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Das Heimweh im Koffer – und im Museum die Heimat

(Wolnzach, lot)
„Wir beginnen“, so begann Kulturreferent Alois Siegmund seine Begrüßung, „im Jahre 1810!“ Wir befinden uns, so wird bald klar, im Deutschen Hopfenmuseum im Jahre 2010, inmitten der Exponate einer faszinierenden Doppelausstellung zum Thema Heimat: „200 Jahre Wolnzach – ein Rückblick“ und „Heimat im Koffer, Heimat auf dem Teller, Heimat im Herzen“.

Der Historische Cirkel zeichnet verantwortlich für den Rückblick auf 200 Jahre Geschichte und Entwicklung in der Marktgemeinde. Im 50-Jahre-Sprung präsentiert er Ortspläne, die gemeinsam mit vielen weiteren Objekten einen erhellenden Einblick gewähren in den Wandel, der sich in der Hopfenmetropole vollzogen hat – vom Untergang des Klosters über den Verlust des Schlosses bis hin zum legendären Pflaster, mit dem Wolnzach im regionalen Straßenbau eine Vorreiterrolle einnahm. Die Ausstellung zeigt Material, das bereits für das Wolnzach-Buch zur 1200-Jahr-Feier 2014 zusammengestellt wurde – und mitten drin, rot und prächtig, das Modell einer alten Allaeys-Hopfenpflückmaschine.

Zu „Heimat im Koffer, Heimat auf dem Teller, Heimat im Herzen“ haben Studierende aus verschiedenen europäischen Nationen nach „Heimat“ gesucht und dabei viele Menschen befragt. Unter der Regie der Regensburger Ausstellungsmacherinnen Esther Gajek und Carola Grüninger-Schmitz entstand eine Ausstellung, die Heimat als eine sehr sinnliche und persönliche Angelegenheit präsentiert. Was hat ein alter Ledergürtel mit Heimat zu tun? Welche Heimat riecht nach Sonnenmilch? Wie sieht Heimaterde in Säckchen aus?

Der Betrachter kann selbst entdecken, wo das Heimatgefühl zu suchen ist, und sich dabei auf die Suche nach seiner ganz eigenen, persönlichen Heimat begeben.
 

 

In ihrer kurzen Einführung erwähnte Carola Grüninger-Schmitz, dass das Wort „Heimweh“ im 18. Jahrhundert erstmals aufgetaucht ist. Als Therapie für die damals so genannte „Schweizer Krankheit“ habe man empfohlen, in der Fremde einen Turm zu besteigen. Das kläre den Blick, nehme die Melancholie und lindere das Heimweh.

Besonders beeindruckend unter den Exponaten sind die Koffer, die wunderbare Ideen zum Thema Heimat in die Wirklichkeit umsetzen, und bald, nachdem man den dritten oder vierten Koffer geöffnet hat, kommt es einem vor, als stünde man auf einem Turm – das Heimweh wird kleiner, und ein Gefühl macht sich lächelnd im Herzen breit: Heimat eben!

„Wir hören auf“, möchte man Dr. Pinzl, den Museumsleiter, der damit wieder ein tolles Ausstellungskonzept in seinem Hause realisiert, sagen lassen, „im Jahre 2011“. Bis zum 30. Januar 2011 nämlich ist die Doppelausstellung zum Thema Heimat im Deutschen Hopfenmuseum noch zu sehen, und dass Kultur im besten Sinne des Wortes nicht teuer sein muss, zeigt der Eintrittspreis von einem einzigen Euro – günstiger wohl kann man zu einem faszinierenden Stück Heimat nicht kommen!

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