Windkraft - Aus Sicht der Nachbargemeinde

Windkraft - Aus Sicht der Nachbargemeinde

Au/Hallertau

Au/Hallertau, 21.03.2018 (sia).

Symbolbild: Siebler

Ein großer Punkt auf der langen Tagesordnungsliste der öffentlichen Marktratssitzung war der Antrag auf Errichtung und Betreibung zweier Windkraftanlagen im Haslacher Forst. Als direkte Nachbargemeinde von Nandlstadt hat nun der Markt Au mit Hilfe der Stellungnahme eines Fachanwaltes ebenfalls gegen den Antrag der tetra r.e. GmbH gestimmt.

 

Das Interesse der Bürger an der Marktgemeinderatssitzung war zwar nicht ganz so groß wie in Nandlstadt, dennoch war jede Ecke des Sitzungssaales im Auer Rathaus besetzt. Neben zahlreichen Mitgliedern der Bürgerinitiative „WindWahnsinn Nandlstadt/Au“ war auch der Nandlstädter Bürgermeister Jakob Hartl nach Au gekommen, um dabei zu sein, wie der Auer Gemeinderat über den Antrag der tetra r.e. GmbH abstimmt. Gerade noch rechtzeitig zur Sitzung war die 17-seitige Stellungnahme des Fachanwaltes aus Diessen am Ammersee gekommen, die Bürgermeister Karl Ecker zusammen mit Regina Svigac von der Marktverwaltung den Gemeinderäten und den Zuhöreren vorlas. Daraus ging hervor, dass beispielsweise das Schallgutachten der Betreiberfirma nicht verwertbar ist und noch einige Stellungnahmen gänzlich fehlen, wie die des Landesamtes für Denkmalpflege. Auch der bei den Unterlagen befindliche sogenannte „Landespflegerische Begleitplan“ ist unzulässig. In dem Schreiben des Anwalts wird das Landratsamt Freising aufgefordert, den Vorbescheid zu widerrufen, beziehungsweise im anhängigen Genehmigungsverfahren eine neue Beurteilung der planungsrechtlichen Zulässigkeit vorzunehmen. Bemängelt wurde auch, dass durch das Landratsamt die Unterlagen nur unvollständig der Marktgemeinde zur Verfügung gestellt wurden. So liegen beispielsweise keine Unterlagen zum Thema Richtfunkstrecken, Belange der Flugsicherung, Belange des Wetterdienstes oder militärische Belange vor. Ebenso fehlen Unterlagen von Umwelt- und Naturschutzverbänden. Bei dem Teilort Haslach handelt es sich um eine Wohnsiedlung, dementsprechend ist der vom Betreiber angegebene Abstand von 756 Metern zu gering.
Nach dieser Stellungnahme gab es von den Marktgemeinräten zahlreiche Wortmeldungen und Meinungen. Michael Hagl outete sich zwar als Windkraftbefürworter, in diesem Fall sind ihm aber die Abstände zu gering: „Da müssen wir die Nandlstädter in Schutz nehmen“. Für Martin Hellerbrand lieferte das vorgelegte Schreiben genug Argumente dagegen zu stimmen: „Wir wollen Haslach genau dasselbe zugestehen wie anderen Ortsteilen“. Nach Franz Asbecks Meinung darf so etwas nicht auf Kosten der Bürger gehen, deshalb wurde auch die 10H-Regelung eingeführt. Es gibt genug andere Flächen, wo Windräder nicht stören. Der stellvertretende Bürgermeister Hans Sailer sah die Sache ebenfalls problematisch. So etwas spaltet die Gemeinde. Es wäre zwar für jede Gemeinde schön autark zu sein aber hier ist die Nähe zu den Häusern einfach zu groß.
Ganz anderer Meinung waren da teilweise die Mitglieder der Grünen-Fraktion. Fraktionsvorsitzende Barbara Prügl war es unverständlich wie so ein Windrad Unfrieden in eine Gemeinde bringen kann. Sie war regelrecht erschrocken über die Info-Veranstaltung, bei der geraten wurde ganz penetrant auf Politiker und Gemeinderäte zuzugehen. Desweiteren hätte sie den Fachanwalt gerne persönlich in der Sitzung gesehen, um ihm Fragen stellen zu können: „Ich bin kein Jurist, ich verstehe die Stellungnahme nicht und werde ihr auch nicht zustimmen. Ich weiß, dass 50 Meter zur Abstandshaltung fehlen, verzichte aber lieber auf die 50 Meter, als auf Atomkraft angewiesen zu sein“. Für Fraktionskollegen Michael Altmann war die Sache letztendlich noch nicht abgeschlossen. Er plädierte zu gleichen Bedingungen für Alle, denn er habe sich auch mit der Umgehungsstraße abfinden müssen. „Wir müssen unsere Bürger schützen, aber wovor“? Diese Frage stellte Klaus Stuhlreiter. „Ich wohne schon seit Jahren neben einem Windrad, ohne Probleme und werde gegen die Stellungnahme stimmen“. Schlussendlich konnte dann mit einem Ergebnis mit drei Gegenstimmen von Barbara Prügl, Klaus Stuhlreiter und Michael Altmann abgestimmt werden.
 

 

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