Hochwasserschutz - Brennpunkte entschärfen

Hochwasserschutz - Brennpunkte entschärfen

Au/Hallertau

Au/Hallertau, 23.02.2018 (sia).

 

Fast genau auf den Tag vor einem Jahr stellte das Planungsbüro WipflerPLAN dem Marktgemeinderat das von ihnen erstellte Hochwasserschutzkonzept vor. Vergangenen Mittwochabend hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit, sich im Foyer der Hopfenlandhalle über mögliche Maßnahmen zu informieren. Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger, vor allem aber der Grundstückseigentümer an Fischbach und Abens, war groß. Das ausgearbeitete Konzept könnte als Grundlage für ein Lösung in wirtschaftlichem Rahmen dienen.


Dazu stellten Dipl. Ing. Klaus Parth und Dipl. Ing. Christina Schubert die verschiedenen Bausteine des Gesamtkonzepts für Hochwasserschutz und Gewässerentwicklung vor. Angefangen mit dem Fischbach von Piedendorf nach Sillertshausen. Dort wäre der Vorschlag, das Wasser gezielt zu drosseln und mit einem Hochwasserrückhaltebecken Nähe Piedendorf mit einem max. Rückhaltevolumen von 68.000 Kubikmeter und einer max. Überflutungsfläche von 4,3 Hektar zurückzuhalten. Die größte Schwierigkeit, das Rückhaltebecken an der vorgesehen und laut Planungsbüro günstigsten Stelle bauen zu können, wird aber wahrscheinlich der Grunderwerb sein. Denn schon während der Präsentation teilten sich da die Meinungen und es gab erstes Kopfschütteln, sowie die ersten Einwände seitens der Zuhörer. „Genau an der Stelle steht mein Hopfengarten, den werde ich nicht hergeben“, so ein betroffener Anlieger, der sich gleich erkundigte, ob man jetzt schon Klage dagegen einreichen könne. Das sind jetzt alles erste Vorschläge die noch keine Rechtslage haben, so Parth. Wir können das Ganze nicht mit dem Sankt-Florians-Prinzip lösen, also potentielle Probleme auf andere zu schieben, ergriff Bürgermeister Karl Ecker das Wort. Wichtig ist, dass das Wasser vor und nicht im Ort aufgefangen wird. Wenn es mit einem Becken an dieser Stelle nicht klappt, müssen Alternativen gesucht und an anderen Stellen eventuell zwei Becken gebaut werden. Wir wollen uns heute nur mögliche Maßnahmen anschauen, dann kann jeder darüber reden und nachdenken.
Weiter ging es mit einer Stelle in der Ortsmitte von Abens, an der es zwickt, so Parth. Dort sind nur kleinere Objektschutzmaßnahmen angebracht. Eine ca. ½ Meter hohe Staumauer soll hier ein Wohnhaus gegenüber dem Feuerwehrhaus vor Hochwasser schützen und am Durchlass, wo die Abens die Straße unterquert, wird die Verrohrung mit Wasserbausteinen stabilisiert.
In Seysdorf liegt das Hauptproblem im unteren Bereich, in dem die Wohnbebauung betroffen ist. Hier wäre anstatt eines Rückhaltebeckens, eine Art Wall, oder Deich möglich, der das Wasser umleitet. Auch mobile Hochwasserschutzwände wären denkbar, welche die Feuerwehr bei Hochwassergefahr anbringen könnte. Notwendig wäre auch, die bestehenden Regenwasserleitungen mit Rückstauventilen zu versehen. Das wäre in dem Bereich die wirtschaftlichste Lösung, so Parth.
Zu den einzelnen Maßnahmen erläuterte Dipl. Ing. Christina Schubert ihr ausgearbeitetes Konzept für die Gewässerentwicklung. Ziel ist es, die Fließgewässer in einen „guten Zustand“ zu bringen. Das bedeute, unter Berücksichtigung von Eigentums- und Rechtsverhältnissen, vorhandener Bebauung, Infrastruktur und Nutzungen, sowie Schutzgebieten, für strukturreiche und durchgängige Gewässer zu sorgen.
Die Kosten belaufen sich grob geschätzt auf ca.2,2 Millionen Euro für den Hochwasserschutz und ca. 290.000 Euro für das Gewässerentwicklungskonzept, dazu kommen noch jährliche Kosten von 8.500 Euro für die Pflege. Nicht eingerechnet sind die Kosten für den Grunderwerb.
 

 

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