfall mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Ein Junkie erlebt nach der Entgiftung tiefe Depression. Dagegen wird er mit seinem ihm sich psychisch aufdrängenden Mittel reagieren: der Droge. Entgiftung ohne Therapie ist sinnlos. Die Depression muss medizinisch behandelt werden und psychologisch. Bei einem Rückfall nach der Entgiftung steigt das Suizid-Risiko.

Ganz Schlaue behaupten, es könne niemand mit Zwang therapiert werden. Er ist aber auch nicht therapierbar/heilbar mit der Droge im Kopf. Solange aber sie im Kopf ist, hilft nur Zwang, und zwar so lange, bis der Kopf wirklich frei ist. Das geht nicht in 6 Monaten.

Zum Ableben von Morris Kastner ein >>> Nachruf in der WoWo 36/2007. Interessierten faxen wir den Arztbrief zu seiner Entlassung aus dem Bezirkskrankenhaus Regensburg, der in Morris Kastners Wohnung gefunden wurde. Anforderung unter kastner@kastner.de 

Eduard Kastner

 



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