Eine lange Tradition

Eine lange Tradition

Mainburg

Mainburg, 04.06.2018 (ce).

Noch erkennbar: Lastenaufzüge in die imposanten Speicher

Die stattlichen Gebäude rund um den Marktplatz und in den Seitenstraßen belegen noch, welche Rolle Brauereien einst in Mainburg spielten: 16 davon soll es vor etwa zweihundert Jahren in dem Ort gegeben haben – bei wenigen tausend Einwohnern. Heute ist nur noch eine Brauerei übrig geblieben.

Bier brauen ist eine uralte Tradition, die schon die alten Sumerer und Ägypter kannten. Die zahlten angeblich ihre Sklaven beim Pyramidenbau in Bier. Doch was damals so alles Bier genannt wurde, kann nicht mit heute verglichen werden. Verarbeitet wurde so ziemlich alles, was berauschte, auch recht abenteuerliche Beimischungen wie Tollkirsche und Bilsenkraut sind belegt.

Die Römer waren dann eher Weintrinker, das Bier überliessen sie den feindlichen Barbaren. Doch dann machte eine kleine Eiszeit dem feineren Wein einen Strich durch die Rechnung. Ebenso die Schweden im 30-jährigen Krieg, die die Weinstöcke zerstörten. Damit wurde Bayern dann endgültig zum Bierland, und das Reinheitsgebot garantierte Qualität. Gebraut werden durfte nur noch zwischen Michaeli und Georgi, September bis April.

Bierbrauen war aber noch lange Frauensache und Privatangelegenheit. Die Hopfengärten waren damals noch wirklich Gärten hinter dem Haus, angebaut wurde für den eigenen Bedarf. Erst langsam übernahmen Klöster und schliesslich entstanden die imposanten Brauereien. Man erkennt sie noch in Mainburg, Winkler-, Seidl-, Christl- und Kopp-Bräu etwa. Ihre Bauten lassen die Bedeutung erkennen.

Einblicke: Rückgebäude der alten Brauereien in den Gassen

Die wirtschaftliche Bedeutung war immens, es wurde exportiert, Bier war ein Markenartikel.
Aber lange war brauen auch brandgefährlich. Nicht umsonst war der Schutzpatron der Feuerwehrleute zunächst vor allem der Schutzpatron der Brauer: Der heilige Florian war auch dringend nötig, gingen doch in Mainburg und anderswo häufig die großen Stadtbrände von Brauereien aus. Unachtsamkeit gepaart mit offenem Feuer und dichter Bebauung führte immer wieder zu Katastrophen. So auch 1756 in Mainburg – der große Stadtbrand machte über tausend Menschen obdachlos, zerstörte Rathaus und Kirche und wütete schlimmer als jeder Krieg.

Vom Aumer Bräu, gleich hinter der Kirche ging dieser Brand und gleich zwei folgende aus. Danach wurde der Aumer abgerissen, das Gässlein heisst noch immer "Brandstatt".
Der Durst war groß und Wein, der auch angebaut wurde, eher sauer. Bei 280 Maß Bier lag der Pro-Kopf-Verbrauch in der Hallertau vor rund 150 Jahren, so berichtet ein Arzt. Das Bier war so stark gehopft wie heute erst wieder einige neue Craft-Biere.

Eine Brauerei ist übrig geblieben in Mainburg, hat es in die Gegenwart geschafft, wartet auf mit neuen Sorten und Tradition. Der alte Biergarten ist wieder beliebt, gebraut wird mit modernen Methoden aber vor Ort. Und wenigstens einige beeindruckende Brauereigebäude haben sich erhalten.


Alte Brauereien prägen die Dachlandschaft rund um den Markplatz

 

 

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