Pakistan-Tag, kein Folklore-Tag

Pakistan-Tag, kein Folklore-Tag

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen, 13.05.2018 (wk).

Christine Scherg, Leiterin des namensgleichen Tanzstudios, hatte die Idee zu einem besonderen Pakistan-Tag, da das Interesse an Asylbewerbern in letzter Zeit zurückgegangen war und der Internationale Kulturverein Pfaffenhofen lud deshalb ins evangelische Gemeindezentrum ein und gut 100 Besucher nutzten die Möglichkeit, um sich über die in Pfaffenhofen lebenden, aus Pakistan stammenden Asylbewerber, ihr Land und die dortigen Problem zu informieren.

Christine Scherg mit einem Asylbewerber-die Punkte auf der Karte markieren die Herkunftsorte in Pakistan


Christine Scherg und ihre Unterstützer aus dem Arbeitskreis Asyl hatten eine Menge Arbeit zu bewältigen, bevor dieser Pakistan-Tag realisiert werden konnten. Zusammen mit vielen der 45 pakistanischen Asylbewerber erstellten die Helferinnen eine umfangreiche Ausstellung über das Land, die verschiedenen Glaubensrichtungen, die wirtschaftliche Situation, das Leben dort und die Konflikte sowie die Gründe, weshalb Menschen von dort fliehen. Ein wichtiger Grund für viele sind natürlich die Taliban-Rebellen, die den Nordosten Pakistans mit Bombenterror überziehen, außerdem sind neben religiösen Gründen natürlich auch wirtschaftlicher Probleme maßgebend, so dass es für viele Pakistani relativ wenig Chancen für ein Bleiben in Deutschland gibt, auch wenn die meisten der seit gut zweieinhalb Jahren in Pfaffenhofen lebenden Männer zwischen 18 und 35/40 Jahren eine Arbeit haben, sei es in Bäckereien, bei MAWA, als Elektrotechniker, Küchenhelfer oder in einer Autowerkstatt; einige von ihnen fahren sogar bis München, um dort im Englischen Garten in einem Lokal zu arbeiten. Die 45 Männer sind in einem alten Fabrikgebäude auf zwei Stockwerken in vier großen Schlafräumen, mit nur vier Toiletten und zwei Duschen, zwei Küchen sowie zwei Aufenthaltsräumen untergebracht. Neben der engen Unterbringung besteht zusätzlich das Problem, dass die unterschiedlichen Arbeitszeiten mit Beginn um 3 Uhr oder Schichtende 23 Uhr, spätes Kochen und lange Unterhaltungen keine Nachtruhe bieten. Das Landratsamt genehmigt aber einen Umzug nur bei regelmäßigem Einkommen, aber auch dann ist es schwer, eine Wohnung zu finden und solange müssen sie von ihrem Einkommen 311 Euro für die Unterkunft im Flüchtlingsheim zahlen
Die großen Familien in Pakistan erhoffen sich natürlich, dass sie von ihren Vätern und Söhnen finanzielle Unterstützung erhalten. Die Küchenerfahrungen brachten es auch mit sich, dass einige Männer bereits am Pakistan-Tag morgens um 6 Uhr in der Küche standen um Essen für den Tag zu kochen, was in ihrem Land ja eigentlich keine Männerarbeit ist.
Die Leckereien der Kochgruppe kamen natürlich gut an bei den vielen Gästen und Christine Scherg hatte neben den vielen Vorbereitungen auch einen Vortrag ausgearbeitet, in dem sie mehrfach am Tag über die Situation der Asylbewerber und ihr Heimatland informierte.

 

ein talentierter junger Mann und einige von ihm bestickte Taschen


Als nächste Veranstaltung des Internationalen Kulturvereins steht am Freitag, 18. Mai, von 10 bis 12 Uhr ein Internationales Frauenfrühstück im katholischen Pfarrheim, Scheyrer Straße 2, auf
dem Programm – Anmeldung ist nicht erforderlich. Frauen aller Nationalitäten und Altersgruppen sind herzlich eingeladen, es gibt ein internationales Buffet zum Probieren und zum Drüber-Reden und zum Kennenlernen.
 

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