Asylbewerber drohen mit Hungerstreik

Asylbewerber drohen mit Hungerstreik

Rockolding

Rockolding , 22.12.2015 (rt).

 

Im Vohburger Ortsteil Rockolding ist am gestrigen Montag die Unterkunft für Flüchtlinge in Betrieb genommen worden. Bereits kurz nach ihrer Ankunft drohten mehrere Asylbewerber unter anderem mit einem Hungerstreik, da sie offenbar andere Erwartungen hatten, wie sie in Deutschland aufgenommen würden. Neben der Polizei waren unter anderem vor Ort auch der Landrat und Vohburgs Bürgermeister um Deeskalation bemüht.

Wie das Pfaffenhofener Landratsamt am heutigen Nachmittag mitteilte, ist am vergangenen Wochenende unter Hochdruck daran gearbeitet worden, die mobilen Zelt-Hallen aufzustellen. Im Laufe des Montags sind die Stockbetten aufgestellt und Aufenthalts – und Speiseraum eingerichtet worden.

„Ein sozialer Dienstleister hat die Betreuung übernommen und die im Laufe des Montags eingetroffenen Personen verpflegt“, heißt es aus dem Landratsamt. Einige der angekommenen Asylbewerber und Flüchtlinge protestierten jedoch gegen ihre Unterbringung und wollten nicht in Rockolding bleiben. Es handelte sich dabei um eine Gruppe von etwa 40 jungen Männern aus Syrien.

Sie forderten, in München untergebracht zu werden, um dort zu studieren und zu arbeiten. Die Männer drohten mit einem Sitz- beziehungsweise Hungerstreik und weigerten sich deshalb, ihre Betten in den beheizten Zelthallen zu beziehen. In der Nacht von Montag auf Dienstag beruhigte sich die Lage, jedoch gingen die Diskussionen auch heute weiter. Vor Ort waren mehrere Mitarbeiter des Landratsamts, der Caritas, der evangelische Pfarrer Reinhard Wemhöner und auch mehrere Dienstkräfte der Polizeiinspektion Geisenfeld, um die Lage zu beruhigen. Offenbar war den jungen Männern vor ihrer Einreise wesentlich mehr an Möglichkeiten in Aussicht gestellt worden, als sie jetzt in Deutschland vorfanden.

Frustriert und enttäuscht

Dem Vernehmen nach gehe es dem Personenkreis, der nach der Einreise in Deutschland zunächst in der Bayernkaserne in München und dann in Fürstenfeldbruck untergebracht war, nicht schnell genug in Sachen Studium und Arbeitsaufnahme, so das Landratsamt. Insofern seien bei der Aktion auch Frustration und enttäuschte Hoffnungen mit im Spiel.

Landrat Martin Wolf (CSU), der wie Bürgermeister Martin Schmid (SPD) sowohl gestern als auch am heutigen Dienstag vor Ort in Rockolding war: „Diese Gruppe kam mit völlig falschen Erwartungen. Die Unterkunft ist sicher keine spürbare Verbesserung zu München und Fürstenfeldbruck. Es geht aber im Moment nicht anders. Für das Personal vor Ort ist diese Situation eine besondere Herausforderung. Die Helfer bewegten die Männer zunächst zur Ruhe zu kommen, die Unterkunft zu beziehen und dann gemeinsam mit den zuständigen Betreuern ihre Vorstellungen zu besprechen.“

Wir werden sie nicht aufhalten

Wolf sagt weiter: „Ich stelle aber ganz klar fest: Die Unterkunft ist in Ordnung. Es gibt eine geregelte Essensversorgung, das Zelt ist ausreichend beheizt und durch die Schrankabtrennungen ist der Persönlichkeitsschutz in der Unterkunft sogar besser als in anderen Unterkünften. Manchmal ist helfen gar nicht so einfach. Das Problem ist, dass wir kurzfristig die Vorstellungen der Menschen und die Möglichkeiten, die wir im Rahmen des Verfahrens haben, nicht in Einklang bringen können. Wir werden das mit den Asylbewerbern und gegebenenfalls zuständigen Stellen klären, brauchen dazu jedoch eine gewisse Zeit. Ich hoffe, dass die Leute ein wenig Geduld aufbringen. Wir haben viel Verständnis für die Situation der Asylbewerber und Flüchtlinge und sind auch gastfreundlich. Wenn es den jungen Männern jedoch bei uns im Landkreis nicht gefällt, muss man sehen, wo sie bleiben können. Wir werden sie nicht aufhalten.“
 

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