Verletzungen und Behandlungsmöglichkeiten des oberen Sprunggelenks

Verletzungen und Behandlungsmöglichkeiten des oberen Sprunggelenks

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen, 09.11.2017 (kw).

Im Rahmen der Informationsveranstaltungen „Patientenschule“ hielt Dr. Dirk Lieber, Oberarzt der Unfallchirurgie an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen, am Dienstagabend einen Vortrag über das obere Sprunggelenk dessen Verletzungsmöglichkeiten und deren Behandlung. In der Ambulanz bzw. Notaufnahme betrifft ein Viertel aller Sportverletzungen das Sprunggelenk, das obere häufiger als das untere der Beiden, aber auch einfaches Umknicken kann dort schmerzhafte Schäden verursachen. Nicht immer rät er direkt zur Operation.


Sport führt nicht selten zu Verletzungen der Extremitäten, vor allem Gelenke und Bänder sind gefährdet, häufig durch Ballsportarten wie Fußball, Volleyball und Basketball, oder auch Laufsport und Leichtathletik birgt die Gefahr einer Verletzung, aber eben nicht nur dort, auch im Alltag ist man schnell mal gestolpert und umgeknickt und schon ist es passiert. Schmerzen, Schwellungen, Bluterguss oder eingeschränkte Belastung bzw. Funktion können die Folge einer Verletzung sein.


Gelenke stellen die Verbindung mindestens zweier Knochen dar, haben die Funktion der besseren Beweglichkeit und sind in der Regel gleich aufgebaut. Das Gelenk besteht aus Kapsel ist durchzogen und umgeben von Bändern, Muskeln und Nerven. Gelenke haben eine oder auch mehrere Achsen, je nach Lage und Funktion.

 

Das Sprunggelenk besteht wie schon erwähnt aus oberem und unterem Sprunggelenk. Die Knochen, die im oberen durch das Gelenk verbunden werden sind Schien-, Waden- und Sprungbein, das untere Gelenk, das nochmals eingeteilt ist in vorderes und hinteres unteres Sprunggelenk, besteht aus Sprung-, Fersen- und Kahnbein.
Der Bandapparat besteht aus der Membrana interossea (Bindegewebsschicht), vordere Syndesmose (auch Syndesmoseband), drei Aussenbändern und dem Innenband, dem sogenannten Deltaband. Die Bänder sind fächerförmig um das Gelenk angeordnet. 

 

Verletzungen durch Umknicken, die Ärzte nennen das Distorsion, können sein: Bänderdehnung, Bänderriss, Knochenbruch geschlossen oder auch offen. Knochenbrüche können einfach, mehrfach oder auch komplex vorliegen.

 

Erste Hilfe-Maßnahmen bei entsprechender Verletzung werden unter medizinischem Personal als PECH bezeichnet. PECH bezeichnet P wie Pause, E wie Eis, C wie Compression und H wie Hochlagern.
Nach einer Distorsion also Pause machen, nicht weiterarbeiten oder laufen, kühlen, stabilisieren durch verbinden und hochlagern um eine Schwellung zu verhindern oder zu mindern.


In der Ambulanz wird der Arzt erst einmal eine Untersuchung auf Schmerz, Schwellung und Stabilität vornehmen. Abtasten, nach Fehlstellung sehen und überprüfen von Muskel- und Nervenfunktion sind zur Eingrenzung nötig, erklärt Dr. Lieber. „Erfahrungsgemäß sind Bänderdehnungen und Bänderrisse sehr schmerzhaft und es bildet sich sehr schnell ein Erguss bzw. eine Schwellung. Hingegen schwillt bei Bruch der Fuß eher langsam an, Blutergüsse werden unter Umständen auch Tage später erst sichtbar.“ berichtet der Arzt.


 

Weiter hat der Arzt die Möglichkeit über Röntgenaufnahmen und Computertomographie die Verletzung noch genauer einzugrenzen.
Therapiert wird ein Bänderriss konservativ, meist ohne OP (Sportler bilden hier die Ausnahme), mit Ruhigstellung durch Schiene, Kühlung, Schonung und wenn nötig Schmerztherapie. Geschient wird für etwa 6 Wochen zur Stabilisierung. In dieser Zeit verklebt das lädierte Band und der Körper versucht durch Bindegewebsnachbildung den Schaden wieder zu beheben.


Manchmal ist es auch nötig wegen der Schwellung etwas Zeit zu gewinnen bis operiert werden kann, dazu steht ein sogenannter Fixateur zur Verfügung der bis zur Abschwellung Stabilisation bringt, damit dann nach 1-2 Wochen die OP erfolgen kann.


Bei sogenannten Fissuren, auch Haarrisse genannt (bekanntestes Beispiel: Nationaltorhüter Manuel Neuer), ohne Verschiebung von Knochen muss auch nicht immer gleich operiert werden. Hier stehen zur Behandlung Gips oder VACOped-Stiefel zur Verfügung.

Bei Gelenkbeteiligung aber ist in der Regel dann eine Operation unumgänglich. Mit Schrauben (Zugschrauben) und Platte werden die Knochen wieder aneinander befestigt. Meist wird zuerst der Außenknöchel operiert, dann wenn nötig der Innenknöchel. Dieser wird mit Draht und Achterschlinge stabilisiert. Schrauben und Platten müssen auch nicht wieder entfernt werden, wenn keine Probleme auftreten. Bei Schmerzen und Problemen sollten sie innerhalb von ein bis zwei Jahren aber entfernt werden.
 


Nach OP wird mit Röntgen, bei komplexen Brüchen auch mittels CT (Computertomographie), geprüft ob die Platte, Schrauben und Draht die Knochen richtig aneinander halten. Auch im Heilungsverlauf wird nach 3-4 Wochen nochmals durch Bildgebung kontrolliert.

Brüche benötigen zur Heilung mindestens sechs Wochen. Heilung der Weichteile kann länger dauern, also eine Schwellung erst länger nach dem Bruch verschwinden.
Die Mobilisation, das langsame Belasten der Verletzung wird in unterschiedlichen Belastungsgraden vollzogen. Gipsbehandlungen werden heute eher nur noch kürzere Zeit gemacht, Gelenke werden so wieder früh ihrer Funktion zugeführt.


Abschließend merkt Lieber an: „Leider ist es nicht immer möglich durch die Behandlung, ob konservativ oder durch OP, eine komplette Widerherstellung zu erreichen. So sind Schmerzen oder auch eine Arthrose als Folge bei Belastung nicht immer vermeidbar.“

Für die anwesenden Besucher stand der Arzt dann noch für Fragen zur Verfügung, ehe er diese dann verabschiedete.


 

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