Empfenbach, bis nächstes Jahr!

Empfenbach, bis nächstes Jahr!

Mainburg

Mainburg, 04.07.2018 (ls).

Na, die letzten Matschbrocken schon aus dem Gummistiefel-Profil gepult? Bis nächstes Jahr bleiben sie sauber: Das Festival Holledau ist wieder vorbei. Knapp 3000 Menschen hatten dem „kleinen Woodstock“ für den wohltätigen Zweck inmitten der Hopfengärten entgegengefiebert – und sie wurden nicht enttäuscht: Jeder Tag hatte seine Perlen, angefangen mit einer wilden Traktortour durch den Campingplatz bis hin zu bester Unterhaltung beim Sound von Classic Rock, Mundart-Rap und bissigem Kabarett.


Klassischerweise begann das Festival für viele im wahrsten Sinne des Wortes feucht-fröhlich. Die heftigen Regenfälle und beharrlichen Reifenprofile der vielen Autos hatten den Boden des Campingplatzes in eine matschige Rutschpartie verwandelt. Traditionell waren schon am Donnerstag die ersten Feierlaunigen angereist. Dabei hatten die unzähligen mit Wasserkanistern, Bierkästen und Grillgut bepackten Wägen keine Chance. Mit bis zu vier Traktoren wurden die Wochenend-Empfenbacher an ihre Zeltplätze gezogen.


„I dad mi gern einbürgern lassen, I dad gern a Bachempfe wern!“ (Martin, 27)


Pünktlich zum Startschuss am Freitag hatten sich die Regenwolken über dem 300-Seelen-Dorf dann aber doch verzogen. Egal ob zu durchdringenden Bässen am eigenen Pavillon oder zu einem genreübergreifenden Mix vor der Bühne – es schien, als würde sich die Welt zumindest für ein paar Tage im Rhythmus der Wolnzacher Straße bewegen. Gute-Laune-Rock von den sympathischen Jungs von Waiting for Summer, sommerliche Vibes von den Münchner Reggae-, Ska- und Latinprofis von Rapid und eine ordentliche Portion skandalös-klischeegetriebener Rock von den Backyard Babys ließen bei so manchem Musik-Nerd akustischen Enthusiasmus in die bematschten Gummistiefel schwappen.


Spätestens der Samstagnachmittag zeigte, warum sich das Festival mittlerweile über die sanften Hügel der Hopfengärten hinaus einen Namen gemacht hat. Mit wallenden, eisengrauen Mähnen gaben Altrocker einer jungen Rock-Band aus Regensburg ihren Salut. „Hier sind so geile Typen“, murmelte Matthias, Bandleader von The Strayin‘ Sparrows ins Mikro und bestätigt nach seinem Auftritt backstage: „Das macht so Spaß, für so ein gemischtes Publikum zu spielen. Das sind echte Charaktere hier.“


Charakter war das Stichwort. Den lieferten nicht nur die vielen Gestalten in und um den großen Pavillon. Auch die ehrlichen Reggae-Rhythmen von Roots Radicals und der unmissverständliche, handgemachte Rock von John Diva and the Rockets of Love bewiesen einmal mehr das glückliche Händchen der Veranstalter für guten Festival-Sound. Und auch die mit Spannung erwartete Truppe Bavarian Squad um Mundart-Rap-Pionier Bbou lieferte ab – nämlich freche Doubletime-Parts und höchste Hip-Hop-Kunst in den verschiedensten bayerischen Dialekten.


„Bei uns feiern echt nur anständige und ruhige Leid. Des is echt a entspannte Atmosphäre!“ (Thomas, 35)


Festival-Eigengewächs Sarah Ko, die Bluesrocker Reynard and the Raven und niemand geringerer als Kabarett-Urgestein Weiherer und Band prägten den Sonntag, der ganz im Sinne der letzten Jahre vor allem den Veranstaltern gehört. „Sonntag ist meistens der ruhigste Tag, da gibt es am wenigsten zu tun. Da können wir auch mal das Festival genießen“, erklärt Veranstalter Thomas Betzenbichler. Der war zumindest am Samstagabend hoch zufrieden mit seinen Besuchern. „Lafft scho“, war seine pragmatische Antwort auf die Frage hin, ob soweit alles in den geregelten Empfenbach-Bahnen verläuft. Dass er dabei ein von überenthusiastischen Besuchern entwendetes Straßenschild in der Hand hielt, nahm er mit einer gehörigen Portion Gelassenheit.

 

 

Wehrmutstropfen: "Ich würde mir so wünschen, dass die Leute nicht so viel Glump mitnehmen, dann müssen sie auch nicht mehr so viel mit nach Hause nehmen", so Kersten Röckl, ehemaliger Festival-Vorstand und nun stellvertretender Kommandant der örtlichen Feuerwehr. Schon Sonntagvormittag glich der Campingplatz einem Schlachtfeld. Leere Flaschen, zertretene Pavillions und vieles mehr wurde vom achtlosen Partyvolk zurück gelassen. Eigentlich schade - da der Gewinn des Festivals komplett an wohltätige Zwecke gespendent wird, war es am Montag den zahlreichen freiwilligen Helfern überlassen, den Müll zu beseitigen.

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