Welche Agrarpolitik brauchen wir wirklich?

Welche Agrarpolitik brauchen wir wirklich?

Steinbach

Steinbach, 05.12.2017 (hal/sh).

Angela Müller und ÖDP-Ortsvorsitzender Bernd Wimmer

 

Dieser Frage stellte sich die Landwirtin und Agraringenieurin Angela Müller aus Rothenburg ob der Tauber den Zuhörern im voll besetzten Steinbacher Hopfenhaus. Kritisch beleuchtete sie die aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaftspolitik hierzulande und weltweit. Müller fasste die gegenwärtige Situation mit einem Zitat des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Binswanger zusammen: "Freie Märkte führen nicht zu befreiten Bauern, sondern zur Befreiung ganzer Regionen von ihren Bauern."

Damit kam Angela Müller, die mit ihrem Mann eine Bio-Landwirtschaft in Franken bewirtschaftet, auf die Eingangsfrage zurück, nämlich welche Agrarpolitik wir wirklich bräuchten bei uns und weltweit. Notwendig ist eine agrarökologische Wende, die das bäuerliche Wissen wertschätzt. Konkret ging Müller auf einige landwirtschaftliche Massnahmen der Produktionssteigerungen mit einfachen Methoden und ohne Einsatz genveränderter Organismen ein. Seitens der Politik forderte sie eine Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft mit gerechten Subventionen, eine Ökologisierung der Landwirtschaft, eine starke Einschränkung von Gentechnik und Pestiziden, Saatgut für alle und eine faire Handelspolitik.

In der Diskussion im Steinbacher Hopfenhaus ging es zunächst darum, was der einzelne tun kann. Man sollte, war man sich einig, regionale und saisonale Ware bevorzugen, möglichst in Bioqualität, und sich überwiegend von pflanzlichen Lebensmitteln ernähren, anstatt im Übermaß  Fleisch zu essen. Angela Müller ging auf das Fairtradekonzept ein. Sie begrüßte ausdrücklich, dass es in Mainburg eine aktive Fairtradegruppe gibt. Ebenso setzte man sich sehr kritisch mit dem Totalherbizid Glyphosat des Gentechnikkonzerns Monsanto auseinander. Über die bevorstehende Entscheidung der EU zur weiteren Zulassung dieses von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (kurz IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuften Pestizids wurde ausführlich diskutiert.

Bernd Wimmer, Vorsitzender der ÖDP Mainburg, wies gegen Ende der Veranstaltung im Steinbacher Hopfenhaus daraufhin, dass die Politik keinesfalls ihre Gestaltungsmacht einseitig an die Konzerne mittels diverser sogenannter "Freihandelsabkommen" (CETA, TTIP, EPA, TiSA, usw.) abgeben dürfte, was im Bereich Landwirtschaft zu den von Angela Müller erläuterten schlimmen Folgen für Mensch und Umwelt führt. "Der ÖDP-Ortsverband versucht seit Jahren unter anderem mittels regionalen Bauernmärkten, Lebensmitteleinkaufsführern und die Etablierung der Fairtradestadt Mainburg im kleinen vernünftig zu wirken“, erklärte Wimmer. Er bedankte sich  herzlich bei ihr für den hochinteressanten, faktenreichen, anschaulichen und offenen Vortrag.
 

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