Die stille digitale Revolution

Die stille digitale Revolution

Unterpindhart

Unterpindhart, 13.10.2017 (wk).

„Digitalisierung verändert das gesellschaftliche Leben. Aber auch auf wirtschaftlicher und politischer Ebene sorgt die digitale Transformation für einen großen Wandel“, davon ist Johannes Hofner, Vorstand des Kommunalen Unternehmens Strukturentwicklung (KUS) überzeugt. Beim Unternehmerforum wurde im Hauptvortrag und in vier Fachforen der Frage nachgegangen, wie Digitalisierung die Betriebsabläufe in den nächsten Jahren beeinflusst.

Johannes Hofner, Vorstand KUS


Die Digitalisierung betrifft alle, sie ist da und lasst sich nicht mehr wegdiskutieren, so Johannes Hofner bei seiner Begrüßung im großen Saal des Gasthauses Rockermneier in Unterpindhart. Und dass wir noch nicht am Ende sind, sondern ganz vorn am Anfang, machte denn auch der Hauptreferent des Tages, Dr. Andreas Brill, in seinem Vortrag deutlich. Dabei zeigte er auf, mit welcher Geschwindigkeit die Digitalisierung voranschreitet und wie sie ganze Wirtschaftsbereiche verändert und traditionelle Unternehmen vom Markt verschwinden lässt.

Dr. Andreas Brill

Auch Unternehmen der digitalen Welt sind nicht davor gefeit, sich aufgrund der immer schnelleren Digitalisierung anzupassen, um selbst nicht vom Markt gefegt zu werden. Dies machte er am Beispiel der Musikindustrie deutlich mit dem damaligen deutschen Marktführer WOM (World of Musik), der Platten und CDs verkaufte und innerhalb kurzer Zeit durch den Großhändler Amazon abgelöst wurde, der in kürzester Zeit weltweit die neuesten CDs aus den entferntesten Ländern liefern konnte. Doch selbst Amazon wurde überrollt durch die Entwicklung des iPods von Apple und auch diese Entwicklung wiederum wurde vom Musik-Streamingdienst spotify überholt. Jetzt kauft man sich nicht mehr eine ganze CD oder lädt sie runter, sondern mit einer monatlichen Gebühr kann man sich jetzt jederzeit jedes Lied herunterladen, das einem gefällt.


Die Digitalisierung ist wie ein Tsunami über die Unternehmen hereingebrochen. Alle 18 bis 24 Monate verdoppelt sich die Leistungsfähigkeit der Computer – es ist ein exponentielles Wachstum, so der Referent. Er machte dies deutlich mit der Frage, wie oft man denn ein DIN A 4 Blatt falten müsse, um die Entfernung zum Mond zu erreichen. Die Antworten „in die Tausende“ waren falsch – nur 42 Mal war richtig, denn die größten Sprünge kommen erst zum Ende, so auch in der Digitalisierung. Die künstliche Intelligenz ist inzwischen so groß, dass immer mehr Daten automatisch verknüpft werden können. So hat das Google-Übersetzungsprogramm für komplizierte Übersetzungen selbst eine Meta-Sprache erfunden, in der eine Ausgangs-Sprache in Meta-Sprache übersetzt und dann in die gesuchte andere Sprache übersetzt wird, ohne dass diese Metasprache je programmiert wurde.
Die digitale Revolution trifft auch den Einzelhandel schwer, jetzt ist es nicht mehr notwendig, sich über die neuesten Modefragen beim Stadtbummel zu informieren – jetzt reicht ein Blick auf eine Internetplattform, die alle Neuigkeiten präsentiert und bei der gleich bestellt werden kann, um die Ware am nächsten Tag zu Hause zu haben. Ähnliches vollzog sich beim Buchhandel, wo man sich jetzt ein Buch auf sein e-book herunterladen kann, ohne es physisch in Händen zu halten.


Die besten Geschäftsmodelle sind Plattformen wie Google, Amazon, facebook, Alibaba etc.), die selbst nichts produzieren, aber zu den profitabelsten Geschäften geworden sind. Unternehmen wie Zalando haben diese Möglichkeiten ausgenutzt, um in den Markt zu kommen. Ohne diese Plattformen hätten sie keine Chance gehabt. „Durch die Digitalisierung entstehen Lösungen, die sich heute noch kein Mensch vorstellen kann“, so Dr. Brill. Er forderte deshalb die über 200 Unternehmensvertreter auf, in die Zukunft zu denken – selbst Amazon ist nicht mehr nur ein Großhändler, sondern inzwischen auch eins der führendsten Technologieunternehmen.

Markus Schott
Im Rahmen „Aus der Praxis – für die Praxis“ hielt Orthopädie-Meister Markus Schott aus Nordhessen einen Vortrag, wie es ihm gelang mit der neuen Idee einer auf den Fuß angepassten Sandale über das Internet sein lokales Geschäft („my Vale“) inzwischen weltweit zu betreiben. Dr. Franz Glatz stellte das Digitale Gründerzentrum Ingolstadt (brigk) vor und Elke Christian von der IHK-Geschäftsstelle erläuterte das Förderprogramm Digitalbonus für Unternehmen, für den bis Ende 2018 noch viele Millionen Euro zur Verfügung stünden. Nach einer Pause verteilten sich die Teilnehmer des Unternehmertages auf vier Foren, wobei jeder Teilnehmer später zu einem zweiten Forum wechseln konnte. In diesen Foren wurden die Themen „Digitale Geschäftsprozesse“ mit Moike Buck, „e-Commerce – Online Geschäfte sinnvoll nutzen“ mit Dr. Andreas Brill, „Wirksame Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter“ mit Robert Vogel und „Cyber Crime – wie schütze ich mein Unternehmen“ mit Oliver Lehmeyer diskutiert. Die Ergebnisse wurden später im Plenum zusammengefasst vorgetragen.

 

Dr. Franz Glatz (brigk)                                     Elke Christian (IHK)

die Leiter der Foren: Moike Buck, Dr. Brill, Olvier Lehmeyer, Robert Vogel

Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Stahl Computertechnik GmbH aus Pfaffenhofen, der Contentserv GmbH aus Rohrbach, der IHK München und Oberbayern und dem Wirtschaftsbeirat des Landkreises. Mit Ständen präsentierten sich auch „Unternehmen mit Zukunft“ (UZ) aus Starnberg, die Handwerkskammer, „Consult Ingolstadt“, „Cyber Risk Agency“, das „Unternehmensnetzwerk Inklusion“ der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation und der „integrationsfachdienst München-Freising“. Grußworte sprachen Prof. Claude Herion, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats und Geisenfelds Bürgermeister Christian Staudter.

Johannes Hofner, Dr. Andreas Brill, Prof. Claude Herion, Markus Schott

 

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