Cars und Bikes zum Sabbern

Cars und Bikes zum Sabbern

Nandlstadt

Nandlstadt, 10.05.2016 (msk).

Mit Sonne und bester Bewirtung lässt es sich gut aushalten.

Irgendeinen Spleen, eine „Spinnerei“ braucht ein jeder. Ganz egal ob Sport, Kunst, Verreisen… Ein Leben ohne das Pflegen seiner Leidenschaften ist doch sterbenslangweilig. Für die Amischlittenfahrer bedeutet das jedes Jahr: ab nach Nandlstadt auf den Zeilhof.

Es röhrt, es blubbert, die Blattfedern schaukeln und die Chromleisten blitzen um die Wette. Der Puls schlägt schneller und die Mundwinkel sind vier Tage lang in höheren Lagen festgespaxt. Der MSC Wolnzach und die "Boarischen Amifahra" haben wieder zum Südbayerischen US-Car-Treffen geladen und freuen sich über zahlreiche Gäste bei bestem Wetter. US-Cars, von alt bis jung, von elegant bis bullig, sammeln sich auf der großflächig gemähten Hügelwiese neben dem Zeilhof. Bereits am Vatertag brummt es, dass man mit dem Schauen nicht fertig wird. Wie auch im letzten Jahr trifft sich eine Melange aus Berufscampern – fromme Dodge-Ram-Anbeter größtenteils –, Tagesbesuchern mit den Schätzen, die man nur im Sommer bei strahlendem Sonnenschein aus der Garage lässt, und Auto- & Amerikafans ohne Gefährt, die ihr eigenes Fahrzeug gerne auf der Strafbank parken – da will auch ich meinen grünen "smart" nicht neben solche Schönheiten stellen.

Warnschild: "Wir müssen leider draußen bleiben."

MSC-Chef Adolf Demmel erzählt mir, dass die Vatertagsgaudi erst um vier Uhr früh vorbei war: „Ja, das geht schon. Da gehst halt dann im sechsten Gang ins Bett, und nicht im Vierten. Nur verschalten darfst dich nicht“, erklärt der Ade und lacht wissend. Entsprechend geht es am Freitag etwas ruhiger zu. Glück haben die Herrschaften, die nur zum Camper gehen mussten und tags drauf ihr Reparier-Bier direkt an der Zeilhofbar holen können. Der Zeilhof selbst, für verschiedenste Veranstaltungen buchbar, ist ein Glücksgriff für das Event. Rundherum biegen sich die Wiesen und Acker in leichten Hügeln – ein Bildhintergrund, der den Autos würdig ist, und stören kann man auch niemanden – um den gemähten Bereich, und der Hof selbst ist der Inbegriff von Gemütlichkeit: Auf der überdachten Veranda blickt man gen West-Süd-West, beobachtet die Sonne über glitzerndem Autolack und Chrom untergehen. Unglaublich kitschig und sagenhaft schön. Nur Halbindianer Berrys Tipi fehlt entschieden, aber der Gute muss das Bett hüten.


Von alt bis jung - Hauptsache amerikanisch.

So ziehen wir abends nach drinnen, lassen uns grandios vom Alleinunterhalter Pit mit amerikanischen (Country-)Klassikern musikalisch versorgen und spülen den Tag mit Hopfenperle und Scheyrer Hell herunter. Und da ist sie wieder – die Autoleidenschaft. Die verbindet nämlich, und mit jedem wird sofort über Gott und die Welt geratscht… aber vor allem natürlich über die Autos und Bikes, über Amerikareisen und Werkstatt-Anekdoten, Lausbuamstückl und die nächsten Treffen.


Bei so einer Wahnsinnsstimme und Liedauswahl wird auch mal der ein oder andere "Kniaschiaba" getanzt.

Ein bisschen war schon die Befürchtung da, dass trotz des sonnestrotzenden Wetters dieses Jahr weniger los sein würde – am selben Wochenende fand heuer sehr früh das europaweit größte US-Car-Treffen in "Pullman City" statt. Unbegründete Sorgen – über 350 Autos fuhren am Wochenende nach Nandlstadt. Dieses Mal auch deutlich mehr Bikes, die auf dem erstmals angebotenen Leistungsprüfstand ihre Motorleistung überprüfen konnten. „Das ist schon was Besonderes, wenn da drauf so eine schwere "Harley" blubbert. Eine "Boss Hoss" war auch da – brutal“, erzählt Ade Demmel. Eine "Boss Hoss" zeichnet sich im Allgemeinen dadurch aus, dass man bei ihrem Sound ein V8-Schlachtschiff aus den Siebzigern erwartet und dennoch ein Bike mit zwei Rädern um die Kurve fährt, „wobei die, glaube ich, nicht zum um die Kurve fahren gemacht sind“. Einige hatten am Donnerstag in "Pullman" vorbeigeschaut: „Das ist nur noch Kommerz. Du kommst kaum durch und zahlst fünf Euro für ein Bier. Das ist nicht mehr schön“, erzählt ein Biker. Da menschelt es auf dem Zeilhof deutlich stärker. Wir schauen, wir ratschen, wir lachen und auf einmal ist es schon wieder nach Mitternacht. Irgendwann muss man dann doch mal heim, aber was soll‘s – man läuft sich ja auch auf anderen Treffen wieder über den Weg. Trotzdem: An Gemütlichkeit, Geselligkeit und Stimmung ist das MSC/BA-Treffen in Nandlstadt kaum zu übertreffen. Wer nicht genug bekommt, kann am letzten Juni-Wochenende wieder bei den Trikes vorbeischauen.
 


Glücklich und zufrieden - die Veranstalter und Organisatoren am Samstagabend.
 

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