DEMENSCH - Vernissage zum 5. Geburtstag der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenhofen e.V.

DEMENSCH - Vernissage zum 5. Geburtstag der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenhofen e.V.

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen, 08.03.2018 (aem).



 

Am heutigen Spätnachmittag fand die Vernissage zur Ausstellung der Cartoons des bekannten Malers und Zeichners Peter Gaymann im Haus der Begegnung zum 5. Geburtstag der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenhofen e.V. statt. Jedoch nicht in den gewohnten Räumen der Galerie; diese ist zurzeit mit der Ausstellung von Sukhyun Kim "F. i. Z." noch bis 18. März 2018 belegt. Erste Vorsitzende Helga Inderwies begrüßte u.a. Ersten Bürgermeister Thomas Herker sowie Landrat Martin Wolf, der die Grußworte übernahm.



 

Erste Vorsitzende Helga Inderwies freute sich, zum 5. Geburtstag der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenhofen e.V. zahlreiche Gäste begrüßen zu dürfen. „Zum Jubiläum möchten wir erreichen, dass Demenz aus der Tabuzone geholt wird, denn noch immer wird diese Krankheit verheimlicht. Viele Angehörige und Betroffene schämen sich. Aber Demenz ist eine Krankheit wie jede andere auch. Es soll über Demenz gesprochen werden. Wir hoffen, dass dies mit der Ausstellung „Demensch“ gelingt“.

Peter Gaymann begann ebenfalls im Jahr 2013 – dem Gründungsjahr der Alzheimer Gesellschaft mit seinen mittlerweile sehr bekannten Cartoons zum Thema Demenz. Gaymann zeichnete seither jeden Monat ein Cartoon mit Szenen aus dem Leben eines Menschen mit Demenz. Jedes der Vorstandsmitglieder der Alzheimer Gesellschaft hatten aus diesen 60 Cartoons 12 favorisiert und die mehrheitlich gewünschten Cartoons waren dann vom Landkreis Pfaffenhofen auf Anraten der Alzheimer Gesellschaft käuflich erworben worden. Diese Cartoons können dann in Zukunft in den gemeindlichen Pflegeheimen oder den Sozialstationen ausgestellt werden.



 

Landrat Martin Wolf begrüßte den Erwerb der Cartoons, weil damit das Thema Demenz und Alzheimer im Landkreis Pfaffenhofen präsenter wird. „Bereits der Titel De-mensch ist ja geradezu eine Provokation“, so Wolf. „Wenn unser Landratsamt fertig ist, haben wir viele weiße Wände. Wir wollen damit beginnen, diese mit der Ausstellung Demensch zu füllen. Jedoch kann die Ausstellung jederzeit an unsere Gemeinden ausgeliehen werden“, so Wolf. Weiterhin wünschte er der Alzheimer Gesellschaft alles Gute und immer genügend Aktive.

 


 

Es gibt deutschlandweit jährlich 300.000 Neuerkrankungen. Und somit weitaus mehr Neuerkrankungen als Sterbefälle älterer Menschen. Sofern kein Durchbruch in der Prävention und der Therapie gelingt, wird sich die Zahl der Erkrankungen bis 2050 auf drei Millionen Menschen erhöhen. Im Landkreis Pfaffenhofen waren 1.500 Menschen (2014) erkrankt. Statistiken zufolge werden es bis zum Jahre 2030 dann rund 2.200 Demenzerkrankte geben. Die Versorgung spielt vor dem Hintergrund der Entwicklung eine immer wichtigere Aufgabe und Herausforderung für das Allgemeinwesen. Gerade Pflege und Umgang mit an Demenz Erkrankten sind nicht einfach. Deshalb brauchen Angehörige besondere Hilfe und Unterstützung. Diese Unterstützung hat sich die Alzheimer Gesellschaft bei ihrer Gründung Anfang 2013 zur Aufgabe gemacht.

Landrat Wolf zitierte die wichtigsten Ziele der Alzheimer Gesellschaft:

- Verständnis für die besondere Situation für an Demenz Erkrankten  und ihrer Angehörigen
- Die Erkrankten und die Angehörigen zu ermutigen, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen
- Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige schaffen
- Alle Beratungsstellung der vorhandenen Angebote zum Thema Demenz zusammen zu binden
- Immer wieder über die Krankheit zu informieren

 


 

„Hey Du, was machen denn da die ganzen Menschen in meinem Arbeitszimmer, Helga?“
Hellmuth Inderwies hatte die Lacher auf seiner Seite, als er mit diesem Satz einen Demenzkranken imitierte.


Danach betonte Inderwies jedoch, dass unsere Zeit, die allen Toleranz predigt, in der Tat erhebliche Vorurteile gegen Menschen, die aufgrund einer Demenz den gewohnten Normen, der Logik unserer Sprache, unseres Denkens oder unseres Handelns nicht mehr entsprechen können, hat. „Ein wenig wie Pest im Mittelalter, die Angst verbreitet und vielen als eine Art Bestrafung für den Betroffenen aufgrund seines Lebenswandels zu sein scheint, kommt mir die Krankheit Demenz vor“, so Inderwies. „Man neigt dazu, auf ein nicht der Norm entsprechendes Verhalten despektierlich zu reagieren. Dies ist wohl auch der Grund dafür, weshalb Demenz in unserer Gesellschaft als Schande empfunden wird. Die Cartoons von Peter Gaymann werfen brisante Fragen auf. Ist es unter Umständen erlaubt, ist es der Kunst erlaubt, dieses Tabuthema mit dem Verlust geistiger Funktionen in humorvoller, komischer oder satirischer Art aufzugreifen? Werden die Erkrankten nicht bloßgestellt? Denken Sie an den Fall Jan Böhmermann. Ich meine, Peter Gaymann hat hier einen Weg gefunden, die Ernsthaftigkeit der Krankheit für den Nicht-Betroffenen auf heitere, witzige und hintersinnige Art zu vermitteln.“

 


 

Rosa Karger und ihr 17jähriger Gitarrenschüler Markus Geltermeier, umrahmten die Vernissage mit angemessen sanften Weisen

 


 


 

Die Ausstellung „Demensch“ kann vom 8.3. bis 28.3.2018 in der Stadtbücherei Pfaffenhofen, Haus der Begegnung, Hauptplatz 47 während der üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden.

Weitere Informationen zum Thema Demenz gibt es im Internet unter www.alzheimer-pfaffenhofen.de.

 

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