Offene Bühne: Volles Haus trotz Pfingstferien

Offene Bühne: Volles Haus trotz Pfingstferien

Geisenfeld

Geisenfeld, 09.06.2017 (wk).

Die Pfingstferien, die beim Rohrbacher Musikantenstammtisch für reduzierten Besuch gesorgt hatten (s. dort eig. Bericht), tangierten die „Offene Bühne“ in Geisenfeld in keiner Weise. Die Bar „Alisa“ war gerammelt voll und die Musiker standen Schlange für einen Auftritt. Und das ist immer wieder erstaunlich, schließlich bekommen die Musiker kein Geld, sondern gerade mal ein Getränk für ihren Auftritt.

 

Michael Bretz                                                    Rudi Vietz
Der Organisator der „Offenen Bühne“, Michael Bretz, freute sich, wieder einmal selbst als Musiker auf der Bühne zu stehen, denn lange Zeit hatte er anderen den Vortritt als „Opener“ gelassen – aber statt der von ihm so heiß geliebten Bluegrass-Songs hatte er zwei bayrische Lieder dabei, was aber auch sehr gut ankam, waren die Texte doch recht frech. Als perfekter bayrischer „Geschichten-Erzähler“ folgte ihm dann der Münchner Rudi Vietz, der es wieder geschafft hatte, mit der Bahn anzureisen – vom Rohrbacher Bahnhof abgeholt wurde er dann durch Michael Bretz Gattin Wilma, der Seele der Offenen Bühne. Michael Bretz begrüßte Rudi Vietz zum vierten Auftritt in Geisenfeld und verpasste ihm die Auszeichnung „fabelhafter Entertainer“ und „Münchner Original“, da er noch einer der wenigen sei, die den Münchner Dialekt beherrschten. Und der Rudi gab wieder alles mit seinen selbstgeschriebenen Liedern, die wie Geschichten aus seinem Leben klangen, sei es „Das Mädchen aus der Vorstadt“, das er früher mal kennengelernt hatte und er beim Wiedersehen feststellen musste, dass sie älter geworden sei, für ihn aber noch schöner. Mit seinem Öko-Blues ging er auf seine Probleme beim Abspecken ein und mit „es geht auf Grambach zua“ erzählte er eine chaotische Geschichte sowie über Bad Grömitz an der Ostsee und seine Bekanntschaft mit Kirsten – und wie immer auf seiner Gitarre mit nur wenigen Akkorden begleitent. Die Gäste im vollbesetzten „Alisa“ jubelten und man merkte, wie sehr sie ihn in Herz geschlossen hatten, „den alten Zausel“.

 

Michael Bretz, Eric Damster                                    Jochen Hirschinger
Nach längerer Zeit ließ sich auch Eric Damster wieder bei der „Offenen Bühne“ sehen und gab die Probleme von Männern zum Besten, die nicht wüssten was sie anziehen sollen. Zusammen mit Michael Bretz an der Blues-Harp interpretierte er dann noch einige englischen Songs, die seine sonore Stimme so richtig gut zur Geltung brachten. Er arbeitet sonst mit zwei anderen Musikern unter dem Namen „Die drei Jahreszeiten“ zusammen und einer davon ist Jochen Hirschinger, der ihm auf der Bühne folgte und mit seinen urkomischen deutschen Texten (über sein Geburtstagsgeschenk, den Nasenhaarschneider), über den Christopher-Street-Day in Baar-Ebenhausen (das Rathaus ist rosa angemalt) und über den Barthelmarkt-Shuttle. Nicht nur mit seinen Texten, auch mit seiner Bühnenperformance und seiner Körpersprache brachte der die Gäste zum Jubeln, die seine Refrains kräftig mitsangen.

 

John, Sonja, Norbert                                        Johann Neuhauser
Ihm folgte ein Trio mit Sonja (Gesang), John und Norbert (Gitarre) das eher den ruhigeren (Salon-)Jazz bevorzugte. Statt Schlaggitarre spielte John mehr melodiös mit Fingerpicking-System als Begleitung für Sonja. Alles ruhigere Songs, die die durch Jochen Hirschinger leicht aufgeputschten Gäste wieder beruhigten. Und ruhig ging es weiter mit einem früheren Musiker-Kollegen und Freund von Michael Bretz, Johann „Tschak“ Neuhauser, der bekannte englische Songs, wie Whiskey in the Yar, mit eigenen Texten auf Bairisch vortrug. Und seinen mit Michael vor über 20 Jahren gespielten Geisenfeld-Song, der früher leider wenig Gegenliebe fand, hatte er in ein neues Gewand gekleidet und das Publikum sang begeistert den Refrain mit – Geisenfeld als Nabel der Welt. Und als Liebeslied folgte die Betrachtung eines 2-Meter-Menschen mit seiner kleinen Frau, die so eigentlich gar nicht zusammen passten, aber sie ist das „Dope für sein Herz“.

 

BBO mit Konrad, Jeremias, Manfred ...   und  ...... dazu Michael Bretz und Henry

Vom letzten Mal her schon namentlich bekannt war BBO, das „Bavarian Blues Orchestra“ aus Neustadt/Donau. Nur war damals Gitarrist Jeremias allein, doch dieses Mal hatte er seine beiden damals fehlenden Bandmitglieder Manfred (Bass) und Konrad (Cajon) dabei und sie legten ihren fetzigen bayerischen Blues auf die Bühne, dass es nur so krachte. Und richtig mit Südstaaten-Blues ging es ab, als Henry Killebrew aus Mississippi dazu stieß, der schon seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. Zusammen mit Michael Bretz an der Blues-Harp fetzten alle fünf richtig los und das Publikum ging dabei begeistert voll mit.

"Serious Project" mit v.l. Matthias (Gesang), Mario (Bass), Dino (Cajon), Patrik (Gitarre)

Und dann die Überraschung des Abends. Man hatte die Jungs von „Serious Project“ aus Ingolstadt schon den ganzen Abend über gesehen, wie sie mit ihren Mützen oder Hüten vor der Tür standen oder die Bar durchquerten und war gespannt, was das denn für eine junge Truppe sei, die so cool daher kommt. Bevor sie anfangen konnten zu spielen, schleppten sie noch allerhand Equipment auf die Bühne wie eigene Verstärker oder Elektroniksteuerung und allerlei Schlagwerkzeug, und sobald sie auf der Bühne standen, merkte man, dass es ganz pfiffige Burschen aus Ingolstadt waren, locker und schlagfertig, gar nicht so cool, wie sie sich anfangs gaben. Und die Überraschung war groß und begeisternd. Sie sangen eigene deutsche Texte mit Tiefgang, ohne die üblichen Herz/Schmerz- Liebe/Triebe-Lyrik deutscher Schlager, sondern eher mehr die Richtung der jetzigen Neuen Deutschen Rap-Welle, die man von Tim Bendzko oder Johannes Oerding kennt, Lieder der sanften Töne, Texte die man verstehen konnte wie „Gepäck“, „Laß uns fliegen“, „Streikende Taucher“ oder „Barmann“, die alle gut durchkomponiert waren und sauber musikalisch dargeboten wurden – eine Band, die begeisterte und die einen überwältigenden Applaus bekamen, der gar nicht so schnell enden wollte. Ihnen ist zu wünschen, dass sie es schaffen, ein noch breiteres Publikum, über die Region hinaus, zu erobern. Man sollte sich die Namen merken: „Serious Project“ mit Mario am Bass, Dino am Cajon, Patrik an der Gitarre und Matthias (Chilli) Gesang.


 

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